31.03.2020

Corona-Krise: Luftfrachtbranche ist mit Hilfspaket der Politik unzufrieden

Über den Wolken – kennt das Corona-Virus auch keine Grenzen. Während das ifo-Institut einbrechende Exportzahlen meldet, sind die Airlines zunehmend beunruhigt. Das Hilfspaket der deutschen Politik finden sie nicht ausreichend. Sie fordern funktionierende Luftfrachtinfrastrukturen.

Luftfrachtbranche

Exporterwartungen der Industrie im freien Fall

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich massiv verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im März von minus 1,1 auf minus 19,8 Punkte gefallen. Dies ist der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Mai 2009, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung mitteilt. Die Corona-Pandemie bremse den weltweiten Handel aus, die länderübergreifende Logistik werde schwieriger. Besonders davon betroffen: Exportnation Deutschland.

Autoindustrie besonders hart betroffen

Die Exporterwartungen sind laut ifo in nahezu allen Industriebranchen gesunken, teilweise deutlich. Besonders hart treffe es die Autoindustrie. Hier rechne man mit deutlichen Rückgängen bei den Exporten. Auch im Maschinenbau sei der Ausblick düster. Gleiches gelte für Hersteller von Textilien und Bekleidung. Einen vergleichsweise moderaten Rückgang wollen die Wirtschaftsforscher bei Herstellern von elektrischen Ausrüstungen und in der Chemischen Industrie beobachtet haben.

Staatliche Hilfen nur Schritt in richtige Richtung

Entsprechend sorgenvoll beobachtet die Branche der Luftfrachtdienstleister das Geschehen und insbesondere die Maßnahmen der Regierung zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Pandemie. In einer Mitteilung an die Presse begrüßt zwar die Interessenvertretung von mehr als 100 Fluggesellschaften in Deutschland, das Board of Airline Representatives in Germany (Barig) den konstruktiven Austausch der Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr mit der Luftverkehrsbranche.

Die von der Bundesregierung angekündigten direkten Hilfen wie die Anpassung der Kriterien für die Kurzarbeiterregelung trügen kurzfristig zur akuten Entlastung der Branche und Industrie bei. Ebenso wichtig für die Fluggesellschaften sei die von der deutschen Politik unterstützte und von der EU in Aussicht gestellte Aussetzung der 80/20-Regelung zum Erhalt bestehender Slots.

Maßnahmen nicht ausreichend

Die Organisation weist jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen angesichts der immensen Herausforderungen bei weitem noch nicht ausreichten. Konkret fordert der Verband:

  • Erhaltung der Liquidität sowie staatliche Steuer- und Gebührenerlasse
  • Gewährleistung der Funktionsfähigkeit der Systempartner der Luftfrachtinfrastrukturen
  • Klarheit bei den Fluggastrechten

Die von der Politik angekündigten Hilfskredite sowie Steuer- und Gebührenstundungen seien ein Schritt in die richtige Richtung. Daneben gehörten Höhe und Notwendigkeit staatlicher Gebühren wie der Luftsicherheitsgebühren und Steuern grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt. Zudem müssten die Kriterien zu Rückzahlungen stemmbar sein und dürften nicht zu späteren existenzgefährdenden Liquiditätsengpässen führen. Den Fluggesellschaften und der Branche müsse es möglich sein, den Betrieb nach Ende der Krise unter Markt und Situation angemessenen Bedingungen wieder aufzunehmen. Barig fordert dazu langfristige Kreditlinien und deutliche Entlastungen von Steuern und Gebühren. Nur so ließe sich der Markt wieder stabil aufbauen.

Funktionsfähigkeit der Luftfrachtinfrastrukturen

Zumal in der gegenwärtigen Ausnahmesituation sei der Luftverkehr ein wichtiger Garant der Krisenbewältigung. Frachtflüge und die Sicherheit der Lieferketten von Gütern und Waren seien entscheidend. Ein funktionierender Warenverkehr sei von vielen Partnern abhängig. Politik und Behörden müssten Sorge tragen, dass auch während dieser Krise relevante Partner ihre Arbeit uneingeschränkt fortführen können, als da wären:

  • Flughäfen,
  • Zoll,
  • Handling-Agenten,
  • Logistikunternehmen,
  • mit der Sicherheit im Luftverkehr betraute Behörden und Unternehmen
  • Deutsche Flugsicherung.

Andernfalls würden Güter-, Waren- und Luftverkehr gänzlich zum Erliegen kommen. Das wiederum könne direkte und in weiten Teilen unabsehbare Folgen für die Versorgung der Bevölkerung haben. In dieser extremen Zeit müsse man Nachtflugverbote aussetzen oder flexibel handhaben, um die Versorgungs- und Lieferketten aufrechtzuerhalten.

Klarheit bei den Fluggastrechten

Schließlich benötigten die Fluggesellschaften von der Politik Klarheit über die Fluggastrechte. Die Pandemie stelle eine höchst außergewöhnliche Extremsituation dar. Entsprechend könnten die in der EU-Verordnung 261/2004 festgeschriebenen Kompensationen nicht greifen. Barig-Generalsekretär Michael Hoppe:

„Die Krise um die wachsende Covid-19-Pandemie hat den Luftverkehr in eine extrem bedrohliche Lage gebracht, wie es sie noch nie gegeben hat.“
Auf dem Spiel ständen

  • Existenzen von Unternehmen und Arbeitsplätzen,
  • damit verbundene Mobilitätsanbindung,
  • Wirtschaftskraft und
  • die Gewährleistung von Handels- und Lieferketten in Deutschland und Europa.

Die Politik müsse daher weitere nachhaltige Entscheidungen und Taten folgen lassen – „auf Länder-, Bundes- und Europaebene“, so Hoppe.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)