11.05.2022

BGL: The Show can go on mit Krone-Container

Ein Traum wird wahr: der Logistikverband BGL kann endlich der Öffentlichkeit Logistik beibringen – per Logistik. Der Lkw-Bauer Krone überreichte ihm ein Wechselsystem zur Verwendung als fahrende Show-Bühne. Das Unternehmen beteiligt sich zudem an Forschung zur Logistik.

BGL Krone-Container

Chassis + Wechselkoffer = Show-Bühne

Man nehme:

  • einen Container-Chassis Box Liner „eLTU 50“ der Marke Krone,
  • setze drauf einen Wechselkoffer, den man zu einer Shop Box umbauen kann und
  • ergänze das Ganze durch eine Wechselpritsche, die so ausgebaut ist, dass sie als Bühne für Veranstaltungen nutzbar ist.

Schon hat man ein flexibles Wechselsystem, wie es jetzt der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. von dem Nutzfahrzeughersteller Krone bekommen hat.

Der Box Liner eLTU 50 Traction verfügt über das patentierte „Tractionheck“. Dies ermöglicht laut Krone u.a. eine bessere Positionierung von heckbündigen 20-Zoll-Containern mit erhöhtem Satteldruck. Damit werden nahezu die Sattellasten von Chassis mit Mittelausschub erreicht. Im Gegensatz zum eLTU50 verfügt der eLTU55 zusätzlich über einen manuellen Frontausschub. Das Unternehmen bietet das System an in den Transportvarianten:

  • 2 x 20 Zoll-Container mit Klapplock,
  • 20 Zoll mittig auch für Tankcontainer und
  • 40 Zoll-Container.

45 Zoll-Container ohne Frontausschub

Mit Ausnahmegenehmigung darf das Chassis 45 Zoll-Container ohne Frontausschub aufnehmen. Optional kann der eLTU 50 Traction 30-Zoll-Container transportieren sowie 45-Zoll-Container mit langem Tunnel mit Frontausschub (eLTU55), ohne dass hierfür eine Ausnahmegenehmigung erforderlich sei. Das Chassis ist von der Lastverteilung sowohl für Zwei- als auch Dreiachszugmaschinen ausgelegt. Das Eigengewicht von 4.680 kg ermöglicht eine höhere Sattellast durch Tractionheck bei 20 Zoll heckbündig. für den Heckausschub sorgt ein robuster, verschleiß- und wartungsarmer Druckluftmotor. Mit 45 Zoll-Container sei kein ausziehbarer Unterfahrschutz notwendig.

Unterstützung für die Verbandsarbeit des BGL

Das System soll die Verbandsarbeit des BGL unterstützen. Das ist nach Ansicht von Bernard Krone, Vorsitzender des Krone-Aufsichtsrates, „immens wichtig, um der Transportbranche gerade bei der Politik Gehör zu verschaffen“. Er sieht die Branche in schwierigen Zeiten, geprägt von:

  • internationalem Markt,
  • Sozialdumping,
  • unfairen Wettbewerbsbedingungen,
  • gravierendem Fahrermangel.

Da sei es elementar, dass der BGL in der Öffentlichkeit und somit auf vielen Veranstaltungen aktiv ist. Krone: „Es ist für uns selbstverständlich, den BGL mit unseren Fahrzeugen bei seinen Aktivitäten für das Transport- und Logistikgewerbe zu unterstützen.“ BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt übernahm die Kombination am Krone Standort Spelle von Krone persönlich sowie Dr. Frank Albers, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Krone Nutzfahrzeug Gruppe.

Mit dieser mobilen Einheit sieht Engelhardt seinen Verband in der Lage, schnell vor Ort die für das Gewerbe wichtigen Zielgruppen anzusprechen. Zumal in Zeiten grassierenden Fahrermangels könne man so insbesondere junge Menschen ansprechen – „und das unmittelbar mit dieser hochmodernen, ansprechenden Fahrzeugkombination von Krone. Engelhardt: „Der BGL kann sich jetzt noch besser auf Veranstaltungen präsentieren.“

Engpässe der Logistik

Auch sonst nimmt sich Krone der Entwicklung der weltweiten Wirtschaftsleistung mit ihren verschiedene Engpässe an, die schon vor den Sanktionen rund um den Russland-Ukraine-Konflikt bestanden. Einen maßgeblichen Faktor sieht man dabei in dem Fahrermangel, der sich bereits seit mehreren Jahren immer massiver auf die vorhandenen Transportkapazitäten im deutschsprachigen Raum auswirkt. Eine weitere Größe sind die stark angestiegenen Kosten für Kraftstoffe wie z.B. Diesel.

