03.03.2020

China Logistics steckt 100 Millionen Euro in den JadeWeserPort

Der einzige Tiefseehafen Deutschlands JadeWeserPort kam lange nicht in günstige Fahrwasser. Eine mangelnde Anbindung schreckte Investoren ab. Doch nun ist Schluss mit Ebbe in der Hafenkasse. Logistikkonzern China Logistics will 100 Millionen Euro in den Nordseeschlick stecken.

China Logistics

Der China Logistics-Wilhelmshaven Hub kommt 2021

Das chinesische Logistikunternehmen China Logistics (CL) hat am 20.02.2020 einen Erbbaurechtsvertrag über 20 Hektar Fläche im Güterverkehrszentrum (GVZ) des JadeWeserPort Wilhelmshaven unterzeichnet. Das meldet die Betreibergesellschaft Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing GmbH & Co. KG. Bis 2021 soll demzufolge damit in Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen das Logistikzentrum „China Logistics-Wilhelmshaven Hub“ für den Umschlag chinesischer Waren entstehen mit:

  • 40.000 Quadratmeter Hallenfläche,
  • 110.000 Quadratmeter ungedeckter Lagerfläche,
  • eine weitere Halle mit 20.000 Quadratmeter Fläche in einem zweiten Bauabschnitt geplant.

Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Projekt beläuft sich den Angaben zufolge auf rund 100 Millionen Euro.

Vom Gütertransport bis hin zu Logistik und Lagerhaltung

China Logistics ist eine Tochter des Staatsunternehmens China Chengtong Holding Group (CCT), die Minderheits-Anteilseigner der Reederei Cosco Shipping Lines ist. CL betreibt in China 58 Logistikzentren. Die Geschäftsfelder des Unternehmens erstrecken sich auf:

  • Gütertransporte auf dem Straßen-, Schienen- und Wasserweg,
  • integrierte Logistikdienstleistungen,
  • internationale Transporte,
  • Lagerhaltung,
  • Distribution.

Das Portfolio der umzuschlagenden Güter am „China Logistics-Wilhelmshaven Hub“ umfasst:

  • Als Schwerpunkt Automotive,
  • Steinwaren für Baumärkte,
  • Lebensmittel,
  • Konsumgüter.

Sie werden über Wilhelmshaven importiert, zwischengelagert und verteilt.

100.000 TEU Umschlag pro Jahr

Langfristig wollen die chinesischen Partner rund 100.000 TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) pro Jahr am Jade-Busen umschlagen. Das Grundstück erhält einen Bahnanschluss. Mittelfristig sieht man bereits Schienenverkehre aus China nach Wilhelmshaven geleitet. Damit biete der Seehafenstandort Wilhelmshaven Voraussetzungen, sich als Teil der „One Belt, One Road“-Initiative der chinesischen Regierung aufzustellen.

Neun Monate Bauzeit

Die Bauzeit für das Logistikzentrum samt Gleisanschluss, Halle und Anlegen der Freifläche veranschlagen die Verantwortlichen auf etwa neun Monate. Baubeginn ist für Winter 2020/21 vorgesehen. Mit der Inbetriebnahme rechnet man 2021. Ziel von China Logistics sei es, ein deutsches oder europäisches Unternehmen mit dem Betrieb des Logistikzentrums zu beauftragen.

Der Erbbaurechtsvertrag hat eine Laufzeit von 99 Jahren. Ausschlag für die Standortentscheidung habe die Verfügbarkeit der Fläche in der gewünschten Größe in Nachbarschaft zu einem Seehafenterminal in Verbindung mit dem vorhandenen Entwicklungspotenzial gegeben. Neben Wilhelmshaven hatten sich andere Hafenstandorte in Europa wie Antwerpen beworben.

Lange wenig befriedigendes Interesse von Investoren

Lange hatte der JadeWeserPort vor sich hin gedümpelt, Kunden zog es nur vereinzelt an die Jade. Insbesondere die wenig befriedigende verkehrliche Anbindung ohne Binnenschifffahrt und eingleisiger Bahntrassen wirkten sich lange Zeit abschreckend auf mögliche Investoren aus. Doch mit dem Einstieg der Chinesen herrscht in Niedersachsen eitel Sonnenschein. Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) sieht in der geplanten Investition eines der größten chinesischen Logistikunternehmen eine Aufwertung der internationalen Bedeutung des JadeWeserPorts und des maritimen Standorts seines Bundeslandes.

Das Güterverkehrszentrum in unmittelbarer Nähe zu Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen bietet laut Althusmann international tätigen Logistikunternehmen gute Bedingungen. Er erhofft sich von der Entscheidung von China Logistics für Wilhelmshaven eine Signalwirkung für weitere Ansiedlungen im JadeWeserPort und positive Auswirkungen auch auf die Liniendienste am Eurogate Container Terminal Wilhelmshaven.

Fünfeinhalb Jahre Verhandlungen

Dem Vertragsabschluss vorausgegangenen waren laut Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketinggesellschaft, rund fünfeinhalb Jahre Verhandlungen mit den Chinesen über die Ansiedlung. Bullwinkel:

„Wir konnten die verantwortlichen Gremien bei China Logistics davon überzeugen, dass Wilhelmshaven für die erste Investition des Unternehmens in Europa der richtige Standort ist.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)