11.12.2017

Dänische Reederei Maersk übernimmt Hamburg Süd

Mehrere Kartellbehörden brauchten über ein Jahr für die Prüfung – jetzt ist es amtlich: Die dänische Reederei Maersk übernimmt den deutschen Konkurrenten Hamburg Süd. Der bisherige Besitzer, die Bielefelder Oetker-Gruppe, zieht sich nach 80 Jahren aus der Schifffahrt zurück.

Reederei

Vertragsunterzeichnung für März erwartet – Marke und Strukturen von Hapag Süd bleiben

Nach außen soll sich zunächst kaum etwas ändern. Wie der „NDR“ Anfang Dezember berichtet, übernimmt die dänische Reederei Maersk für 3,7 Milliarden Euro die Reederei Hamburg Süd. Die Marke des bisherigen Konkurrenten bleibt erhalten. Auch Name und Strukturen sollen unter dem Dach des weltweit führenden Schifffahrtskonzerns weitergeführt werden.

Hinweis aus der Redaktion

Sie haben eine Frage zur See- oder Binnenschifffahrt? Dann werden Sie fündig in EinkaufLogistikTransport. Das Expertenwissen für die Branche jetzt testen, kostenlos und 30 Minuten lang!

Stellenstreichungen geplant

Maersk will dem Sender zufolge allerdings ab 2019 jährlich 350 bis 400 Millionen Dollar einsparen. Die Einsparungen will der Mutterkonzern unter anderem durch Stellenstreichungen erreichen. In der Sendung kommt der neue Vorstandschef Arnt Vespermann zu Wort. Ihm zufolge will man 131 der 1.000 Stellen am Standort Hamburg abbauen – etwa jeder achte Arbeitsplatz an Land.

Den betroffenen Mitarbeitern wolle der Mutterkonzern Maersk Jobs an anderer Stelle anbieten, so in der Zentrale in Kopenhagen. Sorgen, der Hamburger Hafen könnte nun Umschlagsmengen verlieren, versuchte Maersk-Manager Sören Toft zu zerstreuen. Hamburg bleibe wichtig, zitiert ihn der Bericht.

Über ein Jahr Kartellamtsprüfung

Maersk und der frühere Eigentümer der Hapag Süd, der Bielefelder Oetker-Konzern, hatten vor einem Jahr die Transaktion angekündigt. Der Kaufvertrag für die 140 Jahre alte Reederei soll im März 2018 unterzeichnet werden. Die Verhandlungen und die anschließenden Genehmigungen durch zahlreiche Kartellbehörden werden sich bis dahin über ein Jahr hingezogen haben.

Oetker verlor viel Umsatz mit Reederei

Hamburg Süd wurde 1871 gegründet. Oetker zieht sich mit dem Verkauf nach mehr als 80 Jahren endgültig aus der Schifffahrt zurück. Der Konzern verliert dadurch nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mehr als die Hälfte seines Umsatzes von rund zwölf Milliarden Euro.

Die Gruppe will nach eigenen Angaben ihre Aktivitäten mit Nahrungsmitteln, Bier, Sekt, Wein, Spirituosen, Hotels und Chemie ausbauen.

Schwierige Marktverhältnisse in der Schifffahrt

Die Reedereien hatten den Kauf mit den schwierigen Marktverhältnissen in der Schifffahrt begründet. Die Containerschifffahrt leidet seit Jahren unter Überkapazitäten und sinkenden Frachtpreisen.

Viele Reedereien schreiben rote Zahlen. Immer mehr Unternehmen schließen sich zusammen oder bilden Allianzen, um Kosten zu senken.

Fusionen in der Schifffahrt

Deutschlands Branchenprimus Hapag-Lloyd erhielt unlängst von der EU-Kommission grünes Licht für die Fusion mit dem arabischen Rivalen UASC. Zusammen würden sie damit zur Nummer fünf der Branche. Ende Oktober kündigten laut FAZ drei führende japanische Reedereien den Zusammenschluss ihrer Containergeschäfte zur Nummer sechs der Branche an.

Die südkoreanische Reederei Hanjin wurde durch die Krise in die Pleite getrieben. Sie meldete Ende August Insolvenz an. 2013 war eine geplante Fusion zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg Süd geplatzt.

Marktanteile der Reedereien

Dem Branchendienst Alphaliner zufolge liegt Hamburg Süd gemessen an der Transportkapazität auf Rang sieben der größten Containerreedereien der Welt, einen Platz hinter dem Lokalrivalen Hapag-Lloyd. Die Flotte von Maersk wächst durch den Deal um 105 auf insgesamt 773 eigene und gecharterte Schiffe an.

Insgesamt passt der Marktanteil der Reedereien weitgehend mit der Zahl der betriebenen Schiffe zusammen. Eine Ausnahme ist die Pacific Int. Line aus Singapur. Sie betreibt zwar 138 Schiffe und liegt damit auf Platz 7, hat aber nur einen Marktanteil von 1,7 Prozent. Ihre Schiffe sind klein. Sie kann der Zeitung zufolge etwa 350.000 20-Fuß-Standardcontainer (Twenty-Foot Equivalent Units – TEU) bewegen. Hamburg Süd liegt auf Platz 8, kann mit einer kleineren Flotte von nur 105 Schiffen aber 645.000 TEU transportieren.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)