Wie sich diese Engpässe auf die verschiedenen Akteure in der Logistikbranche auswirken und wie sie sich lösen lassen, untersucht ein Studienteam unter der Leitung der Professoren Dr. Wolfgang Stölzle von Logistics Advisory Experts, Dr.-Ing. Thorsten Schmidt von der Technischen Universität Dresden und Dr. Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Als Konsortionalpartner arbeitet Krone an diesem Projekt mit und bringt sein Know-how in die verschiedenen Studienaspekte ein.

Am 17. Februar 2022 startete die Konsortialstudie „Begegnung von Kapazitätsengpässen in der Logistik: Situationsanalyse – Lösungen – Potenziale – Maßnahmenpakete – Roadmaps“ mit dem Ziel, den Fahrermangel und die Auswirkungen auf Transportunternehmen und deren Kunden zu erforschen. Als mögliche Maßnahmen untersuchen die Wissenschaftler dabei:

  • digitale Tools,
  • Cross-Industry-Transfer-Insights und
  • neue Formen der Zusammenarbeit.

Wichtige Forschungsinhalte

Im Einzelnen geht es um folgende Forschungsinhalte:

  • differenzierte Quantifizierung und Erfassung der Ursachen des Fahrermangels,
  • qualitative und quantitative Wirkungen auf Transportunternehmen und ihre Kunden,
  • potenzielle Maßnahmenpakete und Lösungen zur Linderung des Fahrermangels beispielsweise durch digitale Tools und Cross-Industry-Transfer-Insights
  • Bewertung durch strukturelle Änderungen in der Zusammenarbeit der Transportunternehmen
  • Ableitung von Voraussetzungen, Handlungsempfehlungen, Maßnahmenkataloge, Lösungen und Roadmaps für die Akteure mit Schwerpunkt auf Transportunternehmen.

Insgesamt besteht das Studienkonsortium aus 16 Unternehmen, vier Bundesverbänden und der Internetplattform Jobmatch.me.

Gaia-X: intelligente Wechselbrücken und Trailer

Darüber hinaus engagiert sich der Lkw- und Landmaschinenspezialist Krone im Rahmen des europäische Forschungsgroßprojektes Gaia-X des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi). Es hat Krone beauftragt, ein Konzept auszuarbeiten, das Güter- und Warenströme durch intelligente Datennutzung verbessert. Ziel des Projektes ist, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung im europäischen Wirtschaftsraum in einer ebenso leistungsfähigen wie sicheren Dateninfrastruktur zu vereinen. Damit will man europäischen Unternehmen eine unabhängige Alternative zu den marktführenden Cloud-Anbietern aus Übersee bieten. Es soll die benötigten Kapazitäten für den Datenverkehr von Großprojekten wie dem autonomen Fahren zur Verfügung stellen.

Eines der zehn Themengebiete von Gaia-X widmet sich dem Mobilitätssektor und seinen tiefgreifenden Herausforderungen durch Klimawandel und Ressourcenknappheit. Der Entwurf eines Innovationsträgers bindet Logistikflotten-Betreiber ein, um den Gütertransport effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten durch:

  • smarte Auftragssteuerung,
  • verlässliche Prognosen der Ankunftszeit und
  • intelligentes Kapazitätsmanagement

So will man die nächste Generation schwerer Nutzfahrzeuge direkt an den Bedürfnissen der Branche ausrichten. Nach der Gaia-X-Terminologie heißen diese Zukunftsprodukte iWT wie „intelligente Wechselbrücke/intelligenter Trailer“. An vorderster Stelle für die Forscher steht hierbei die Durchführung von Interviews mit Marktteilnehmern. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen als Grundlage für alle weiteren Gaia-X-Entwicklungen dienen.

