06.07.2018

Die Logistik auf dem Betriebshof soll sicherer werden

Sehen, Denken, Handeln – künftig sollen derlei Eigenschaften nicht mehr nur dem Menschen zu eigen sein. Intelligente mechanische Systeme, Sensorik und Steuerungen können das auch. Sie will der Autozulieferer ZF Friedrichshafen AG zunehmend auf dem Betriebshof einsetzen und diesen damit sicherer machen.

Der ZF Innovation Truck und der Terminal Yard Tractor verkörpern die neue Logistiktechnologie auf dem Betriebshof.

Logistik auf dem Betriebshof von Speditionen

Das Rangieren von Wechselbrücken oder Trailern an den Bestimmungsort können künftig smarte Fahrzeuge autonom übernehmen. Mit zwei innovativen Lösungen zeigt der Friedrichshafener Kfz-Zulieferer ZF, wohin seiner Vorstellung nach die Logistik-Reise gehen könnte – auf dem Betriebshof von Speditionen oder von Flug- und Seehäfen genauso wie auf ähnlich abgegrenzten Arealen.

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen hat sich dem technologischen Leitprinzip „see. think. act” verschrieben. Mit smarten Fahrzeugen sollen Effizienz, Tempo und Umweltfreundlichkeit gesteigert und Unfälle verringert werden. Nicht zuletzt sollen die fahrerlos manövrierenden Transportmittel dazu beitragen, dem stetig wachsenden Fachkräftemangel in der Logistik zu begegnen.

Mangel an ausgebildetem Personal

Die Logistikbranche sieht sich aus Sicht von ZF positiven Wachstumsprognosen und immer größeren Transportvolumina gegenüber. Folglich steigen die Anforderungen an die Flexibilität sowie der Zeit- und Kostendruck. Schwer wiege insbesondere bei Speditionen der Mangel an ausgebildetem Personal. Dieser werde sich bei Berufskraftfahrern noch verschärfen.

Mit dem ZF Innovation Truck und dem Terminal Yard Tractor will man zukunftstaugliche Lösungen anbieten. Autonome Fahrzeuge, die dank Technologien von ZF sehen, denken und handeln können, lassen die Idee der durchweg smarten Logistik auf Betriebshöfen und anderen abgeschlossenen Arealen Wirklichkeit werden, so Fredrik Staedtler, Leiter der Division Nutzfahrzeugtechnik von ZF. Derartige Transportmittel werden künftig dabei helfen, Rangierschäden und Ausfallzeiten erheblich zu verringern.

Das wiederum verschaffe Logistikunternehmen einen Wettbewerbsvorteil.

Staedtler: „Die in unseren aktuellen Innovationsfahrzeugen gezeigten Funktionen sind daher Anwendungen mit hohem Bedarf und schneller Amortisation.“

Neue Brücken-Technologie für Sicherheit

Beim Manövrieren auf dem Betriebshof binden anspruchsvolle Tätigkeiten wie Ab-, Auf- oder Umsetzen von Containern, Abladen der Fracht vom Lkw und das Aufladen von neuer viele Fahrerressourcen. Solche Tätigkeiten kosten Zeit und führen manchmal zu Unfällen und teuren Schäden.

Der ZF Innovation Truck als Hybrid-Lkw auf Basis eines schweren Dreiachsers soll diese Aufgaben fahrerlos übernehmen. Schon nach Einfahrt auf ein Betriebsgelände könne der Lenker aussteigen, den autonomen Fahrmodus aktivieren und danach die Pausenzeiten nutzen.

So funktioniert das autonome Fahrzeug auf dem Betriebshof

Der Lkw findet eigenständig und elektrisch fahrend zu seiner Zielposition. Dort setzt er mithilfe eines Wechselbrückenassistenten eine eventuell bereits geladene Wechselbrücke ab. Ebenfalls von alleine nimmt der ZF Innovation Truck wieder einen neuen Container auf. Das Nutzfahrzeug übernimmt das genaue Rückwärtseinfädeln unter die Wechselbrücke.

Der Zentralcomputer „ZF ProAI“ steuert den „ZF Innovation Truck“ dabei mit höchstmöglicher Sicherheit. Zudem können weder Stress, Müdigkeit und Ablenkung noch Dunkelheit oder widrige Witterungsbedingungen den Lkw beeinflussen. Die aktive elektrohydraulische Nutzfahrzeuglenkung „ReAX“ und das automatische Getriebesystem „TraXon Hybrid“ übernehmen weitere intelligente Aufgaben. Für die Orientierung und Sicht seines Truck wählte der Technologiekonzern ein kamera- und laserunterstütztes Sensor-Setup mit Global Positioning System (GPS).

Autonom satteln

Das erweiterte Sensor-Set lässt zudem den Terminal Yard Tractor seine Umgebung im Blick behalten. Auch hier koordiniert der ProAI alle Funktionen der Längs- und Querführung. So kann dieses Shuttle-Fahrzeug einen Sattelauflieger von einem Sattelschlepper übernehmen und diesen autonom zum Laden und Löschen an die Rampe rangieren.

Ein vor Ort installierter Computer errechnet die Trajektorie und übermittelt die Daten per Funksignal an die On-Board-Unit des ZF-Telematiksystems „Openmatics“. Die fahrzeugseitig verbaute ProAI verarbeitet die Informationen in Echtzeit und wandelt sie in Handlungsbefehle für Motor, Lenkung und Bremsen um.

Elektronisch dirigierte Nutzfahrzeuge

Wohin welches Innovationsfahrzeug wann fahren muss und was für eine Aufgabe dort wartet, erfährt jedes über ein intelligentes und dynamisches Routing-System. In dieses loggen sie sich über das betriebshofeigene LTE/WLAN-Funksignal und die On-Board-Unit von Openmatics automatisch ein, sobald der autonome Fahrmodus aktiviert ist.

Das Routing prüft und berücksichtigt permanent beispielsweise die aktuellen Positionen und Wege anderer Fahrzeuge auf dem Gelände und passt die ursprünglich geplante Streckenführung bei Bedarf sofort an.

Minimaler Aufwand, maximaler Nutzen

Das manuelle Manövrieren vereinfacht ein neuer Einspur-Assistent. Dank Sensor-Set am Fahrzeug und Routing-System auf dem Arbeitsgelände bekommen Lenker hier auf ihrem Tablet angezeigt, wie sie die jeweilige Wechselbrücke schnell und reibungslos ansteuern und aufnehmen können.

Damit unterstreicht der Technologiekonzern, dass er nützliche Funktionen für Lkw-Fuhrparks immer auch diesseits der autonomen Fahrzeugzukunft und fahrerloser Logistik vorantreibt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)