25.05.2022

Briefumschläge nochmals deutlich teurer

Einkäufer sollten sich beeilen. Nicht nur Sprit und Gas werden teurer. Auch Holz. Und damit aus ihm hergestelltes Papier. Auswirkungen davon lassen sich an solchen Beschaffungen wie der von Briefumschlägen ablesen. Die Kosten hierfür sollen bald zum wiederholten Mal steigen.

Briefumschläge teurer

Holzwerke in Finnland liefern nicht genug

Die in den letzten Monaten dramatisch gestiegenen Rohstoffpreise sowie mangelnde Verfügbarkeit von Briefumschlagpapier setzen die europäische Briefumschlagindustrie zunehmend unter Druck. Bereits 2021 war es in der Folge der Schließung des Stora Enso Standortes Veitsiluoto in Finnland zu deutlichen Preiserhöhungen und einer Verknappung bei Briefumschlagpapieren gekommen. Zu Jahresbeginn kam es dann durch einen mehrmonatigen Streik der UPM Werke in Finnland zu einer weiteren Verschärfung der Situation, die aufgrund großer Lieferrückstände auch noch weit über das Streikende hinaus anhalten wird.

Preise in zwölf Monaten mehr als verdoppelt

„Die Preise für Briefumschlagpapiere haben sich in den letzten zwölf Monaten bei unseren Mitgliedsfirmen mehr als verdoppelt. Zudem führt die mangelnde Verfügbarkeit von Papier zu Schichtausfällen und überlangen Lieferzeiten. Unsere Industrie sieht sich derzeit mit Problemen auf den Rohstoffmärkten konfrontiert, die wir so seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr kannten.“ So ein Sprecher des Verbandes der europäischen Briefumschlagindustrie (Federation of European organisations in the paper-based envelopes and packaging sector, Fepe), der die Interessen der der Deutschen und Europäischen Briefumschlagindustrie vertritt.

Neben den Papierpreisen haben sich laut einer Mitteilung des Verbandes verteuert:

  • Fensterfolien in zweistelliger Größenordnung
  • Farben
  • Leime
  • Verpackungsmaterialien
  • Energie
  • Frachten.

Ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit überhaupt nicht absehbar.

Material und Frachten 75 Prozent der Herstellkosten von Briefumschlägen

75 Prozent der Herstellkosten von Briefumschlägen machen Material und Frachten. Weitere deutliche Preisanpassungen seien deswegen unumgänglich, heißt es bei Fepe. „Briefumschläge werden leider auf breiter Front teurer, dabei geht es jetzt nicht mehr um Cent-Beträge, sondern wir bewegen uns aufgrund der Kostenerhöhungen schon im Bereich von mehreren Euro pro 1000 Umschlägen“, so Fepe in einer Stellungnahme. Für die Hersteller werde e nahezu unmöglich, sich auf Kontrakte mit längerfristiger Preisbindung einzulassen, wie diese bisher häufig von Büroartikelhändlern und großen Versendern gefordert wurde. Die Risiken längerfristiger Verträge seien inzwischen so groß, dass einige Hersteller lieber auf Geschäfte ganz verzichten, als sich längerfristig preislich zu binden.

Feindbild Werbung

Die im Verband der europäischen Briefumschlagindustrie (FEPE) zusammengeschlossenen Unternehmen sehen zudem die zum marktwirtschaftlichen System gehörende Werbefreiheit zunehmend gefährdet. So haben die Aktionsgemeinschaft „Letzte Werbung“ und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gefordert, dass die in Deutschland bewährte Opt-out-Regelung durch eine strikte Opt-in-Regelung ersetzt werden soll. Die DUH fordert als einfache und schnell umzusetzende Klimaschutzmaßnahme ein Ende der ungewollten Werbepost. Durch ein gesetzliches „Opt-in-Verfahren“ für unadressierte Werbepost ließen sich nach Berechnungen des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes jährlich bis zu 535.000 Tonnen des Klimagases CO2 einsparen. Werbung dürfte dann nur noch in Briefkästen geworfen werden, wenn dies ausdrücklich erwünscht ist, etwa mit einem einfachen „Werbung – Ja bitte“-Schild. Die DUH kritisiert, dass die Deutsche Post sowie führende Supermarkt- und Baumarktketten diesen effektiven Ansatz für Abfallvermeidung und den Schutz des Klimas nicht unterstützen.

