09.04.2020

Bundesgesundheitsministerium ordert Schutzausrüstung in großem Stil

Gut vorbereitet – so sah Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Deutschland für die Pandemie. Doch dann zeigte sich immer mehr: vor allem an Schutzausrüstung fehlt es. Jetzt lässt Spahn Kontraktlogistiker Fiege aus aller Welt herankarren, was an Masken verfügbar ist.

Schutzausrüstung

Auslieferung von Masken an Behörden angelaufen

Atemschutzmasken, Schutzkittel, Handschuhe, Schutzanzüge, Desinfektionsmittel – in den letzten zwei Wochen habe man an die Regionalstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen und an die zentralen Lager der Bundesländer ausliefern sowie an die Bundesbehörden übergeben können. Das berichtet Logistikanbieter Fiege in einer Mitteilung an die Presse. Das Unternehmen verteilt im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) dringend benötigte Schutzausrüstungen für medizinisches Personal in Deutschland.

Kritik an Spahn

Zuvor hatte Spahn von der Branche heftig Kritik einstecken müssen. Der „Spiegel“ zitiert den Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Walter Plassmann, mit den Worten:

„Wir versuchen seit Wochen verzweifelt, irgendwo auf der Welt Schutzausrüstung zu kaufen, das ist fast nicht möglich.“
Vor Wochen hätte die Bundesregierung versprochen zu helfen, lange offenbar jedoch ohne Ergebnis.
„Da ist nichts gekommen. Nicht eine einzige Maske haben wir gekriegt“, sagte Plassmann. Es müsse jedoch allen klar sein: „Wenn uns die Schutzausrüstung ausgeht, sind wir am Ende.“
Spahn hatte offenbar verstanden und ihm war die Warnung Plassmanns klar geworden.

Medizinisches Personal vor Ansteckung schützen

Spahn jetzt laut Fiege:

„Wir wollen diejenigen, die in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen gegen das Coronavirus kämpfen, so gut es geht vor Ansteckung schützen.“
Darum kaufe man mittlerweile als Bundesministerium für Gesundheit dringend benötigte Schutzausrüstung zentral ein. Rund 37 Millionen Schutzmasken seien bis Ende Kw 14/2020 in Deutschland angekommen. Weitere Millionen seien im Zulauf. Er danke allen Beteiligten, die dabei mithelfen, auf einem umkämpften Weltmarkt ausreichend Schutzkleidung für unser medizinisches Personal zu beschaffen und zu verteilen, so Spahn.

Express-Prozess ab Shanghai

Fiege setzt dabei auf einen Express-Prozess, in dessen Verlauf die Schutzausrüstungen morgens in Shanghai (China) in den Flieger gingen und im Laufe des nächsten Tages in allen Bundesländern zugestellt würden, so Vorstandsvorsitzender Jens Fiege. Er leitet gemeinsam mit seinem Cousin Felix Fiege das Unternehmen in fünfter Generation.

„Das ist eine unglaubliche Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können“, so Fiege.
Alle Partner arbeiteten vertrauensvoll zusammen:

  • die Lieferanten in Asien,
  • der TÜV,
  • die Zollbehörden,
  • die Lufthansa Cargo,
  • die Bundespolizei,
  • das BMG als Auftraggeber,
  • die Empfängern in den jeweiligen Bundesländern.

„Wir als Logistiker können damit unseren Beitrag für die Bewältigung der Corona-Krise leisten“, so Fiege.
Der Kontraktlogistiker steuert dabei die gesamte Logistikkette:

  • Anlieferung der verschiedenen Lieferanten und Hersteller der Schutzausrüstung an die Flughäfen in China,
  • Verzollung,
  • Abfertigung,
  • Flug in der Regel mit seinem Partner Lufthansa Cargo nach Deutschland.

TÜV Nord prüft schon in China

Bereits in China prüft der TÜV Nord die Qualität der Ware. Unter Polizeischutz transportiert Fiege die Güter von den deutschen Flughäfen zu einem zentralen Umschlagspunkt, wo sie nachts unter höchsten Sicherheits- und Hygienevorschriften nach einem genau definierten Verteilschlüssel des BMG für die Zustellung an die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Länder vorbereitet werden.

Innerhalb weniger Stunden wird die Ware laut Fiege dann bundesweit zugestellt. Dieser Express-Prozess läuft solange, bis die regionalen Lager der Bundesländer und Krankenärztlichen Versorgungen mit einem ausreichenden Bestand versorgt sind. Aber auch im Regel-Prozess sei gewährleistet, dass die im Laufe eines Tages am Verteilstützpunkt angekommene und vom TÜV geprüfte und frei gegebene Ware im Laufe des nächsten Tages ausgeliefert wird.

Zwei Ebenen für Ankäufe

Das BMG hat die Ankäufe auf zwei Ebenen gestartet:

  • Kurzfristig: In einem „open house“-Verfahren, d.h. ohne vorherige Festlegung auf einen bestimmten Lieferanten“ läuft die Ausschreibung für die Lieferung von FFP2-Masken, OP-Masken und Schutzkittel weltweit noch bis 30. April 2020
  • Mittelfristig: Grundvoraussetzung: die Hersteller müssen ausschließlich ihre Standort in Deutschland haben. Hier geht es um den langfristigen Aufbau von Produktionslinien in Deutschland von:
    • Schutzbrillen
    • Vollgesichtsmasken
    • FFP2-Masken
    • FFP3-Masken
    • OP-Masken
    • Schutzkittel
    • Ganzkörperschutzanzüge
    • Einmalhandschuhe
    • Probenentnahme Materialien
    • Desinfektionsmittel

Interessenten können sich über den VDMA anmelden. Die erste Lieferung der angebotenen Schutzausrüstung muss spätestens bis zum 15.08.2020 über Fiege Logistik Stiftung & Co.KG, Sülzenbrücker Str. 7, 99192 Nesse-Apfelstädt zu deren bei ihr zu erfragenden Geschäftszeiten erfolgen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)