02.08.2018

Deutschland ist Europameister bei Verpackungsmüll

Einkaufen, Lagern, Nutzung – alles muss praktisch sein. Vor allem bei der Verpackung. Luxus-Verschlüsse, Portioning, Versandhandel, Eat and Drink to go, One-way, Dosierhilfen. Deutschland ist zum Europameister beim Verpackungsmüll verkommen. Das Umweltbundesamt schlägt Alarm.

Deutschland liegt mit seinem Verpackungsmüll an der Spitze in Europa.

Deutsche Verbraucher sind anspruchsvoll

Deutschland liegt bei Verpackungsmüll in Europa ganz vorne. Verbraucher hierzulande sind anspruchsvoll, denn sie bevorzugen:

  • immer aufwendigere Verschlüsse
  • kleinere Portionen
  • mehr Versandhandel
  • immer häufiger Nahrungsmittel to go
  • zusätzliche Funktionen wie etwa Dosierhilfen

Ein derartiger Verpackungsluxus hat seine Folgen. In Deutschland fielen 2016 insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Das sind 0,05 Prozent mehr als 2015, so der neue Bericht des Umweltbundesamts (UBA) zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland.

Dies entspricht 220,5 kg Verpackungsabfall pro Kopf. Im Vergleich der vergangenen 25 Jahre ist die Menge damit immer weiter gestiegen. 70 Prozent des Verpackungsabfalls wurden dem Bericht zufolge 2016 dem Recycling zugeführt. Der Rest wurde größtenteils energetisch verwertet.

Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, in einer Mitteilung ihrer Behörde:

„Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa.“

Das sei schlecht für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch. Zunächst müsse man das Recycling und den Rezyklateinsatz weiter stärken, um Ressourcen zu schonen. Des Weiteren müsse man Müll bereits in der Produktionsphase vermeiden, indem man auf unnötige und materialreiche Verpackungen verzichte. Schließlich solle man Mehrwegsysteme stärken. Diese hätten klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen.

Mehr dazu finden Sie auf der Website des Umweltbundesamts.

Neues Verpackungsgesetz ab 2019

Ab 1.1.2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Dann muss zumindest das Kunststoffrecycling der Verpackungen weiter gesteigert werden, die im dualen System anfallen. Zunächst liegt die Quote bei 58,5 Prozent, ab 2022 bei 63 Prozent. Dies betrifft alle Verpackungen, mit denen sich Hersteller bei dualen Systemen beteiligen müssen und die über die Wertstoffsammlungen entsorgt werden – wie Glas-, Papiersammlung, Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne und Wertstoffhöfe.

Achtung: Das neue Verpackungsgesetz betrifft auch Betreiber von kleinen Onlineshops

Stahl viel, Kunststoff wenig recycelt

Die Recyclingquote variiert je nach Verpackungsmaterial. Den Angaben zufolge beiträgt sie bei:

  • Stahl: 92,1 Prozent
  • Papier/Karton: 88,7 Prozent
  • Aluminium: 87,9 Prozent
  • Glas: 85,5 Prozent
  • Kunststoffe: 49,7 Prozent
  • Holz: 26,0 Prozent

Gerade Kunststoffverpackungen sind aufgrund der Materialvielfalt schwierig zu sortieren und recyceln. 2016 konnten immerhin 0,9 Prozent mehr Kunststoffverpackungen recycelt werden als im Vorjahr – erstmals mehr, als der energetischen Verwertung zugeführt wurde.

Krautzberger: „Insbesondere bei Kunststoffen müssen wir das wertvolle Material stärker dem Recycling zuführen und weiter nutzen.“

10,9 Prozent der Verpackungsabfälle wurden den Angaben zufolge zum Recycling exportiert. Bei Papier- und Kartonabfällen seien Import und Export ausgeglichen, bei Glasverpackungen werde mehr importiert als exportiert. 10,6 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle wurden exportiert, importiert hingegen nichts.

Vielfältige Ursachen für hohen Verpackungsverbrauch

Der Anteil von privaten Endverbrauchern an der Gesamtmenge Verpackungsmüll betrug insgesamt 8,52 Millionen Tonnen. Das sind 47 Prozent oder 103,5 kg pro Kopf.

Das Amt macht für den nach wie vor hohen Verpackungsverbrauch vielfältige Ursachen verantwortlich. Ein Beispiel sind zusätzliche Funktionen der Verpackungen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse. Diese benötigen mehr Material und machen das Recycling schwieriger. Zudem setzt sich der Trend fort hin zu kleineren Portionen anstatt Großverpackungen, zu Versandhandel anstatt Vor-Ort-Kauf und zu Außer-Haus-Verzehr.

Immerhin: Der Verbrauch von Kunststoffverpackungen der privaten Endverbraucher nahm äußerst geringfügig ab – von 25 kg auf 24,9 kg pro Kopf. Dafür wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was das Umweltbundesamt darauf schließen lässt, dass diese Kunststoffverpackungen ersetzen. Glas und Aluminium seien in der Herstellung jedoch sehr energieintensiv.

Maria Krautzberger: „Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen ist nicht immer ökologisch sinnvoll.“

Besser sei es, weniger Verpackungsmaterial zu nutzen und die Verpackungen weniger aufwendig zu gestalten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)