05.01.2022

Corona 2022: gemischte Erwartungen zum Jahreswechsel

2022 erholt sich die Wirtschaft. Damit zumindest rechnen viele Firmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) dazu Anfang Dezember befragte. Etwas später, Anfang 2022, sieht für das IW das neue Jahr etwas anders aus. Corona scheint demnach nachhaltiger zu wirken als gedacht.

Corona 2022

Firmen hoffen auf Besserung 2022

Die Stimmung der deutschen Unternehmen bessert sich. Jedenfalls, wenn man als Indiz dafür nimmt, was für die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Anfang Dezember befragte Unternehmen für das kommende Jahr erwarten. Fast jedes zweite hofft auf eine höhere Produktion und ein besseres Geschäft. Die positiven Aussichten machen sich trotz steigenden Infektionszahlen in allen Branchen bemerkbar, schreibt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und bezieht sich dabei auf den IW.

Gestörte Lieferketten hemmen Produktion

Gestörte Lieferketten hemmen die Produktion und treiben die Preise in die Höhe, zitiert der BME aus einer IW-Pressemitteilung. Danach stehe die deutsche Wirtschaft immer noch vor vielen Herausforderungen. Gleichzeitig verunsicherten steigende Corona-Infektionszahlen und mögliche 2G-Regelungen die Unternehmen. Trotzdem schätzten Firmen in Deutschland ihre Aussichten für 2022 insgesamt positiv ein. Branchenübergreifend geben die Befragten laut IW mehrheitlich an, dass sie für sich im kommenden Jahr eine bessere wirtschaftliche Lage erwarten:

  • Etwa die Hälfte der Unternehmen rechne mit einer höheren Geschäftstätigkeit als 2021.
  • 15 Prozent erwarten einen Einbruch, zeigt die aktuelle IW-Konjunkturumfrage, für die über 2.800 Betriebe befragt wurden.

Höhere Investitionen geplant

Der Optimismus mache sich bei den Investitionsplänen der Unternehmen bemerkbar. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, dass sie 2022 mehr investieren wollen als 2021. Besonders Industrie- und Dienstleistungsunternehmen möchten den aufgestauten Investitionsbedarf nachholen. Auf dem Arbeitsmarkt gingen die Pläne bei den Dienstleistern auseinander:

  • Die meisten Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen,
  • der Anteil derer steige, die Arbeitskräfte abbauen wollen – im Vergleich zum Sommer um fünf Prozentpunkte.

Im Süden bessere Stimmung

Besonders positiv gestimmt seien Industriefirmen. Sie bauen auf Nachholeffekte und auf das Ende der Lieferkettenprobleme. Produktionserwartungen für die industriegeprägten Regionen fielen im bundesweiten Vergleich besser aus:

  • Die Stimmung bei den Unternehmen in Baden-Württemberg und Bayern sei mit über 50 Prozent vorwiegend positiv, dabei war dort 2021 die Automobilbranche wegen Produktionsproblemen besonders belastet.
  • Im Norden erwarte fast jedes fünfte Unternehmen negative Aussichten für das kommende Jahr.
  • Im Nordosten rechne laut IW-Angaben sogar jeder vierte Betrieb mit einem Produktionsrückgang. Hier sorgten die getrübten Aussichten in der Tourismusbranche für eine skeptischere Erwartungshaltung.
„Trotz der aktuell steigenden Infektionszahlen dominiert jedoch die Zuversicht für das kommende Jahr“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling laut BME.

Omikron dämpft die Stimmung

Laut „Telepolis“ vom 01.01.2022 malen die Ökonomen des IW den Teufel an die Wand. Auch ohne Omikron werde die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2022 voraussichtlich einen Verlust von 35 Milliarden Euro verbuchen müssen. Komme es zu einer neuen Welle, dann könnte das zu weiteren Verlusten in Höhe von fünf bis 15 Milliarden Euro führen.

Sollte ein weiterer Lockdown notwendig werden, zöge es das Gastgewerbe und den stationären Einzelhandel in Mitleidenschaft. „Rund sechs Milliarden Euro pro Monat gehen in den Geschäften vor Ort verloren, teilweise wandert der Umsatz in den Online-Handel ab“, zitiert die Plattform das IW. Erwischt es die Gastronomie so schlimm wie Anfang 2021, dann könnten sich die Umsatzverluste auf über zehn Milliarden Euro gegenüber einem normalen Jahr summieren.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)