29.05.2019

Container-Reedereien gehen auf Blockchain-Handelsplattform

Blockchain – auf dem Festland noch eher im Trockendock, sticht die dezentrale Digitalwährung jetzt in See. Große Reedereien wollen einer Handelsplattform mit dieser Technik beitreten. Sie folgen dem Beispiel globaler Wettbewerber wie Maersk und anderen.

Große Container-Reedereien sind jetzt der Blockchain-Handelsplattform TradeLens beigetreten. Sie erhoffen sich Vorteile von der Transparenz und Übersicht über ihre Transaktionen.

Dank Großreedereien mehr Vertrauen

Die globalen Schifffahrtsunternehmen CMA CGM Group und Mediterranean Shipping Company (MSC) beabsichtigen, der TradeLens Plattform beizutreten. Das berichten die beteiligten Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Bei TradeLens handelt es sich um eine Blockchain-Handelsplattform, die die dänische Reederei A.P. Moller-Maersk und der US-Computer-Konzern IBM entwickelt haben.

Durch die Beteiligung der genannten Reedereien und anderer Carrier an dieser Plattform werden Daten für fast die Hälfte der weltweiten Seecontainertransporte über die Blockchain-Handelsplattform laufen. Von der Teilnahme der Großreedereien erhoffen sich die Plattform-Betreiber einen Schub für das Vertrauen in die Blockchain-Technik, größere Transparenz und eine bessere Zusammenarbeit in den Lieferketten. Damit wollen sie zudem die Rahmenbedingungen im Welthandel verbessern. Die Unternehmen wollen jetzt TradeLens aktiv bewerben und ergänzende Dienstleistungen für ihre Kunden und Partner auf der Plattform anbieten.

Blockchain-Handelsplattform: Zugriff auf vertrauenswürdige Daten in Echtzeit

Die Eigenschaften der Blockchain-Technologie seien ideal für große Netzwerke mit unterschiedlichen Partnern, gibt man sich in der Pressemitteilung überzeugt. Blockchain erstellt eine gemeinsame, unveränderliche Aufzeichnung aller Transaktionen innerhalb eines Netzwerkes. Sie ermöglicht berechtigten Parteien den Zugriff auf vertrauenswürdige Daten in Echtzeit.

Was die Teilnehmer auf der TradeLens-Plattform tun können

  • sich über das gesamte Ökosystem der Lieferkette hinweg verbinden
  • Informationen austauschen
  • digital zusammenarbeiten

Überblick über weltweite Transportdaten

Die Mitglieder erhalten einen umfassenden Überblick über ihre Daten während des Transports von Fracht weltweit. So kann eine transparente, sichere und unveränderbare Aufzeichnung der jeweiligen Transaktionen erfolgen.

Bessere Zusammenarbeit dank Blockchain

Den Angaben zufolge gibt es mittlerweile über 100 Teilnehmer auf der Blockchain-Handelsplattform. TradeLens verarbeitet bereits heute mehr als zehn Millionen einzelne Versandvorgänge und Tausende von Dokumenten pro Woche.

Die Plattform bietet Verladern, Spediteuren, Frachtführern, Zollbeamten, Hafenbehörden, Binnentransportunternehmen und anderen Beteiligten einen durchgängigen Überblick über alle Transaktionen. Das soll Vertrauen schaffen. Die Einhaltung von Datenbesitzrechten und genehmigter Datenzugriff tragen zum Schutz der Privatsphäre bei. Sie ermöglichen den Nutzern, durch den Echtzeitzugriff auf Lieferdaten besser zusammenzuarbeiten.

Wichtige Rolle der Großreedereien

CMA CGM und MSC spielen eine wichtige Rolle im TradeLens-Netzwerk. Die Großreedereien werden jeweils einen Blockchain-Knoten betreiben. Sie nehmen am Abstimmungsprozess zur Validierung von Transaktionen und Hostdaten teil. Außerdem spielen sie als Trust Anchor für das Netzwerk eine wichtige Rolle.

Die Großreedereien sind neben Mitgliedern aus der gesamten Lieferkette im Beirat von TradeLens vertreten. Dessen Zweck ist u.a. die Beratung bei der Festlegung von Standards für Neutralität und Offenheit.

Waschmittelkonzern und Blockchain

Frachteigentümer wie der US-Waschmittelkonzern Procter und Gamble (P&G) sollen besondere Vorteile von der Aufnahme der Container-Reedereien auf der Plattform haben. P&G verschifft jedes Jahr ein erhebliches Volumen an Seecontainern.

„Unabhängig davon, ob diese mit unseren Produkten oder mit Produktionsmaterialien gefüllt sind, hilft uns das Verständnis über den jeweiligen Containerstandort und -status dabei, die Lieferkette zu verwalten“,

sagt Michelle Eggers, Director Global Logistics Purchases bei P&G.

Die Branche würde ihrer Überzeugung nach von der Transparenz und Genauigkeit von Blockchain-Lösungen einen Nutzen haben. P&G hat TradeLens getestet und sieht aufgrund dessen mit zunehmender Verbreitung der Lösung für sich steigendes Potenzial.

Fortschritte bei Entwicklung der Blockchain-Technologie

IBM bescheinigen die Reedereien große Fortschritte bei der Blockchain-Technik. Die Technologie fördere neue Geschäftsmodelle und spiele eine wichtige Rolle bei der weltweiten Optimierung von industriellen Prozessen, so Bridget van Kralingen, Entwicklungschefin Blockchain bei IBM.

„Obwohl die Beteiligung von Container Reedereien entscheidend ist, ist die Tradelens-Plattform auf die Beteiligung aus dem gesamten Ökosystem der Lieferkette angewiesen“, sagt Vincent Clerc von A.P. Moller-Maersk.

Man wolle die Benutzerfreundlichkeit für Kunden durch die Blockchain-Technologie erhöhen. TradeLens sei darauf ausgerichtet, die Supply-Chain-Branche zu verändern. Alle Beteiligte sollen einen Mehrwert davon haben:

  • Spediteure
  • Häfen
  • Terminalbetreiber
  • Binnentransportanbieter
  • Zoll- und andere Regierungsbehörden
  • Kunden
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)