23.05.2017

China bringt Seidenstraße 2.0 auf den Weg

Schon in der Antike verbanden die Handelswege der einstigen Seidenstraße Asien, Afrika und Europa. Jetzt will China sie neu erstehen lassen. Mit Partnern entlang der Route will das Reich der Mitte moderne Handelskorridore aufbauen – mit Häfen, Straßen und Bahnstrecken.

Wasserweg: die Seidenstraße 2.0

Erster Güterzug von Großbritannien nach China

2013 leitete China das Jahrhundertprojekt Seidenstraße ein. Dabei geht es in erster Linie um Infrastrukturprojekte wie Häfen, Straßen und Bahnstrecken. Im April machte sich ein erster Güterzug von Großbritannien auf den gut 12.000 Kilometer langen Weg in den Osten Chinas. Die chinesische Entwicklungsbank hat laut „Zeit Online“ umgerechnet 817 Milliarden Euro in Form von Krediten für insgesamt 900 Bau- und Entwicklungsprojekte bereitgestellt.

Einst Milch und Honig, heute Krisen voller Aufruhr

Chinas Staatspräsident Xi Jinping empfing jetzt 29 Staats- und Regierungschefs und Minister aus 110 Ländern zu einem Seidenstraße-Gipfel, darunter die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Viele Teile der Seidenstraße, an der einst „Milch und Honig flossen“, seien heute Krisengebiete „voller Aufruhr“, sagte Xi. Diese Brennpunkte müssten „politisch entschärft werden“.

Milliarden für Häfen, Pipelines, Bahntrassen

Xi nannte seine 2013 geborene Idee, Chinas historische Handelswege zu Wasser und zu Lande erneut zu beleben, ein „Jahrhundertprojekt“. Peking will Eurasien und Afrika wirtschaftlich neu vermessen und infrastrukturell vernetzen lassen. Unter seiner Regie soll China der Weltwirtschaft ein neues Konjunkturprogramm bescheren.

Lagarde: Seidenstraße schließt Billionen-Lücke

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, Christine Lagarde, erklärte auf dem Gipfel, das Seidenstraßen-Projekt könne dazu beitragen, beim Ausbau der Infrastruktur der Entwicklungsländer die Lücke von 1,5 Billionen US-Dollar pro Jahr zu schließen. Unklar ist dem Bericht zufolge allerdings noch die Finanzierung der gigantisch teuren und risikoreichen Infrastrukturprojekte. Wirtschaftsforscher des Pekinger Staatsrats veranschlagen für den Zeitraum 2016 bis 2020 einen Investitionsbedarf für Infrastrukturprojekte von 10,6 Billionen US-Dollar, schreibt „Zeit Online“ und beruft sich dabei auf einen Bericht der „China News“.

China in Vorleistung

Bisher ging China in Vorleistung. Chinas Staatsunternehmen investierten seit 2013 mehr als 50 Milliarden US-Dollar in Staaten, die zu den 56 Ländern der Seidenstraßen gehörten. 50 der insgesamt 102 staatlichen Großkonzerne Chinas, die für 70 Prozent aller Auslandsinvestitionen verantwortlich sind, hätten in 1700 Projekten in den Seidenstraßenländer investiert, zitiert „Zeit Online“ den Aufseher der chinesischen Staatsindustrie, Xiao Yaqing. Xi kündigte an, den Ende 2014 mit 40 Milliarden US-Dollar gegründeten „Seidenstraßenfonds“ um weitere fast 15 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Die China Development Bank und die Export-Import-Bank müssen neue Spezialkredite für Infrastrukturprojekte im Gesamtumfang von umgerechnet 55 Milliarden Dollar vergeben. Xi bat auch die neu gegründete Internationale Asiatische Investitionsbank (AIIB), der 77 Staaten angehören, die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) um Finanzierungs-Mithilfe.

Seidenstraße – ein Staatsprojekt

Klar dürfte derzeit so viel sein: Peking sieht das Seidenstraßenprojekt als eine Offensive des Staates, die von Staatsunternehmen durchgeführt und von Staatsbanken finanziert wird. Gebaut wurden bisher Frachtbahnlinien bis nach Europa, Zugsysteme in Afrika, wie die 750 Kilometer-Strecke von Äthiopien nach Djibouti. Weitere afrikanische und asiatische Zugverbindungen befinden sich in Bau, von Mombasa nach Nairobi in Kenia, von China nach Laos und Thailand. Eisenverbindungen nach Deutschland bestehen von China aus nach Nürnberg und Europas größten Binnenhafen Duisburg.

China übernimmt Häfen an der Seidenstraße

Bei Hafenbau und Hafenübernahmen hat China bereits Fakten geschaffen. Zu den chinesischen Projekten gehört Piräus in Griechenland, Gwadar in Pakistan und Djibouti. Dort bauen zurzeit rund 10.000 chinesische Bauarbeiter einen strategischen Hafen für China. Zugleich investierten chinesische Konzerne in 60 Energie-Projekte in 20 Seidenstraßen-Staaten, darunter in den Bau von Öl- und Gaspipelines in Russland und Kasachstan. In Pakistan errichten sie den größten unter den sechs geplanten Wirtschaftskorridoren entlang der Seidenstraße. Eine mehr als 10.000 Mann starke Armee soll Chinas Arbeiter, Ingenieure und seine Projekte vor Terroranschlägen schützen.

Autor: Franz Höllriegel