01.10.2018

BME-Einkaufsmanager-Index zeigt solide Zuwächse und nachlassende Konjunktur

Ein Sommer, der einer war – und der nicht zu Ende gehen wollte. Analog dazu schien es sich mit dem Aufschwung zu verhalten. Bei nachlassender Konjunktur und weniger Neuaufträgen stellt sich aber jetzt bei der deutschen Industrie wie auch beim Wetter herbstliche Stimmung ein.

Wachsende internationale Spannungen wirken sich auch auf den EMI im August 2018 aus.

Weniger Neuaufträge, robustes Wachstum

Die deutschen Industrieunternehmen verzeichneten im August 2018 solide Zuwächse bei Produktion und Beschäftigung. Das zeigt der aktuelle IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Allerdings wuchsen die Neuaufträge weniger stark als im Vormonat. Auch die anhaltenden politischen Spannungen auf globaler Ebene dämpften die Geschäftsaussichten leicht. Zudem fiel das Plus bei den Exportaufträgen so gering aus wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) notierte im August bei 55,9 Punkten. Damit lag er einen Zähler unter dem Wert vom Juli.

Zusammen mit dem Wert vom Juni dieses Jahres ist das der niedrigste Index seit achtzehn Monaten. Gleichzeitig liegt das Konjunkturbarometer bereits seit mehr als dreieinhalb Jahren über der 50-Punkte-Referenzlinie. Damit ist es ein Beleg für das anhaltend robuste Wachstum der deutschen Industrie.

Wachsende internationale Spannungen

Der BME-Einkaufsmanager-Index spiegelt sein Ergebnis zur Konjunkturlage in der deutschen Industrie immer in einem Wert wider. Eine EMI-Notierung unter der Referenzlinie von 50 zeigt an, dass die Geschäfte des Verarbeitenden Gewerbes im Vergleich zum Vormonat schrumpften; Werte über 50 signalisieren Wachstum. Ein Index von 50 bedeutet keine Veränderung zum Vormonat. Doch zurück zur derzeitigen Lage.

„Die wachsenden internationalen Spannungen können dem Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland offenbar nur wenig anhaben. Das belegen die finalen EMI-Daten für den Berichtsmonat August“.

Das betont Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) laut einer Mitteilung seiner Organisation. Dennoch seien die von ihnen ausgehenden Gefahren für die internationalen Lieferketten nicht zu unterschätzen.

Beschaffungspreise erneut stark angestiegen

Sorge bereiten Einkäufern die erneut stark gestiegenen Beschaffungspreise. So haben sich in jüngster Zeit vor allem Stahl und Rohöl verteuert, so Grobosch.

Konjunkturelle Abkühlung setzte sich im August 2018 fort

Die konjunkturelle Abkühlung setzte sich laut EMI im August fort. „Dies überrascht vor dem Hintergrund der weltpolitischen Unsicherheit nicht“, kommentiert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten.

Zunehmende protektionistische Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump mit dem Damoklesschwert Autozölle seien für die deutsche Industrie ein Risiko. Darüber hinaus würden zahlreiche Schwellenländer mit ihren strukturellen Schwächen zur Belastung. Das Wachstum werde in Deutschland 2018 die Dynamik des Vorjahres nicht halten können.

Aufgrund der starken Binnenkonjunktur sei „aber immerhin ein Wachstum von 1,8 Prozent und somit oberhalb der Beschäftigungsschwelle wahrscheinlich“, so Traud.

Industrieproduktion ohne vergangene Dynamik

„Die Industrieproduktion wächst, allerdings bleiben die Raten deutlich hinter der Dynamik des vergangenen Jahres zurück. Die Verunsicherung angesichts der handelspolitischen Verwerfungen ist schon jetzt ein Bremsklotz der konjunkturellen Entwicklung“, bewertet DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink die EMI-Daten.

Mehr als jedes dritte Industrieunternehmen sehe laut DIHK-Konjunkturumfrage in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko für seine Geschäfte. Gleichwohl planten die Unternehmen derzeit noch mit expansiven Investitionen. Tragfähige Lösungen bei den Handelskonflikten mit den USA wären nach Krietenbrinks Ansicht wichtig, „damit sich diese Absichten auch materialisieren“.

Wachstum abgeschwächt

Nach Einschätzung von Phil Smith, Principal Economist bei IHS Markit, „sehen die aktuellen Daten auf den ersten Blick verhältnismäßig gut aus: Mit 55,9 Punkten liegt der EMI komfortabel auf Wachstumsterrain und deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt von 52,5“.

Verglichen mit den Werten vom Jahresanfang werde allerdings ersichtlich, dass sich das Wachstum merklich abgeschwächt habe. Es gebe Warnsignale, dass sich die Abkühlung in den nächsten Monaten fortsetzen könnte. Im Moment jedoch sehe es vorerst danach aus, dass die Industrie auch im dritten Quartal einen positiven Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum leisten werde – dank der anhaltend kräftigen Zuwächse in der Produktion.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)