24.06.2019

DHL strickt in Zukunft die Logistik für Seidensticker

Die Schwarze Rose – seit Jahren gilt sie als Qualitätsikone für Hemden von Seidensticker. Doch die Krise hat auf Hemden aus Ostwestfalen Bügelfalten hinterlassen. Produktion in Vietnam und Auslagerung der Logistik an DHL sollen die Schwarze Rose wieder zum Erblühen bringen.

DHL Seidensticker

Im Namen der Schwarzen Rose

Die Schwarze Rose ist die Ikone der Marke Seidensticker. Als „subtiles Wiedererkennungsmerkmal am Ärmelschlitz oder am Bauchbereich des Hemdes sowie im Labeling der Bluse“, wie es in einer Werbeveröffentlichung des Unternehmens heißt, unterstreiche sie die anspruchsvolle Markenhaltung. Doch die ostwestfälische Hemdenindustrie hat zu kämpfen.

Nach den Mitbewerbern Gerry Weber und Ahlers gab es im Frühjahr 2019 auch für Seidensticker nicht so rosige Nachrichten. Das Traditionsunternehmen Seidensticker baut einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ (NW) zufolge bis Ende des Jahres 120 Arbeitsplätze ab, den Großteil davon in Bielefeld. Damit sinkt demzufolge die Zahl der Beschäftigten im Jahr des 100-jährigen Jubiläums am Standort auf 260. Unterdessen habe die angekündigte Transfergesellschaft ihre Arbeit aufgenommen. Die erste Mitarbeiterin ist am 1. Juni in die neue Gesellschaft gewechselt, weitere sollen je nach Auslaufen der Verträge folgen.

Verlust der Lizenz für die Marke „camel active“

Als eine der Ursachen für den tiefen Einschnitt nennt der Zeitungsbericht den Verlust der Lizenz für die Marke „camel active“. Wie schon seit November 2018 bekannt ist, wird der bisherige umsatzmäßig größere Sub-Lizenznehmer Bültel 2020 die Marke komplett übernehmen. Zwei Tochtergesellschaften und vier von 35 Stores würden geschlossen, die Logistik komplett ausgegliedert. Der Store in Heidelberg schließe nach Unternehmensangaben Ende Juli, Essen folge Ende des Jahres.

Die Mietzeit des Stores in Neuss ende im Juni 2020. Wann der Store in Köln schließt, stehe noch nicht fest. Die Gesellschafter Frank und Gerd Oliver Seidensticker hätten die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung informiert. „Alle diese Maßnahmen bedauern wir zutiefst“, zitiert das Blatt Gerd Oliver Seidensticker, geschäftsführender Geschäftsführer. Die Schritte seien „zwingend notwendig“. Nur so könne man das Unternehmen in eine sichere Zukunft führen.

DHL übernimmt Logistik

Das Thema Logistik beschäftigt Seidensticker schon seit zehn Jahren. Das alte sechsgeschossige Zentrum am Standort sei nicht zukunftsfähig gewesen. „Wir hätten komplett neu bauen müssen“, sagt der Unternehmer. Man habe sich schließlich dagegen entschieden. Nutznießer der Logistik-Auslagerung ist die DHL-Gruppe (Deutsche Post). Sie übernimmt einen großen Teil der Seidensticker-Logistik. Hierdurch fallen im Sommer die Stellen von rund 50 gewerblichen Mitarbeitern weg. Sie waren laut NW bislang am Seidensticker-Logistikstandort „Am Stadtholz“ in Bielefeld beschäftigt.

Bereits im Februar hatte Seidensticker den Bereich Logistik als „dicksten Brocken“ bei der Restrukturierung bezeichnet. Schon vor Jahren habe das Unternehmen begonnen, diese Sparte auszulagern. Ein Teilbereich wurde an die Produktionsstätten in Asien angekoppelt. Die Ware geht von dort direkt zur Kundschaft. Weitere Aufträge führt ein Dienstleister in Norddeutschland aus. In Bielefeld sei zuletzt noch ein Drittel der Aufträge bearbeitet worden.

Zwei Millionen Teile pro Jahr

Bis Ende Oktober soll der neue Dienstleister die Logistik-Aufgaben übernehmen. Beide Seiten hätten einen Vertrag über fünf Jahre unterzeichnet. Gesteuert werde die Logistik in Zukunft von Mönchengladbach aus, wo die DHL Supply Chain zunächst auf 6.000 Quadratmetern startet. Der Dienstleister kümmere sich künftig um die Logistik für das Nachorder-, eCommerce- sowie das sogenannte „Never Out of Stock-Geschäft“ (Bestellware). 1,5- bis zwei Millionen Teile aus der Seidensticker-Produktion schickt DHL dem Bericht zufolge demnächst auf den Weg. Insgesamt fertige die Gruppe rund zwölf Millionen Teil im Jahr.

Neuer Betrieb in Haiphong

Bereits im März hat der Modehersteller mit dem Betrieb im vietnamesischen Haiphong sein drittes Werk in Asien eröffnet. Mit ihm reagiert er nach eigenen Angaben „auf den stetig steigenden Bedarf an nachhaltig produzierter Ware“. Während das Unternehmen in der 2007 eröffneten Fertigungsstätte im unweit liegenden Chi Linh, ebenfalls Vietnam, überwiegend Hemden und Blusen der Marke Seidensticker herstellen lässt, produziere der neuen Betrieb der Unternehmensmitteilung zufolge hauptsächlich für den Private Label Bereich. Ein weiteres Seidensticker-Werk betreibt das Unternehmen seit 2014 in Semerang in Indonesien.

„Der Private Label Bereich wächst weiter und bildet neben der Eigenmarke Seidensticker eine wichtige Säule unseres Unternehmens. Die Gruppe konzentriert sich auf ihre Kernbereiche und stellt sich so zukunftsorientiert auf. Die Eröffnung der neuen Produktionsstätte ist in diesem Zusammenhang ein wesentlicher, notwendiger Schritt“, kommt Seidensticker im NW-Bericht weiter zu Wort.

Online-Geschäft mehr Umsatz als Läden

Der Stellenabbau ist offenbar auch Ergebnis der Optimierung der Beschaffungsstruktur und der Digitalisierung von Abläufen. Der stationäre Handel habe es in Zeiten von E-Commerce mit einem starken Frequenzrückgang zu tun. Das Online-Geschäft der Hemden- und Blusenmarke erziele inzwischen mehr Umsatz als alle firmeneigenen Läden, mit Ausnahme der Outlets.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)