06.02.2020

China kämpft gegen das Coronavirus

Hersteller von Atemmasken atmen dieser Tage auf. Der Ausbruch des Coronavirus um Neujahr hat ihr Geschäft ordentlich angekurbelt. Und auch das mit sonstigen Sanitätsartikeln. Die logistischen Bemühungen Chinas laufen auf Hochtouren, die Ölmärkte reagieren empfindlich.

Coronavirus

Kampf gegen 2019-nCoV

China kämpft derzeit einen verzweifelten Kampf. In einer einzigen Woche hat das Land zur Kontrolle des Coronavirus, Codename 2019-nCoV, medizinisches Bedarfsmaterial in Höhe von 290 Millionen Yuan (rund 41,8 Millionen US-Dollar) importiert, um die Engpässe im eigenen Land zu verringern. Das berichtet die staatliche Informationsplattform „german.china.org.cn“ unter Berufung auf Daten der Hauptzollverwaltung (GAC). In der Woche bis zum 30. Januar 2020 importierte demnach China rund 59,18 Millionen medizinische Artikel, darunter:

  • mehr als 56 Millionen Schutzmasken,
  • 69.000 Schutzbrillen,
  • 738.000 Schutzanzüge,
  • etwa 36.000 Desinfektionsmittel,
  • 95.000 Medizinprodukte.

Chinesische Wirtschaft an weltweiter Beschaffung beteiligt

Allein am Donnerstag seien medizinische Hilfsgüter im Wert von 190 Millionen Yuan in den chinesischen Markt gekommen. Chinesische Unternehmen und staatliche Organisationen hätten sich dabei aktiv an der weltweiten Beschaffung medizinischer Produkte in China beteiligt, um die Bemühungen gegen den Ausbruch des neuartigen Coronavirus zu unterstützen:

  • So habe der in Shanghai ansässige Mischkonzern Fosun Group und das chinesische Technologieunternehmen Tencent zusammen etwa 45.000 medizinische Schutzanzüge aus Großbritannien und Japan bezogen. Sie seien am Donnerstagabend in der von dem Virus heimgesuchten zentralchinesischen Stadt Wuhan eingetroffen.
  • Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba habe außerdem einen Spezialfonds in Höhe von einer Milliarde Yuan für die Beschaffung globaler medizinischer Güter eingerichtet. Er stehe mit 42 ausländischen Lieferanten von Schutzmasken in Kontakt.
  • Der chinesische Zoll habe die Zollabfertigung für eingehendes Material für die Vorbeugung und Bekämpfung des Ausbruchs des Virus‘ beschleunigt. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie habe außerdem erklärt, man ermutige Unternehmen im eigenen Land, die Produktion der benötigten medizinischen Materialien wieder aufzunehmen, gleichzeitig aber die weltweite Beschaffung zu erweitern, um inländische Engpässe zu verringern.

Spezialkrankenhaus in nur einer Woche aus dem Boden gestampft

Insgesamt 1.400 medizinische Mitarbeiter des Militärs sind seit Montag im Krankenhaus Huoshenshan im Einsatz. Es wurde innerhalb von neun Tagen gebaut und am Sonntagmorgen offiziell an das Militär übergeben, um mit der hoch ansteckenden Lungenentzündung infizierte Patienten aufzunehmen und zu behandeln.

Die Bauarbeiten des Krankenhauses mit mehr als 7.000 Bauarbeitern im Arbeitersanatorium von Wuhan in Caidian-Bezirk begannen am 25. Januar. Teilweise arbeiteten mehr als 4.000 Arbeiter mit etwa 1.000 Baumaschinen und Lastwagen auf der Baustelle des Großprojekts. Die Einrichtung verfügt den Angaben zufolge über 1.000 Betten in 419 Stationen, darunter 30 Intensivstationen.

E-Commerce im Dienste des Kampfes gegen das Virus

Für den Kampf gegen die Epidemie hat die Regierung eine Reihe weiterer Maßnahmen beschlossen:

  • das staatliche Postamt organisiert Post- und Express-Unternehmen und koordiniert die gesamten Netzwerkressourcen,
  • Öffnung internationaler und inländischer Flugrouten,
  • Verbesserung von Landtransporten,
  • Gewährleistung von Transporten und Expresslieferungen von Hilfsgütern in Schlüsselgebiete wie Wuhan und von lebenswichtigen Artikeln der Menschen.