„Der neueste Bericht des Weltklimarates belegt, dass Klimaschutz jetzt und unverzüglich in allen Lebensbereichen umgesetzt werden muss. Allein durch einen Stopp der ungewollten Werbepost könnten pro Jahr mehr als eine halbe Million Tonnen CO2 eingespart werden. Ohne teure Technikinnovationen und zeitlichen Verzug könnte die Bundesregierung die Werbemüllflut einfach mit einem Opt-in-Verfahren stoppen. Dabei muss niemand auf etwas verzichten. Wer weiterhin Werbung will, bekommt sie. Der ungelesene und sinnlos produzierte Großteil aber wird eingespart“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Post hauptverantwortlich für unadressierte Werbepost

Sie bezichtigt die Deutsche Post als einem der hauptverantwortlichen Akteure für unadressierte Werbepost. „Die Deutsche Post will nach eigenen Aussagen schon in wenigen Jahren klimaneutral sein. Ohne entscheidende Änderungen bei der Verteilung unadressierter Werbepost wird dies allerdings nicht zu machen sein. Nach unserer Berechnung ist die Deutsche Post für jährlich eine Milliarde ‚Einkaufaktuell‘-Werbebroschüren verantwortlich. Die Ankündigung des Unternehmens, zukünftig auf die Plastikhülle für die Werbebroschüren verzichten zu wollen, kommt viel zu spät und ändert nichts an der klimaschädlichen Herstellung und Verteilung mehrerer hundert Millionen ungelesener Werbepapiere. Wenn es die Post ernst meint mit Klimaschutz, dann muss sie ein Opt-in-Verfahren für unadressierte Werbepost unterstützen.“

Aber auch Supermärkte, Möbelhändler und Baumärkte müssten bei der Vermeidung unnötiger Werbebroschüren mehr tun. Das schwedische Möbelunternehmen Ikea und der Textilhändler Kik zeigten bereits, dass es auch ohne gedruckte Werbebroschüren gehe. Ikea habe seinen Printkatalog eingestellt und der Textil-Discounter verzichte komplett auf die Versendung von Werbebroschüren. Stattdessen könnten Werbeangebote online über Kunden- oder Prospektportale zur Verfügung gestellt oder per Mail versendet werden. Für Werbemails ist bereits die ausdrückliche Zustimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher notwendig. So sollte es am Briefkasten auch sein.

Werbung ja bitte

Dies würde bedeuten, dass unadressierte Werbung nur noch zugestellt werden darf, wenn der Briefkasten mit einem Aufkleber „Werbung – ja bitte“ versehen ist. Die Systemumstellung könnte nach Einschätzung der FEPE tausende von Arbeitsplätzen in der Druck- und Webeindustrie kosten. Nach Auffassung des Fepe stehen die DUH , die Aktionsgemeinschaft „Letzte Werbung“ und auch ein Teil der politischen Parteien der zum marktwirtschaftlichen System gehörenden Werbefreiheit grundsätzlich kritisch bis ablehnend gegenüber. Werbung werde immer häufiger zum Feindbild. Werbung „verführe“ Verbraucher zum Kauf von eigentlich unerwünschten Produkten wie Fleisch, Süßigkeiten oder SUVs. Sie sollte aus Sicht der Werbeskeptiker möglichst schnell eingeschränkt werden. Zur Erreichung dieses Ziels scheint die Reduzierung der Print-Werbung den idealen Ansatzpunkt zu bieten.

Werbung Kernelement der Marktwirtschaft

Werbung sei im Gegensatz dazu ein Kernelement unseres marktwirtschaftlichen Systems, so Fepe. Sie diene in erster Linie der Information über Produkte sowie Dienstleistungen und schafft für die Verbraucher Preistransparenz. Zudem werben auch Parteien und Institutionen um Mitglieder und Spende. Dies wird gerade in diesen Tagen deutlich, wenn auch Parteien, die sich für ein konsequentes Opt-in einsetzen, unadressierte Wahlwerbung in die Briefkästen einwerfen.

