10.09.2018

China-Afrika-Gipfel: Peking investiert Milliarden Dollar in Afrika

Auf dem China-Afrika-Gipfel hat Peking klar gemacht, dass es Milliarden Dollar in Afrika investieren wird. Und gleichzeitig will es die Seidenstraße als Hauptschlagader für den Handel zwischen Fernost und Europa wieder beleben. Einkaufsexperten sehen dabei große Chancen für die Versorgungssicherheit und eine flexiblere Beschaffungslogistik.

Auf dem China-Afrika-Gipfel verspricht der chinesische Präsident Xi neue Milliardeninvestitionen in Afrika.

Chinas Engagement in Afrika

Kaum ein Land Afrikas, in dem China nicht bereits emsig tätig ist. Jetzt setzt das Reich der Mitte eins drauf: Auf dem China-Afrika-Gipfel am 3. September 2018 verspricht Chinas Präsident Xi Jinping rund 50 afrikanischen Staatschefs laut „Welt“ weitere Milliarden Dollar. Das Geld soll im Rahmen eines neuen Drei-Jahres-Aktionsplanes fließen – ohne irgendwelche politischen Vorbedingungen, wie er betont.

Ziel: Afrika soll helfen, Chinas neue Seidenstraße aufzubauen. Und Teil davon werden. Es ist Chinas bislang umfassendste Aufbau- und Entwicklungsförderung für Afrika. Sie reicht von konkreter Industrialisierungs-, Agrar-, Handels- und Kulturförderung über Klimaschutz bis zu militärischer Zusammenarbeit und gemeinsamer Sicherheitspolitik.

Viel Applaus für Xi auf dem China-Afrika-Gipfel

Die Zahl, die Xi auf dem Kongress nannte, bedachten die Tausende Teilnehmer mit großem Applaus. Darunter befanden sich mehr als 30 Staats- und Regierungschefs afrikanischer Staaten. Xi: Sein Land wolle nicht nur den ärmsten Staaten des Kontinents die Schulden erlassen und besondere Fonds mobilisieren.

Seine Regierung stelle für die Realisierung der ehrgeizigen Ankündigungen auch 60 Milliarden US-Dollar an Finanzhilfen zur Verfügung: davon 15 Milliarden als Schenkungen, der Rest als zinslose Darlehen oder Vorzugskredite. Peking hatte erst vor drei Jahren 60 Milliarden Dollar für Afrika bereitgestellt.

Afrika als Plattform für Ausbau der Seidenstraße

Xi bezeichnete Afrika mehrfach als eine Plattform für den Ausbau der neuen Seidenstraße und ihrer riesigen Wirtschaftskorridore. Über die will China sich mit Europa verbinden – über den Landweg durch Zentralasien und über die Seewege, die an den Küsten Südostasiens und Afrikas vorbeiführen.

„Wir wollen diese Straße zu einer Straße des Friedens, der Öffnung, der grünen Entwicklung und Innovation und der Verbindung zwischen unterschiedlichen Zivilisationen machen.“

So zitiert die „Welt“ den chinesischen Präsidenten. Die Seidenstraße helfe auch dabei, den „Traum“ von der nationalen Wiederentstehung sowohl Chinas als auch Afrikas zu verwirklichen.

Im „Spiegel online“ wird vermutet: „Da läuft etwas zwischen China und Afrika, und zwar etwas Welthistorisches.“

Eine gute Karte mit einem Überblick über die geplante neue Seidenstraße finden Sie auf welt.de.

Peking unterstützt die Entwicklung in afrikanischen Ländern mit Hilfe beim Bau von Häfen und Airports, Straßen und Eisenbahnlinien, Schaffung von Freihandelszonen und Vernetzung mit China. Mehrere der 53 Staaten Afrikas haben dem Bericht zufolge vor Beginn des Gipfels in Peking eine Absichtserklärung unterschrieben, am Aufbau der neuen Seidenstraße mitwirken zu wollen.

China baut Afrika-Präsenz stetig aus

China ist laut „bernerzeitung.ch“ der wichtigste Handelspartner Afrikas und hat sein Engagement im Unterschied zu den USA in den letzten Jahren ständig gesteigert. Seit 2002 hat sich das Handelsvolumen zwischen China und afrikanischen Staaten mehr als verzehnfacht: von zwölf auf 136 Milliarden US-Dollar, wie das schweizerische Portal schreibt.

Nach einem vorübergehenden Rückgang zieht der Handel seit 2016 wieder an. Zuletzt betrug das Volumen gar 170 Milliarden Dollar. Damit habe China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents überholt. Schon lange unterhält es wirtschaftliche Beziehungen zu den meisten afrikanischen Ländern, besonders aber zu Angola und Südafrika. Zwischen 1992 und 2016 hat China Waren im Wert von fast 375 Milliarden nach Südafrika exportiert und von dort importiert.

