28.07.2017

Das Wasserstoff-Ei des Kolumbus: Revolution in der Energieversorgung?

Wasserstoff gilt als ideale alternative Energiequelle. Man kann ihn aber nur sehr aufwendig zentral herstellen. Mit einem Förderprogramm will die Regierung die Marktnutzung trotzdem vorantreiben. Zudem rückt die kostengünstige dezentrale Herstellung näher – in einem Wasserstoff-Ei.

Wasserstoff-Ei

Ab sofort können Anträge auf Förderung von Wasserstoff- und Brennstoffzellenantriebe für Schiffe gestellt werden. Am 5. Juli 2017 hat das Bundesverkehrsministerium (BMVI) den zweiten Aufruf für ein Förderprogramm gestartet mit dem Namen: „Marktaktivierung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP 2). Das berichtet die Schifffahrtsplattform Bonapart unter Berufung auf Mitteilungen des Ministeriums.

Energieträger für Brennstoffzellen: Wasserstoff und Methanol

Die erste Phase des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) lief von 2007 bis 2016. Mit 500 Millionen Euro wurden Forschung und Entwicklung gefördert. In der zweiten Phase muss das NIP neu ausgerichtet werden, denn jetzt beginnt die Markteinführung von Brennstoffzellenprodukten sowie der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur für den Verkehr.

Laut Projektträger Jülich (PTJ) will man die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts wettbewerbsfähig im Verkehrssektor und im Energiemarkt etablieren. Für alle Verkehrsträger zusammen stehen im Zeitraum 2016 bis 2019 rund 250 Millionen Euro bereit – so berichtet Bonapart.

Brennstoffzellenherstellung in größeren Stückzahlen

Marktaktivierung meint die Produktion technisch ausgereifter Brennstoffzellen in größeren, wettbewerbsfähigen Stückzahlen. Daran fehlt es bislang. Aber auch bei der Infrastruktur zur Treibstoffversorgung und Wartung hapert es der Plattform zufolge immer noch.

Deshalb habe man zunächst nicht den Privatkunden, sondern die „gewerbliche Anwendung mit entsprechenden Stückzahlen“ im Blick. Man denkt demnach bei Seeschiffen an Bordstrom aus der Brennstoffzelle, bei Binnenschiffen an hybriden Antrieb u.a. mit Strom aus ihr.

Coelho: Wasserstoff der Treibstoff der Zukunft

George Coelho ist Professor an der George-Washington-Universität in Washington DC und einer der führenden Wissenschaftler im Bereich der neuen Energien. Er berät auch Großinvestoren wie z.B. die Familie Brenninkmeijer (C&A, Unternehmerkapital mit sieben Milliarden Euro Investments in Firmen und Fonds laut Manager Magazin).

Coelho bezeichnet Wasserstoff als einen sehr guten und sehr sauberen Treibstoff. Man müsse „nur eine kostengünstige Herstellungsart finden, die es dem Verbraucher erspare, sein Auto aus einem großen Tanklastzug von ‚Air Liquide‘ befüllen lassen zu müssen“. Das äußerte Coelho Mitte Juli 2017 auf der Europäischen Investorenkonferenz „Follow The Entrepreneur – Investors Summit“ (FTE) in Malta. Dieses Problem scheint nun gelöst zu sein. Und damit das Problem fehlender Infrastruktur zur Versorgung mit Wasserstoff.

Das Wasserstoff-Ei des Kolumbus der Energieversorgung

Die Lösung: Das „H2-Ei“, eine Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Rostock und der Technischen Universität Ilmenau (Thüringen). Auf der FTE-Konferenz befassten sich die fast 500 Teilnehmer, Vertreter renommierter Investoren und Kapitalgeber aus 30 Ländern, vor bis zu 70.000 per Live-Videostream zugeschalteten Zusehern aus aller Welt eingehend mit dem Wasserstoff-Ei.

Wasserstoff-Ei
Wasserstoff-Ei

Das sind die Vorteile dieser Technologie:

  • dezentrale Herstellung von Wasserstoff just-in-time
  • unmittelbarer Verbrauch
  • Null-CO2-Ausstoß
  • Null-NOx-Ausstoß
  • Null-Partikel-Ausstoß

Das Wasserstoff-Ei kann dort eingesetzt werden, wo es benötigt wird: im Schiff, in der gewerblichen Anwendung in Industrie und Dienstleistung, aber auch für den Privatkunden in diesen Bereichen:

  • E-Fahrrad
  • Motor im Auto
  • Haushalt

Das alles ohne die aufwendige zentrale Herstellung von Wasserstoff, ohne teure Lagerungs-, Transport- und Speichertechnologie für seinen Einsatz.

Bei Massenfertigung ab 500 Euro pro Wasserstoff-Ei

Und das nicht erst Mitte des nächsten, sondern spätestens ab Ende dieses Jahrzehnts, d.h. schon in drei Jahren, bei Endverkaufspreisen in der Massenfertigung ab ca. 500 Euro pro Wasserstoff-Ei. Die Patentinhaber, vertreten durch das Start-up-Unternehmen H2 GmbH in Staufen im Breisgau, sind in Malta auf reges Interesse bei möglichen Investoren gestoßen.

Unabhängig davon haben sie ihr Wasserstoff-Ei auch bereits beim PTJ sowie bei der Projektförderung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), Köln, zwecks Förderung vorgestellt. Gemeinsam mit der Programmgesellschaft Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellenforschung (NOW GmbH) ist PTJ für die Bearbeitung der Anträge verantwortlich.

Autor: Franz Höllriegel