Werbung erfülle in unserer Wirtschaftsordnung also einen wichtigen Zweck und verdient deshalb Anerkennung und keinesfalls eine ablehnende Haltung. Zudem stehe es jedem Verbraucher frei, durch einen entsprechenden Aufkleber unerwünschte Werbung aus seinem Briefkasten zu verbannen. Von diesem Recht machen rund 30 Prozent der Verbraucher Gebrauch. Das aber genüge den Initiatoren Opt-in-Kampagne nicht. Aus ihrer besonderen Sicht machten die Verbraucher einfach nicht das, was sie eigentlich tun sollten.

Pro Jahr werden laut DUH mehr als 28 Milliarden gedruckte Werbeprospekte ungefragt in deutschen Briefkästen verteilt – „mit verheerenden Folgen für Umwelt, Klima und Müllaufkommen“. Zur Herstellung der Werbeprospekte würden pro Jahr verbraucht:

  • 42 Milliarden Liter Wasser,
  • 4,3 Milliarden Kilowattstunden Energie und
  • 1,6 Millionen Tonnen Holz.

Viele der milliardenfach hergestellten Broschüren, die teils überdies mit Plastik umhüllt seien, landeten im Müll – ob ungelesen, wie der DUH behauptet, dafür bietet er in seiner entsprechenden Pressemitteilung keine schlüssige Belege an. Dass ein Opt-in-System unnötige Werbebroschüren schlagartig verringern kann, zeigt etwa die niederländische Hauptstadt Amsterdam, die es schon 2018 eingeführt hat. Laut Stadtverwaltung werden dadurch pro Jahr 6.000 Tonnen Papier und zwischen 650 und 750 Fahrten der kommunalen Müllabfuhr eingespart.

Zweifel an DUH-Berechnungen zu CO2

Fepe bezweifelt die DUH-Berechnungsmethode der CO2-Einsparungen. Zudem verschlängen die als Alternative genannten digitalen Lösungen enorme Mengen elektrischer Energie. Ganze Serverfarmen müssten hierfür vorgehalten werden, die selbst nicht CO2-frei zu betreiben seien. In Wirklichkeit gehe es den Initiatoren des Opt-ins um etwas anderes. Wie auch schon bei einigen anderen Themen strebten vermeintlich fortschrittliche Kräfte eine Umerziehung der Bevölkerung an, mutmaßt Fepe. Verbraucher sollen demnach zu Verhaltensänderungen gezwungen werden und nun Werbung möglichst ganz aus ihren Briefkästen verbannen. So oder ähnlich fände sich das in den Wahlprogrammen einiger Parteien wieder.

Allerdings übersähen die Werbekritiker, dass 2021 in der Werbebranche rund 500.000 Menschen arbeiten, mehr als 100.000 davon in der Druckindustrie und ihren angelagerten Bereichen. Viele von ihnen könnten durch unbedachte Entscheidungen ihren Arbeitsplatz verlieren. Alleine in der Briefumschlagindustrie stehen durch ein konsequentes Opt-in rund 2 Milliarden Werbehüllen zur Disposition. Die Fepe will sich im Schulterschluss mit anderen Verbänden mit allen Mitteln gegen einen unsinnigen Opt-in-Systemwechsel wehren. „In keinem Fall werden wir zulassen, dass das marktwirtschaftliche Element „Werbung“ in Deutschland verteufelt werde. Werbung dürfe nicht zum Feindbild werden, so ein Sprecher der Fepe.

Ob indes das Arbeitsplatz-Argument längerfristig Bestand haben kann, darf man bezweifeln. Es gibt andere Industrien, die einen mindestens ebenso großen Bedarf an Arbeitsplätzen anmelden könnten und gleichwohl kaum Hoffnung auf Gehör bei der Politik hegen dürften. So hat die Tonbandindustrie sich in den 1970er Jahren mit ähnlichen Argumenten vergeblich gegen urheberrechtliche Ansprüche der Musikindustrie gewehrt.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)