08.07.2019

Brenner-Nordzulauf: Bahn will Neubaustrecke

Die Tiroler sind lustig – nur nicht in Sachen Brenner-Nordzulauf. Sie hätten auch kaum Grund dazu. Sie und Italien machen ihre Hausaufgaben. Der Brenner-Basistunnel könnte schon 2028 fertig sein. Nur Deutschland bummelt. Hier lässt die Bahn jetzt erst fünf Trassenvarianten diskutieren. Mögliche Fertigstellung: 2038.

Die Neubaustrecke für einen Brenner-Nordzulauf wird jetzt diskutiert.

EU: mehr Verkehr auf die Schiene

Die EU möchte im Inntal mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Anwohner wollen nur einen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke durchs bayerische Inntal Richtung Brenner. In 17 Bürgerinitiativen hatten sich Gegner des Projekts organisiert. Sie halten die bestehende zweigleisige Strecke für ausreichend. Doch das hat die Bahn jetzt ausgeschlossen. Der Projektleiter der Bahn, Torsten Gruber sagte laut „n-tv“, man habe einen Ausbau geprüft, allerdings als Lösung endgültig verworfen. Am Montag, 1. Juli 2019 präsentierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fünf Streckenvarianten für den Brenner-Nordzulauf.

Scheuer begründete den Neubau damit, dass Güterverkehr auf die Schiene gebracht und internationale Verpflichtungen erfüllt werden müssten. Eine Neubaustrecke auf deutscher Seite könnte nach Schätzungen frühestens 2038 fertig sein. Bis dahin reiche die bestehende Strecke. Sie will man dafür modernisieren.

Brenner-Nordzulauf: Neubaustrecke von Tirol bis vor die Tore Münchens

Vor vier Jahren begannen die Deutsche Bahn (DB) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit den Planungen für eine Neubaustrecke zwischen dem Tiroler Inntal bis vor die Tore Münchens. Gleichzeitig startete ein planungsbegleitender Bürgerdialog mit 155 regionalen Vertretern. Schritt für Schritt hätten laut einer Mitteilung der Bahn die Fachplaner seitdem Bereiche ermittelt, die für eine Streckenführung in Frage kommen könnten.

Im Juni 2018 stellte die Bahn die ersten Entwürfe von Grobtrassen für den Brenner-Nordzulauf vor. Seitdem haben die Bürger selbst ein halbes Jahr lang nach weiteren Lösungen gesucht. Daraus sind 110 unterschiedliche Vorschläge entstanden, die fachlich untersucht worden sind. Nach mehrmonatiger Detailarbeit hätten sich die Planer auf fünf Grobtrassen zur Weiterverfolgung geeinigt, alle fünf in zwei groben Streckenverläufen westlich und östlich von Rosenheim, so laut Bahn.

Die Bahn lässt fünf Varianten für einen neuen Brenner-Nordzulauf untersuchen.

Von den fünf zur Diskussion gestellten Trassenführungen verlaufen zwei östlich von Rosenheim und knüpfen bei Niederaudorf an die bestehende Strecke im Inntal an. Sie unterscheiden sich im Süden Rosenheims durch die Tunnelanteile. Die drei weiteren Varianten Gelb, Oliv, Türkis liegen westlich von Rosenheim und bieten laut Bahn mehrere Verknüpfungsmöglichkeiten mit der bisherigen Strecke. Die Trassen Blau und Violet führen östlich an Rosenheim vorbei, letztere läge zu großen Teilen im Tunnel.

„Für die Politik am interessantesten sind die östlichen mit den meisten Tunnelanteilen“, so Scheuer am Montag in Rosenheim.

Vertiefte Planungen für Brenner-Nordzulauf bis 2020

In den kommenden eineinhalb Jahren sollen die Planer die am besten den unterschiedlichen Anforderungen gerechte Trasse ermitteln. Hierfür sollen sie die fünf Varianten nochmals durchplanen und zum Beispiel

  • Bauwerkspläne für Brücken oder Tunnels erstellen,
  • Höhenlagen ermitteln und
  • den Trassenverlauf genauer festgelegen.

Unterdessen gehen die Bauarbeiten am Brenner-Basis-Tunnel weiter. Im Jahr 2026 soll er laut „Süddeutscher Zeitung“ fertig sein. Auf einer Länge von 64 Kilometern zwischen Tulfes in Österreich und Franzensfeste in Italien entsteht demnach der dann längste Eisenbahntunnel der Welt. Zehn Milliarden Euro kostet das Bauwerk, so die Projektgesellschaft laut der Zeitung. Die EU trägt 40 Prozent der Investitionskosten, den Rest teilen sich Österreich und Italien.

Brenner-Basis-Tunnel: Fahrtzeit Innsbruck Bozen halbiert

Die Fahrtzeit zwischen Innsbruck und Bozen soll sich nach Inbetriebnahme des Tunnels von heute zwei Stunden auf weniger als die Hälfte verringern. Derzeit noch mit Lkw über die Brennerautobahn transportierte Waren sollen künftig durch den neuen Tunnel rollen.

Der Warenverkehr in Europa soll Schätzungen zufolge in den nächsten Jahrzehnten weiter wachsen. Der Tunnel soll dazu beitragen, dass das Transitland Österreich nicht weiter unter dem Lkw-Verkehr leidet. Durch den Tunnel sollen künftig mehr und längere Güterzüge schneller durch den Berg fahren. Das erspart ihnen den Weg über den Pass. Die zwei Tunnelröhren sind zentraler Baustein des europäischen Verkehrskorridors von Nordeuropa über Deutschland nach Italien.

Derweil sorgt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie, dass durch den Streit um die Lkw-Abfertigung am Brenner der Wohlstand gefährdert ist: siehe den aktuellen Bericht auf Spiegel online.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)