04.12.2017

Binnenschifffahrt und Schienengüterverkehr: geht das zusammen?

Man streitet gegen einander und kann doch nicht ohne einander. Binnenschifffahrt und Schienengüterverkehr befinden sich seit Jahren in einem unsinnigen Konkurrenzkampf. Das könnte sich nun ändern. Bahn-Infrastrukturchef Pofalla wagte sich in die Höhle des Löwen.

Schienengüterverkehr und Binnenschifffahrt

Signalwirkung und hoher Symbolwert

Es ist ein Besuch mit weitreichender Signalwirkung und hohem Symbolwert: Ronald Pofalla (CDU), Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn AG, beehrte die altehrwürdige Schifferbörse Duisburg-Ruhrort zum traditionellen Schiffermahl mit seiner Anwesenheit. Die beantwortete dies mit seiner Einordnung als „Ehrengast“ auf der Teilnehmerliste.

Es ging um Historisches: Der hohe Gast brachte den anwesenden Oberen des Binnenschiffergewerbes seine Unterstützung für die Idee eines Masterplans für die Binnenschifffahrt mit. Die Zeichen stehen auf Annäherung zum Schienengüterverkehr.

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Wettbewerb um Transporte

Wasserstraße und Schiene haben trotz Wettbewerb um Transporte eine große Gemeinsamkeit: Sie sind Partner, wenn es um die Güterverlagerung von der Straße auf andere Verkehrsträger geht.

Beim Schiffermahl stand diese Perspektive ganz oben auf der Agenda der Verlader und Schiffer.

Gründung der Schifferbörse vor 116 Jahren

Anlässlich des Jubiläums der Gründung der Schifferbörse vor 116 Jahren kamen Verlader und Schiffer am 17. November 2017 zum alljährlichen Schiffermahl im Gemeindehaus Ruhrort zusammen. Wie in jedem Jahr stand laut einer Pressemitteilung der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, bei der die Schifferbörse angesiedelt ist, die künftige Fahrtrichtung der Branche im Mittelpunkt des Abends.

Vor 100 geladenen Gästen – darunter NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) und der stellvertretende niederländische Generalkonsul des Königreichs der Niederlande, Konsul Hans van den Heuvel – rief Schifferbörsenvorstand Frank Wittig in seiner Begrüßungsrede dazu auf, das System Wasserstraße mit gezielten Maßnahmen zu stärken:

  • Schleusen und Brücken sanieren
  • Hafenerweiterungen ermöglichen
  • Hafenareale an den Verkehr anbinden

Masterplan für die Binnenschifffahrt

„Wir hoffen sehr, dass ein von Schifferbörse und Branchenverbänden vorgeschlagener Masterplan für die Binnenschifffahrt Eingang in den Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung findet“, sagte Wittig.

Eine Idee für den Masterplan könnte auch eine stärkere Bündelung von Kompetenzen für innovative Schiffstechnologien oder sogar ein Testfeld für autonom fahrende Schiffe sein.

Masterplan Schienengüterverkehr

Diese Idee fand zumal bei Pofalla einen direkten Anknüpfungspunkt.

Masterplan Schienengüterverkehr

Um mehr Verkehre auf die Schiene zu verlagern, hatte der Bundestag am Ende der vergangenen Legislaturperiode einen Masterplan Schienengüterverkehr beschlossen.

Mit ihm sollen die Trassenpreise für Schienentransporte ab dem kommenden Jahr sinken, was Transporte mit der Bahn günstiger macht. Davon erhofft man sich einen Anreiz für Unternehmen.

Schiene und Schifferbörse

Der regelmäßige Austausch mit Vertretern der Schiene hat bei der Schifferbörse eigentlich Tradition. Schon die früheren Bahnvorstände Ludewig und Klein waren zu Gast der Schifferbörse. Jedoch hatte diese Tradition in den letzten Jahren kaum Fortsetzung gefunden, zu gegensätzlich die Aufstellung der beiden Verkehrsträger im harten Wettbewerb um Transporte.

„Schifffahrt und Bahn sind zwar Konkurrenten, sie sind aber auch Partner, wenn es um die Verlagerung von Gütern weg von der Straße hin zu unseren beiden Verkehrsträgern geht“, sagte Schifferbörsenvorstand Wittig jetzt.

Vernetzung von Wasser- und Schienenwegen

Das unterstrich auch Pofalla. Von einer intelligenten Vernetzung von Wasser- und Schienenwegen könnten beide Verkehrsträger profitieren, so sein Credo jetzt. Der Infrastrukturvorstandsvorsitzende ließ daher zu Beginn seiner Rede Sympathie für einen möglichen Masterplan Binnenschifffahrt erkennen.

Jetzt kommt es darauf an, wie weit der CDU-Mann bei einer neuen CDU-geführten Bundesregierung derartige Sympathien in entsprechende Maßnahmen wird ummünzen können. Daran allerdings sind Zweifel nicht durch ein gemeinsames Essen ausgeräumt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)