China Post, SF Express, JD und andere Unternehmen haben einen sogenannten „grünen Kanal für Rettungsmittel“ eröffnet. Bis zum 2. Februar habe China Post 32.000 Fahrten der Post-LKWs und fünf Luftfahrten der Postflugzeuge durchgeführt. Die Flugzeuge hätten 49.000 Kisten mit Anti-Epidemie-Materialien transportiert. Dies habe die Transportknappheit stark verringert.

Zusätzliche Liquidität gegen das Coronavirus

Unterdessen hat laut „german.china.org.cn“ die staatliche People’s Bank of China (PBOC) am Montag, den 3. Februar 2020, erster Handelstag nach den durch das Coronavirus beeinträchtigten Neujahrsfeiertagen, insgesamt 1,2 Billionen Yuan (rund 173 Milliarden US-Dollar) in die Finanzmärkte fließen lassen.

Der Schritt solle unerwarteten Marktschwankungen vorbeugen und ausreichende Liquidität sicherstellen, zitiert die Plattform die Zentralbank Chinas. Bereitgestellt werde das Geld über sogenannte umgekehrte Repogeschäfte. Bei dieser Maßnahme kauften die Banken Wertpapiere von Finanzinstituten. Laut PBOC steige das Liquiditätsniveau des Bankensystems dadurch um 900 Milliarden Yuan.

Reaktion der Ölmärkte

Am 31. Dezember 2019 erfuhr laut der Bundesregierung das WHO-Landesbüro in China erstmals von einer Häufung von Patienten mit einer Lungenentzündung unbekannter Ursache in Wuhan, einer Stadt mit 19 Millionen Einwohnern in der Provinz Hubei, China. Nach Angaben der chinesischen Behörden in Wuhan waren demnach einige Patienten als Händler oder Verkäufer auf dem Huanan-Seafood-Markt in Wuhan tätig. Es ist der größte Seafood-Markt in Wuhan mit über 600 Ständen und 1.500 Arbeitern.

Auch Wildtiere oder Organe von anderen Tieren und Reptilien seien auf dem Markt angeboten worden. In der Woche bis zum 5. Januar 2020 reagierten die Ölmärkte zunächst mit einem Preisanstieg. Die mit dem Virus verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen zeigten sich in gestrichenen Flügen. Im Monatsschnitt notierten die Preise für Benzin und Diesel laut Verbraucherinformationsdienst clever-tanken zwar auf einem so hohen Niveau, wie zuletzt im August und Mai 2019. Die Sorgen darum ließen die Preise für Rohöl und damit auch für Kraftstoffe seit etwa dem 20.1.2020 jedoch nach unten schnellen.

Fallende Preise für Heizöl

Auch bei Heizöl beherrscht das Corona-Virus das Marktgeschehen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen steigt noch immer, zuletzt laut Heizöl-Beobachtungsplattform „esyoil“ auf 2800. Der chinesische Ölverbrauch wird demnach vor allem durch die Einschränkungen beim Flugverkehr getroffen. Aber auch die gesamte chinesische Wirtschaft, die immerhin 20 Prozent der Weltwirtschaft darstellt, leide unter den drastischen Maßnahmen, die Peking gegen die Ausbreitung des Virus angeordnet hat.

Viele Arbeitnehmer können oder wollen nach den Ferien des chinesischen Frühlingsfestes nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. In der Provinz Hubei, dem Zentrum der Epidemie, liege der Handel weitgehend lahm. Die wenigen verbliebenen Ölpreisoptimisten hielten sich an drei Strohhalmen fest:

  • die OPEC: sie könnte schneller als erwartet auf den Nachfrageausfall reagieren. Das Technische Kommittee des Kartells werde schon kurzfristig über Gegenmaßnahmen beraten. Weitere Förderkürzungen lägen in der Luft.
  • die chinesische Zentralbank: sie wolle mit den genannten Maßnahmen die Wirtschaft mit niedrigen Zinsen und Krediterleichterungen ankurbeln. Peking wolle mit höheren Staatsausgaben reagieren. Allerdings könnten diese Maßnahmen erst greifen, wenn sich das öffentliche Leben wieder normalisiere.
  • Libyen: es stütze schon in der zweiten Woche die Ölmärkte. Die Förderung liege unter 0,3 Millionen Barrel pro Tag. Die innenpolitischen Kämpfe hielten damit knapp eine Million Barrel pro Tag vom Markt fern.

Die Heizölpreise in Deutschland fallen am 3. Februar 2020 laut „esyoil“ erneut auf das Zweijahrestief von Ende Januar. Die durchschnittlichen Preise liegen demnach knapp unter 58 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3000 Liter) – für Heizöl-Einkäufer die Sonnenseite der Corona-Epidemie.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)