21.09.2021

Bilfinger speichert CO2 unter der Nordsee

Wasserstoff grün ist zu teuer. Das Work-around: Wasserstoff blau. Der Nachteil hier: es entsteht CO2. Wohin damit? Unter die Nordsee. Dienstleister Bilfinger hilft der Industrie, das Gas dorthin zu bringen. Für verschiedene Kunden übernimmt es jetzt den Auftrag für Rohrleitungen.

CO2 Nordsee

Porthos-Projekt im Hafen von Rotterdam

Vom Hafen von Rotterdam aus tritt künftig Kohlendioxid (CO2) seine letzte Reise an: unter die Nordsee. Dort entsteht derzeit das Porthos-Projekt, den Angaben zufolge eines der weltweit größten und am weitesten fortgeschrittenen Vorhaben zur Abscheidung und Speicherung von CO2 aus der Industrie (Carbon Capture and Storage, CCS). Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger SE übernimmt im Auftrag verschiedener Kunden hierfür eine Reihe von Dienstleistungen wie:

  • Entwurfs- und Planungsarbeiten zur Anbindung der Industrieunternehmen an die CO2-Rohrleitungen
  • Detailed Engineering für Gebäude der Kompressorstation.

CCS für schnellen Klimaschutz

CCS gilt als eine kostengünstige Möglichkeit, die angestrebten Klimaziele kurzfristig zu erreichen. Die niederländische Klimavereinbarung sieht vor, die Hälfte der angestrebten CO2-Reduzierung der Industrie bis 2030 durch CCS zu erreichen. Die andere Hälfte will man einsparen durch:

  • höhere Energieeffizienz
  • Abwärmenutzung
  • weitere Elektrifizierung
  • Ausbau erneuerbarer Energien
  • verstärkten Einsatz von grünem Wasserstoff.

Ingenieur-Leistungen für die Rohrleitungssysteme

Die Mitarbeit von Bilfinger startete vor zwei Jahren. Es begann mit einer Prozesssimulationsstudie. Darin prüfte Bilfinger die Machbarkeit verschiedener Teilbereiche der geplanten Infrastruktur. Derzeit arbeiten die Ingenieure an der Detailplanung für Gebäude der Kompressorstation. Diese verdichtet das CO2 vor dem Transport in die Nordsee. Im Auftrag der belgischen Unternehmensgruppe Denys erbringt Bilfinger zudem Ingenieur-Leistungen für die Rohrleitungssysteme, die das Gas bis zur Kompressorstation transportieren. Bilfinger führt außerdem mehrere Pipeline-Projekte für den Erdölkonzern Shell aus, einen der CO2-Lieferanten von Porthos. Ausführende Einheit für alle diese Aufträge ist Bilfinger Tebodin. Ausschlaggebend für die Beauftragungen sei das Know-How des Unternehmens im Umgang mit CO2 wie auch in der Arbeitsweise von Rohrleitungen über und unter der Erde.

EU fördert Porthos mit über hundert Millionen Euro

Der Projektname „Porthos“ steht für Port of Rotterdam CO2 Transport Hub and Offshore Storage. Die Projektorganisation verantworten:

  • Energie Beheer Nederland, EBN,
  • Gasunie sowie
  • die Hafenbehörde Rotterdam.

Die Europäischen Union fördert das Projekt mit 102 Millionen Euro. Ab 2024 soll es jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen CO2 im Hafen von Rotterdam verdichten und in nicht mehr genutzten Gasfeldern unter der Nordsee speichern. Geliefert wird das CO2 von:

  • Air Liquide,
  • Air Products,
  • Exxon Mobil und
  • Shell.

Endlager drei Kilometer unter der Nordsee

Die Unternehmen fangen das Gas in ihren Industrieanlagen nahe Rotterdam auf und speisen es in eine Pipeline zum Rotterdamer Hafen ein. Über die Kompressorstation gelangt es dann in eine Offshore-Pipeline unterhalb des Meeresgrundes und wird zu einer Plattform in der Nordsee transportiert rund 20 Kilometer vor der Küste. Von dieser Plattform wird das CO2 in die leeren Gasfelder in einem geschlossenen Reservoir mehr als drei Kilometer unter dem Meeresgrund der Nordsee gepumpt. Die derzeitigen Arbeiten bereiten die Realisierung des Projekts vor. Die endgültige Entscheidung und staatliche Genehmigung zur Umsetzung des Projekts ist für 2022 geplant. Geplant sei eine Art Wertschöpfungskette für Kohlenstoff, so Christina Johansson, Interim-CEO und CFO von Bilfinger. Daher hat die Mitarbeit an dem Porthos-Projekt für das Unternehmen eine strategische Bedeutung.

Johansson: „Wir positionieren uns als Partner für CCS-Projekte der Industrie, der zahlreiche Leistungen entlang dieser neuen Wertschöpfungskette aus einer Hand erbringen kann.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)