07.12.2018

BME: Einkauf muss Schrittmacher der Digitalisierung sein

Zunehmender Protektionismus, daraus resultierende Handelskonflikte sowie die Brexit-Frage – all das ist Sand im Getriebe der globalen Lieferketten. Geopolitische Störfeuer verunsichern die Märkte. Jetzt müsse der Einkauf der Schrittmacher der Digitalisierung sein, so BME-Chef Grobosch.

Der Einkauf muss Schrittmacher der Digitalisierung werden – so die Forderung von BME-Chef Grobosch.

Globalisierung und Digitalisierung zwingen zum Handeln

Die zahlreichen Risiken und Unsicherheiten im internationalen Umfeld bremsen die Unternehmensaktivitäten spürbar ein. Das befürchtet Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Neben der voranschreitenden Globalisierung zwinge vor allem die stetig schneller werdende Digitalisierung ganzer Liefer- und Wertschöpfungsketten den Einkauf zum Handeln. Der Einkauf solle Schrittmacher der Digitalisierung sein und aktiver Wegbereiter der digitalen Vernetzung zwischen mehreren Unternehmen. Die Erfahrung im Einkauf helfe, die neue Qualität in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Firmen erfolgreich durchzusetzen.

Dabei gilt laut Grobosch auch für den Einkauf: Nur wer sich die digitalen Möglichkeiten zunutze macht, kann die Potenziale dieser Bereiche voll ausschöpfen:

  • Risiko- und Lieferantenmanagement
  • Controlling
  • Kostenoptimierung
  • Performance Management

Deutscher Konjunkturmotor verliert an Drehzahl

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist Grobosch zufolge zwar nicht mehr so kräftig, aber grundsätzlich weiter intakt. So wird beispielsweise die Lage am Arbeitsmarkt von Experten als anhaltend günstig eingestuft. Allerdings büßt die Industrieproduktion zunehmend an Schwung ein – das zeigt der aktuelle IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI).

Danach ist der deutsche PMI im Oktober mit nur noch 52,2 um 1,5 Punkte gegenüber September auf ein 29-Monatstief gefallen! Einer der Hauptgründe: Erstmals seit Ende 2014 verzeichneten die deutschen Industrieunternehmen im Oktober einen Rückgang der Neuaufträge.

Handelskonflikte setzen Rohstoffmärkten zu

Angesichts der anhaltenden internationalen Spannungen geraten die Rohstoffpreise zunehmend unter Druck. Währungsturbulenzen und eingetrübte Wachstumsaussichten wichtiger Schwellenländer bergen Ansteckungsgefahren. So bleibt die Stimmung an den Rohstoffbörsen gedämpft. Die einzelnen Rohstoffmärkte bewegen sich weiter in unterschiedlichen Welten.

Basismetalle

Sie entwickelten sich zuletzt schwächer. Vor allem die Sommermonate haben deutschen Verarbeitern von Metallen wie Kupfer und Aluminium finanzielle Entlastungen gebracht. Wie bei den Energierohstoffen leiden auch die Metallpreise unter dem wachsenden Protektionismus.

Rohölpreise

Gegen den allgemeinen Trend ziehen die Rohölpreise deutlich an. Ursachen dafür: ein knapp versorgter Markt und ein temporäres Absinken der US-amerikanischen Rohölvorräte unter die Marke von 400 Millionen Barrel.

Als echte Preistreiber erweisen sich Grobosch zufolge die US-Sanktionen gegenüber Iran. Längst gehe unter den Marktteilnehmern die Angst vor einer Angebotsverknappung um. Die Drohungen aus dem Weißen Haus Richtung Teheran würden zu einem deutlichen Rückgang der iranischen Ölexporte führen. Iran ist drittgrößter OPEC-Produzent.

Risikomanagement im Einkauf

Big Data, Digitalisierung, Globalisierung: Die Lieferkette hat sich zur Hauptschlagader für die Produktion entwickelt. Mit der hohen Abhängigkeit von der Supply Chain steigt allerdings auch die Gefahr von massiven Störungen im Geschäftsablauf.

Spätestens jetzt ist ein zukunftsgerichtetes Risikomanagement gefragt. Dieses hat schon in den vergangenen Jahren einen prominenten Platz auf der Agenda der Einkaufsmanager eingenommen – neben der Realisierung von Einsparungen.

Risikomanagement als Vorsorge gegen Störungen in der Lieferkette

Einer Umfrage von riskmethods und BME zufolge haben 81 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Störungen in der Lieferkette registriert, die eine Unterbrechung in der Versorgung auslösten. Jedes dritte Ereignis schlug mit mindestens einer Million Euro Schaden zu Buche. Der Ausfall eines kleinen Zulieferers kann heute Großkonzerne ins Wanken bringen.

Hier geht es zum Bericht über den Fachkongress des BME zum Thema „Transformation jetzt!“: „Globalisierung und Digitalisierung fordern Einkauf heraus“.

Ein reaktives Risikomanagement, wie es oftmals immer noch betrieben wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr ist eine pro-aktive und vorausschauende Risikoüberwachung zur Erreichung dieser Ziele notwendig:

  • die zur reibungslosen Produktion erforderliche Versorgung des Unternehmens mit Rohstoffen und Materialien sicherstellen
  • die eigene Reputation schützen
  • Umsätze sichern
  • Kosten einsparen

Genau hier kann der Einkauf ansetzen und erfolgreich als Werttreiber und Innovator für sein Unternehmen agieren.

Schrittmacher der Digitalisierung

Der Prozess der digitalen Transformation lässt laut Grobosch bereits heute deutlich erkennen: Globale Netzwerke werden die Zukunft bestimmen. Die Onventis GmbH, die Hochschule Niederrhein und der BME haben in einer gemeinsamen Studie ausgewählte Unternehmen zur Relevanz digitaler Netzwerke im Einkauf befragt.

Ergebnis: Eine große Mehrheit erhofft sich davon klare Marktchancen und will verstärkt in diesen Bereich investieren. Ohne Vernetzung keine Zukunft, ohne Kollaborations-Plattformen keine Vernetzung. Die Automatisierung von Beschaffungsprozessen sowie die durchgängige Vernetzung von Einkäufern und Lieferanten sind vor allem für KMU wettbewerbsentscheidend.

Ziel der digitalen Transformation ist es, Innovationen im Sinne eines Wertschöpfungsnetzwerkes gemeinsam voranzutreiben. Dieser Ansatz geht weit über bisher schon realisierbare innerbetriebliche Optimierungsmaßnahmen hinaus. Netzwerke im Einkauf ermöglichen zudem neue Allianzen und Partnerschaften zur Realisierung kundenspezifischer Lösungen.

Weblinks

Hier geht es zu einem Bericht auf bme.de über die oben genannte Studie: „Digitalisierung im Einkauf heißt Netzwerken über die Cloud“.

Die ganze Studie mit Ergebnissen kann auf onventis.de angefordert werden: Onventis Trendbarometer 2018.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)