Massive chinesische Investitionen in Afrika

Zudem investiert China seit Jahren massiv in Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents. Nichts hat Afrika seit der Jahrtausendwende mehr verändert als das Vorrücken Pekings. Mit den ausländischen Direktinvestitionen der chinesischen Regierung gelangen nicht nur Kapital, sondern auch Wissen und Technologie nach Afrika. Diese Investitionen sind seit 2002 explodiert. Allein 2016 betrugen sie nach Angaben der UNO über 36 Milliarden. Gleichzeitig stiegen auch die Darlehen kontinuierlich an, die von China nach Afrika fließen.

Verschiedene Megaprojekte sollen Chinas Dominanz auf dem Kontinent zusätzlich festigen. So sind beispielsweise zwei neue, 13,8 Milliarden teure Eisenbahnstrecken durch Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi und den Südsudan geplant. Chinesische Investoren finanzieren ganze Städte, wie Angolas fast neun Quadratkilometer große Nova Cidade de Kilamba. In Südafrika soll mit rund acht Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein „New York von Afrika“ entstehen und über die nächsten 15 Jahre 200.000 neue Jobs schaffen.

Neue Seidenstraße verbessert Risikomanagement

Europäische Staaten hatten sich geweigert, einzeln die chinesische Erklärung zu unterschreiben. Sie fühlten sich überfahren, weil sie vorher nicht konsultiert worden waren – berichtet die „Welt“. Die Unterzeichnung hätte zudem die Anerkennung der sogenannten Kerninteressen Chinas bedeutet, berichten EU-Diplomaten.

Unterdessen kommen Signale aus deutschen Wirtschaftskreisen, die die Vorteile der chinesischen Initiativen betonen. Die chinesische „Belt and Road Initiative“ ebne den Weg in den chinesischen Beschaffungsmarkt. So schreibt „BIP“, das Fachmagazin des Bundesverbands für Materialwirtschaft und Einkauf (BME).

Im direkten Einkauf erhöhten demzufolge die neuen Verbindungen die Flexibilität in der Beschaffungslogistik. Damit steige auch die Versorgungssicherheit, was sich wiederum positiv auf das Risikomanagement auswirke. Mindestbestände könnten reduziert und in begrenztem Rahmen Single Sourcing möglich werden. Das Magazin bezieht sich dabei auf Berichte von Unternehmensseite.

Elektronische Bauteile, Fertigwaren und Textilien aus China

Derzeit bezieht Deutschland vor allem elektronische Bauteile und Fertigwaren sowie Textilien aus China. Durch die neuen Zugverbindungen dürfte sich die Beschaffung auch von Rohstoffen aus Nordwestchina sowie zentralasiatischen Ländern verbessern. 70 Prozent der Lieferanten europäischer Unternehmen kommen bislang aus dem Südosten des Landes, die restlichen aus der Mitte, dem Osten und Nordosten. Mit den neuen Zugverbindungen könnte sich dies zugunsten Westchinas verschieben.

Der Anteil der Schiene am gesamten Warenaustausch Deutschlands mit China liegt dem Bericht zufolge derzeit noch bei unter einem Prozent. Dabei könne mit dem Zug im Vergleich zur Seefracht die Transportdauer von 30 auf rund 15 Tage halbiert werden. Gegenüber der Luftfracht liege die Kosteneinsparung bei rund 80 Prozent. Allerdings bremse die Kapazitätsbegrenzung auf 42 Container pro Zug und der zweimalig notwendige Umladevorgang das Projekt. Die Umladung sei notwendig aufgrund unterschiedlicher Spursysteme der Bahnsysteme in den Transitländern.

Entwicklung der Infrastruktur in Asien, Europa und Afrika

Das Projekt sieht „BIP“ zufolge die Entwicklung der Infrastruktur zwischen Asien, Europa und Afrika vor, außerdem die Schaffung mehrerer Wirtschafts- und Handelskorridore zu Land („Belt“) und zur See („Road“). Die Route erstreckt sich von China, Zentral-, Südost- und Südasien über Europa, Afrika und den Nahen Osten. Bislang sind eine Vielzahl einzelner Logistikinfrastrukturprojekte angestoßen worden, die erst mit zunehmender Fertigstellung ein großes Ganzes ergäben.

Ende April 2018 führte die staatliche Eisenbahngesellschaft China Railway 65 Relationen auf, die 43 chinesische mit 41 europäischen Städten in 13 Ländern verbinden. In Deutschland gibt es regelmäßige Verbindungen nach Hamburg, München oder Nürnberg. Voraussichtlich im September 2019 wird der 3. Sino-German Procurement 4.0 Summit in Chengdu stattfinden. 2018 stand er unter dem Motto: „Belt & Road Initiative: Connecting Procurement and Smart Manufacturing across the Supply Chain”.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)