Fachbeitrag | Logistik
18.12.2014

Binnenschifffahrt als alternativer Transportweg

Von der Politik stiefmütterlich behandelt, in der allgemeinen Öffentlichkeit nur anlässlich von Negativbeispielen wie einer Großhavarie Anfang 2011 auf dem Rhein zur Kenntnis genommen. Von den Medien oft als vermeintlicher Umweltsünder oder Auslaufmodell verteufelt, droht die Binnenschifffahrt in Deutschland immer mehr zu einem zweiten Fall Transrapid zu verkommen: im Inland verschrien, im Ausland heiß begehrt.

Binnenschiffer auf dem Mittellandkanal© countrypixel /​ fotolia

Denn dort hat man die Vorzüge von Binnenschifffahrt made in Germany erkannt: Vor allem ihr unumstrittener und selbst von ihren Gegnern anerkannter Wert für Umwelt, Naturschutz und grüne Logistik. Dank des hohen technischen Stands der Schiffstechnik, eines nahezu flächendeckenden Wasserstraßensystems in Deutschland und des jahrhundertealten Know-hows in Schiffbau, Wasserstraßen- und Hafenbau gilt die Binnenschifffahrt als modernes Verkehrsmittel für alle Arten von Transportgütern. Sie wird so zum Verkehrsträger der Wahl grüner Logistik.

Den Anschluss nicht verpassen!

Wenn Sie als Transporteur, Spediteur oder Verlader von Transportgütern den Wert von grüner Logistik für Ihr Unternehmen oder das Ihrer Kunden erkannt haben, sollten Sie sich so rasch wie möglich mit den Vorteilen des Binnenschiffs für Ihre Transportbedarfe vertraut machen – damit Sie den Anschluss im globalen Geschäft auch im Zeichen von Umwelt und Natur nicht verpassen.

Zwar kann auch für ein Transportschiff kein generelles Unbedenklichkeitszeugnis ausgestellt werden. Dennoch gilt:

  • Der Lkw ist das teuerste, lauteste, umweltschädlichste und gefährlichste Verkehrsmittel.
  • Das Binnenschiff liegt etwa gleichauf mit der Bahn in puncto CO2-Ausstoß, je nach den spezifischen Bedingungen im Einzelfall.
  • Das Binnenschiff ist etwas weniger laut und unfallträchtig als die Bahn.
  • Die Bahn ist dafür weniger umweltschädlich als das Schiff in Bezug auf den Ausstoß klassischer Luftschadstoffe.

Störstunden beim Straßenverkehr

Die Vorteile, Transporte auf der Straße abzuwickeln, wurden durch Störstunden verringert, die den Umfang der insgesamt möglichen Fahrzeit einschränken. Die Verkehrsstärken auf deutschen Autobahnen haben auf einer Vielzahl von Streckenabschnitten ein derart hohes Niveau erreicht, dass ein störungsfreier Ablauf des Güterverkehrs nicht mehr gewährleistet ist. Von allen Bundesautobahnen waren in den letzten Jahren im Durchschnitt nur etwas mehr als die gänzlich ohne Störungen befahrbar, nur ein gutes Viertel (25,9 %) war bis zu 20 % beeinträchtigt und knapp ein Viertel zu über 20 % der Fahrzeit gestört.

Überblick: Das spricht für das Binnenschiff

  • der umweltfreundlichste, der wirtschaftlichste und ein schneller Verkehrsträger
  • beachtliche Transportleistung: Mit nur 8 % Anteil an der gesamten Verkehrsinfrastruktur erbringt sie 16 % der gesamten Transportleistung im Güterverkehr
  • Im Vergleich zum Lkw und zur Eisenbahn der sicherste Verkehrsträger im Güterverkehr
  • der Binnenschiffsverkehr ist um mehr als 10 dB (A) leiser als der Schienen- und Straßenverkehr, eine von den Menschen gefühlte Halbierung der Lautstärke

Verbesserungsbedarf

Emissionen sind ein Schwachpunkt in der Ökobilanz des Binnenschiffs. Aufgrund der langen Lebensdauer von Schiffen stimmt die Altersstruktur der Schiffe in der Regel nicht mit derjenigen der Motoren über, weil diese häufiger erneuert werden. Für die Zukunft sehen Experten gerade in diesem Bereich große Verbesserungspotenziale für die Binnenschifffahrt aufgrund entsprechender neuer EU-Richtlinien.

Umweltzeichen „Green Award“

Wenn Sie als Verlader oder Spediteur sichergehen wollen, dass das für Sie infrage kommende Binnenschiff den Ansprüchen moderner grüner Logistik genügt, so bietet Ihnen hier das Umweltzeichen „Green Award“ eine erste Orientierungshilfe. Das Umweltzeichen gibt es für die Seeschifffahrt bereits seit 1994 und seit 2011 auch für die Binnenschifffahrt.

 

Bild: © countrypixel/fotolia

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Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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