05.11.2019

Das Beschaffungsamt sucht Beschaffer

Die Öffentliche Hand hat ein Problem: sie soll immer mehr beschaffen, doch sie hat immer weniger Fachpersonal, das sich auf Beschaffung versteht. Vor allem für IT und Sicherheit besteht Beschaffungsbedarf. Das Beschaffungsamt hält jetzt mit umfassenden Maßnahmen gegen.

Beschaffungsamt sucht Beschaffer

1,2 Millionen öffentlich Beschäftigte weniger in zehn Jahren

Mehr als 460 Milliarden Euro stecken Bund, Länder und Kommunen pro Jahr in öffentliche Aufträge. Das entspricht rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der öffentliche Einkauf ist eine enorme Marktmacht, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Bis 2030 werden mehr als 1,2 Millionen Beschäftigte altersbedingt aus dem Öffentlichen Dienst ausscheiden. Wie das Beschaffungsamt (BeschA) mitteilt, stehen die Chancen für eine Karriere im Öffentlichen Sektor damit so gut wie nie. Das Beschaffungsamt ist dem Bundesinnenministerium unterstellt und größter ziviler Beschaffer des Bundes. Weil die Nachfrage nach Beschaffungsleistungen steigt, will das BeschA qualifizierte Fachkräfte gewinnen.

Beschaffungsamt für Behörden

Als größter ziviler Beschaffer des Bundes kümmert sich das Beschaffungsamt um die Beschaffung von Waren und Dienstleistungen für Behörden, Stiftungen und Organisationen des Bundes. Es setzt jedes Jahr Einkaufsprojekte im Wert von rund zwei Milliarden Euro um.

Das Spektrum reicht von Software- und Hardware-Projekten über Spezialausrüstung für Sicherheitskräfte und Fahrzeugen für den Katastrophenschutz bis hin zu Einsatzschiffen für die Bundespolizei. Die im Beschaffungsamt angesiedelte Zentralstelle IT-Beschaffung (ZIB) ist der zentrale Ausrüster für die Digitalisierung des Bundes. Bei allen Beschaffungen steht zudem besonders der nachhaltige Einkauf im Fokus. Dieser wird durch die beim Beschaffungsamt angesiedelte Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) unterstützt.

Digitalisierung des Vergabewesens

Damit sich bei der Beschaffung von Bau-, Dienst- und Lieferleistungen keine Vetternwirtschaft entwickelt, gelten die strengen Regeln des Vergaberechts. Reformen sollen jetzt die Digitalisierung des Vergabewesens voranbringen, denn viele Ausschreibungen werden noch immer überwiegend mit Papier abgewickelt. Hier gibt es Luft nach oben, wie das Handelsblatt berichtet. Es beruft sich dabei auf eine Mitgliederumfrage des Deutschen Vergabenetzwerks (DVNW). Demnach geben 69 Prozent der befragten öffentlichen Auftraggeber an, die rechtlichen Vorgaben für die sogenannte E-Vergabe bereits vollständig umgesetzt zu haben. Bei 23 Prozent der Befragten ist das nicht der Fall.

Bei der E-Vergabe werden Ausschreibung und Angebote über eine Internetplattform des Beschaffungsamts abgewickelt. Ein ebenfalls mögliches digitales Vergabemanagementsystem nutzt nur die Hälfte der Befragten. 30 Prozent setzen kein solches System ein.

Gestiegener Bedarf an Beschaffungsleistungen

Um dem gestiegenen Bedarf an Beschaffungsleistungen, vor allem in den Bereichen IT und Sicherheit, Rechnung zu tragen, eröffnet das Amt 2020 in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt einen zweiten Dienstsitz. Am neuen Standort will es entsprechend zunächst 75 neue Arbeitsplätze in der Beschaffung für IT und Innere Sicherheit ansiedeln. Sie gilt es schnellstmöglich zu besetzen. Am ersten Dienstsitz in Bonn sind derzeit rund 260 Mitarbeiter beschäftigt. Susanne Nachtigall, stellvertretende Behördenleiterin im Beschaffungsamt:

„Erfurt bietet als Standort zweier Hochschulen und mit weiteren Hochschulen im Einzugsbereich, durch seine gute Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur sowie sein reichhaltiges kulturelles Angebot eine ganze Reihe von wichtigen Vorteilen für die anstehende Personalgewinnung.“

Karrieretag der Smart Country Convention in Berlin

Als weitere Maßnahme zur Gewinnung von Fachkräften stellte sich das Amt auf dem Karrieretag der Smart Country Convention am 24. Oktober 2019 in Berlin vor. Felix Zimmermann, Abteilungsleiter der Zentralstelle IT-Beschaffung (ZIB) im Beschaffungsamt, präsentierte dabei im Rahmen von „Spot On Employers“ die Arbeit des Beschaffungsamtes und der ZIB.

Die Karrieretag-Besucher konnten sich außerdem mit Mitarbeitern des Beschaffungsamts austauschen. Der Karrieretag richtet sich an Studenten, Absolventen, Doktoranden, Young Professionals und Berufserfahrene aus den Bereichen Informatik, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungswissenschaft und Public Management. Mit rund 10.000 Teilnehmern, 300 Rednern, mehr als 120 Ausstellern und drei Tagen Programm ist die Smart Country Convention die bundesweite Leitmesse für die Digitalisierung des Public Sector.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)