07.09.2017

Containermarkt: Erholung in Sicht

Neue Allianzen, struktureller Wandel und konjunkturelle Entwicklungen haben den Containermarkt der Schifffahrt im vergangenen Jahr verändert. Der Markt wuchs und die Geschäftszahlen haben sich von tiefrot zu schwarz entwickelt. Doch die Experten fragen schon: Wie lange noch?

Containermarkt erholt sich

Containermarkt in der Seefracht

Der Containermarkt in der Seefracht wird sich erholen. Damit rechnet die – nach eigener Einschätzung führende – Plattform für Benchmarking von Seefrachtraten, Xeneta, mit Sitz in Oslo und Hamburg. Anlass für die positiven Annahmen sind langfristige Ratenvereinbarungen. Sie lägen in einigen Fällen um 120 Prozent höher als im Vorjahr.

Das Jahr 2016 erlebte den Konkurs der südkoreanischen Containerreederei Hanjin, aber auch die Bekanntgaben von Nettoverlusten der Top-20-Marktakteure. Laut „Wall Street Journal“ lagen diese Verluste in der Höhe von fünf Milliarden US-Dollar.

Reporting- und Analyseplattform für Verlader und Spediteure

Xeneta bietet Verladern und Spediteuren eine Reporting- und Analyseplattform. Deren Seefrachtkosten werden in der weltweit größten Datenbank dieser Art mit den vertraglich vereinbarten Raten verglichen.

Die Plattform bietet tagesaktuelle Informationen sowohl über den Marktdurchschnitt als auch über die Ausschläge zu Niedrigst- und Höchstpreisen.

2017 Wendepunkt bei Containerraten?

Für 2017 zeichne sich ab, dass dieses Jahr der Wendepunkt sein könnte. Patrik Berglund, CEO von Xeneta, sieht im jüngsten Finanzbericht der weltweit größten Containerreederei (der dänischen Maersk Line) für das zweite Quartal 2017 eine aufschlussreiche Momentaufnahme der Marktlage. Höhere Frachtraten steigerten für das Quartal den Umsatz um 8,4 Prozent auf knapp zehn Milliarden US-Dollar.

Positive Entwicklung bei Hapag-Lloyd

Mittlerweile weisen Berichte darauf hin, dass die deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd in diesem Jahr ihre Gewinne verdreifachen wird. Die Hamburger schafften im zweiten Quartal 2017 operativ wie auch netto den Sprung in die Gewinnzone. So berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf eine Mitteilung des Konzerns.

Im Gesamtjahr strebt danach Vorstandschef Rolf Habben Jansen gegenüber 2016 eine deutliche Ergebnisverbesserung an. Er macht den Aktionären Hoffnung auf eine erste Ausschüttung.

Jansen: Müssen uns Gedanken über eine Dividendenzahlung machen

„Wenn wir unter dem Strich Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben würden, würden wir uns ernsthaft Gedanken über eine Dividendenzahlung für 2017 machen“, zitiert die Zeitung aus einem Interview des Managers mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Hapag Lloyd sei in einer guten Position. „Das Marktumfeld hat sich einigermaßen verbessert, die Kosten haben wir unter Kontrolle.“ Die Frachtraten seien leicht gestiegen.

2016 historischer Preistiefstand

Die Preise sind laut Xeneta seit ihrem historischen Tiefstand im letzten Jahr nach oben gesprungen. Im Mai 2016 lag der laufende Drei-Monats-Durchschnitt der Langzeitraten für einen 40-Fuß-Container (Forty-foot Equivalent Unit, FEU) auf der Handelsroute zwischen den chinesischen Haupthäfen und Nordeuropa bei 655 US-Dollar. Im Mai dieses Jahres lag der Durchschnitt bei 1.438 US-Dollar. Das bedeutet ein Plus von 120 Prozent! Derzeit liege er bei 1.618 US-Dollar.

US-Container-Häfen auf Rekordniveau

Auch auf den Routen nach Nordamerika scheint sich der Wind gedreht zu haben. Berglund: „Mittlerweile sehen wir, dass US-Container-Häfen besser aufgestellt sind als je zuvor.“ Sie werden voraussichtlich 1,75 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) allein in diesem Monat umsetzen, berichtet Berglund und beruft sich dabei auf Zahlen der Container-Datenplattform „Global Port Tracker“. Für die meisten Häfen sei dies „Rekordniveau“.

Dies zeichne sich trotz dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Rückzug der USA aus Initiativen wie der transpazifischen Partnerschaft ab. „US-Containerimporte scheinen tatsächlich zu steigen“, so der Xeneta-CEO.

Containermarkt: Erhöhung von Auslastung und Preisen

Seiner Erachtens komme es zu einer Erhöhung von Auslastung und Preisen. Dazu trügen bei:

  • eine starke Konsumnachfrage
  • die Umstrukturierung von Allianzen zu 90 Prozent des Containerschifffahrtsverkehrs auf die drei großen Verbände The Alliance, Ocean und 2M sowie Hanjins Pleite.

Dennoch herrsche Unsicherheit. Der CEO von Xeneta befürchtet, die Branche könne möglicherweise unwissentlich ihren eigenen Erfolg zunichte machen.

Zunahme der Mega-Schiffe

Als Grund für eine längerfristig komplexere Entwicklung verweist Berglund auf die Zunahme der Mega-Schiffe. Für den Asien-Europa-Handel werden ihm zufolge in den nächsten zwei Jahren 78 neue Mega-Schiffe auf den Markt kommen mit einer Kapazitätsausweitung um über 23 Prozent.

Mega-Schiffe rechneten sich eindeutig hinsichtlich von Skaleneffekten und optimierten Transportkosten. Aber solch hohe Kapazitäten erforderten eine stark steigende Nachfrage.

Auslastungsraten von mindestens 91 Prozent erforderlich

Mega-Schiffe von 18.000 TEU müssen laut Xeneta Auslastungsraten von mindestens 91 Prozent verzeichnen, um Kosteneinsparungen zu erzielen. Auch im volumenstarken Asien-Europa-Handel sei dies schwer zu erreichen und führe gegebenenfalls zu niedrigeren Durchschnittsraten für gewisse Volumina.

Das werde sich wiederum unweigerlich auf die Gesamtratenentwicklung auswirken. Die wichtigsten Allianzpartner spielten einander aus und wollten alle von den Vorteilen der Mega-Schiffe profitieren, so Berglund. Dabei würden sie den Markt mit neuen Kapazitäten überfrachten und die aktuell positiven Trends ins Gegenteil verkehren.

Autor: Franz Höllriegel