05.05.2020

Deutsche Bahn fährt in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen

Alle reden von Corona – auch die Bahn. Zu schaffen macht ihr das zunehmende Ozonloch in der Haushaltskasse, hervorgerufen durch die Pandemie. Es beläuft sich derzeit auf bis zu zehn Milliarden Euro. Das Unternehmen fährt noch zu etwa zehn Prozent der normalen Auslastung.

Deutsche Bahn

Lutz informiert Bundesverkehrsminister Scheuer

Tief in die roten Zahlen fährt die Deutsche Bahn zur Zeit. Darüber soll laut „Spiegel“ Bahnchef Richard Lutz Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) informiert haben. Das Unternehmen brauche wegen der Belastungen in der Corona-Krise zusätzliche Finanzhilfen vom Bund.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur benötigt der bundeseigene Konzern bis 2024 rund acht bis zehn Milliarden Euro. Bis zur Hälfte könnte die Bahn selber übernehmen. Die Schuldenobergrenze von derzeit rund 25 Milliarden Euro müsste man ausweiten. Vor der Krise habe die Bahn knapp darunter gelegen. Denkbar seien Einsparungen hier oder da. Investitionen will das Unternehmen auf hohem Niveau beibehalten. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst mit Blick auf die Zahlen:

„Ein Alptraum für den Steuerzahler.“

Bahn-Angebot der Krise angepasst

Die Bahn hat laut dpa ihr Angebot in der Corona-Krise angepasst. Den größten Teil des Fahrplans hält sie als Grundversorgung aufrecht. Im Fernverkehr bestünden, so Lutz, demnach noch Anfang April weiterhin rund drei Viertel des sonst üblichen Angebots. Menschen in systemrelevanten Berufen wie Polizisten, Pflegepersonal oder Supermarkt-Mitarbeiter sollen fahren können. Die Fahrgastzahlen im Fernverkehr sind jedoch eingebrochen: auf zehn bis 15 Prozent unter Vorkrisenniveau.

Lutz: „Unser Anliegen ist, einen Beitrag zum Funktionieren dieser Gesellschaft zu leisten: für die auch in Krisenzeiten noch notwendige Mobilität der Menschen und auch für die logistische Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung.“

Der Regionalverkehr sei durchaus vergleichbar mit etwa 15 Prozent unter dem Niveau vor der Krise. Gleichzeitig führen etwa 75 Prozent des Bahn-Angebots im Fernverkehr. Für die Bahn zählten derzeit nicht vorrangig Betriebsergebnisse oder Auslastungszahlen.

Lutz: „Wir halten die Dinge aber nicht nur am Laufen, wir machen weiter! Wir halten an der Strategie der Starken Schiene fest und setzen weiter auf Wachstum und Verkehrsverlagerung.“
Probleme habe es im Güterverkehr gegeben. Nach Vorlage der April-Zahlen will der Vorstand den Aufsichtsrat am 15. Mai über die wirtschaftliche Lage informieren. Lutz habe schon vor Wochen betont, dass die Corona-Pandemie die Bahn „vermutlich noch härter als die Finanzkrise 2008/2009“ treffen werde.

DB Schenker verstärkt globale Aktivitäten

Unterdessen verstärkt Bahn-Tochter DB Schenker ihre Aktivitäten global gegen die Pandemie. Mit drei eigens umgerüsteten Passagiermaschinen des Typs Boeing 767 der isländischen Luftlinie Icelandair hat der globale Logistikdienstleister eine tägliche Luftfracht-Verbindung zwischen Shanghai und München eingerichtet. Das China-Shuttle wendet sich demzufolge an Importeure medizinischer Ausrüstung wie Masken oder Schutzanzüge gegen das Coronavirus. Mit den ersten Flügen habe man bereits Dutzende Tonnen Medizingüter nach Europa gebracht. Ein Ausbau des Shuttles und weitere Verbindungen seien in Vorbereitung. Dabei kommen drei exklusiv für den globalen Logistikdienstleister umgerüstete Passagiermaschinen von Icelandair zum Einsatz.

Kapazitäten schaffen, wo sie fehlen

„Wo Kapazitäten fehlen, schaffen wir sie“, sagt Thorsten Meincke, Vorstand für Luft- und Seefracht bei DB Schenker.
Man baue mit dem China-Shuttle das globale Versorgungsnetz im Kampf gegen Corona aus. Mit den zusätzlichen Flügen habe man in kürzester Zeit die eigene Handlungsfähigkeit in der Krise bewiesen, so Meincke. Die Lead Time bis zur Auslieferung am Zielort beträgt den Angaben zufolge fünf bis sieben Tage. Zum Start sind 45 Flüge von Schanghai Pudong nach München vorgesehen, im vollen Betrieb in zwölf Rotationen pro Woche. Ein Ausbau des Shuttles und weitere Verbindungen, z.B. zweimal wöchentlich nach Chicago, sind in Vorbereitung.

200 Kubikmeter mehr Laderaum

Kooperationspartner Icelandair hat für DB Schenker die Passagiersitze aus den drei Passagiermaschinen ausgebaut. Dadurch seien mehr als 200 Kubikmeter Laderaum im Rumpf sowie auf dem Passagierdeck entstanden. Zudem ließ DB Schenker ein eigenes Logo neben dem von Icelandair auf der Außenhülle der Maschinen anbringen – erstmals das DB-Schenker-Logo auf einem Flugzeug. Die Schenker AG gehört mit rund 76.200 Mitarbeitern an über 2.100 Standorten in über 130 Ländern zu den führenden Logistikdienstleistern weltweit. Das Unternehmen bietet Landverkehr, Luft- und Seefracht sowie umfassende Logistiklösungen und globales Supply Chain Management aus einer Hand.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)