Gaia-X: Potenzial für den Transport- und Logistiksektor

Krone Geschäftsführer Ralf Faust sieht in dem Gaia-X-Projekt enormes Potenzial für den Transport- und Logistiksektor. Telematik-Technologien beispielsweise erfassen bereits heute:

  • Positionen,
  • Meldungen aus dem Bremssystem oder
  • Temperaturen im Laderaum der Wechselbrücke beziehungsweise des Trailers.

Um Qualität und Effizienz für das Transport- und Flottenmanagement zu steigern, soll Gaia-X dazu beitragen, zukünftige Telematik-Dienste zu entwickeln über bekannte Funktionen hinaus wie:

  • ETA-Vorhersagen (Estimated Time of Arrival),
  • Tourenmanagement,
  • Türkontrolle
  • Koppelstatus.

1,6 Millionen Euro-Etat

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Krone tragen den 1,6 Millionen Euro umfassenden Etat, der für dieses Forschungsfeld zur Verfügung steht, zu gleichen Teilen. Krone-Projektleiter Maximilian Birle betont die zunehmende Bedeutung sicherer und vernetzter Datenströme für die Transportwirtschaft. Das Unternehmen verfüge über die notwendige langjährige Erfahrung im Bereich digitaler Nutzfahrzeug-Services. Krone ist als einziger deutscher Nutzfahrzeughersteller an Gaia-X beteiligt. Mit dem Abschluss des Forschungsprojekts im Rahmen von Gaia-X wird Ende 2024 gerechnet. Gaia-X ist eine internationale Allianz von mehr als 1800 Teilnehmern aus über 500 Institutionen. Etablierte Großunternehmen treffen auf junge Start-ups. Zahlreiche Anbieter von Cloud-Lösungen arbeiten mit Vertretern aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen, zum Beispiel aus:

  • produzierendem Gewerbe,
  • Finanzwesen,
  • Verkehr und
  • Mobilität. ‎

‎Darüber hinaus bringt die Beteiligung staatliche Institutionen, Verbände und Forschungsinstitute, die das Großprojekt unterstützt haben, mit der Privatwirtschaft zusammen. Diese breitgefächerte Allianz steht laut Angaben dafür, dass der Fokus über spezifische Herausforderungen hinausgehen kann oder dass Lösungen isoliert entwickelt werden.‎ ‎Gaia-X ist offen für interessierte Stakeholder. Man könne sich auf jede Weise einbringen, die am besten zu seinen Ressourcen passt, zum Beispiel durch:

  • technisches Know-how,
  • Anregung neuer Anwendungsfälle oder
  • aktive und kontinuierliche Teilnahme an einer der verschiedenen offenen Arbeitsgruppen.‎

Hinter den Kulissen von Gaia-X

Wie „IT Business“ berichtet, soll es hinter den Kulissen brodeln. So seien in Deutschland Fördergelder für Projektbeteiligte dem Rotstift zum Opfer gefallen. „Das Streichen von Mitteln für innovative digitale Förderprojekte zieht sich wie ein roter Faden durch die Regierungspolitik“, zitiert der Bericht Stimmen aus dem Softwareunternehmen SysEleven. Die Open Source Software Alliance (OSBA) hat zusammen mit anderen Vereinen in einem offenen Brief vom 28. März 2022 an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf die zentrale Bedeutung einer Open-Source-Basisinfrastruktur in Deutschland und Europa hingewiesen. Die OSBA beklagt laut „IT Business“ vor diesem Hintergrund jedoch als „gänzlich unverständlich“, dass von den zuständigen Bundesministerien bereits geplante und angekündigte Vorhaben im Entwurf für den Bundeshaushalt 2022 bisher gar nicht berücksichtigt seien. Genannt werden der „Sovereign Tech Fund“ und das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS), zu denen bereits umfangreiche Konzepte und Machbarkeitsstudien vorlägen und die fraktionsübergreifend auf große Zustimmung gestoßen seien. Kürzlich habe zum Beispiel das Neun-Millionen-Projekt „Gaia-X Rescue“ die mündliche Mitteilung aus dem Wirtschaftsministerium erhalten: dafür seien im Bundeshaushalt 2022 keine Haushaltsmittel mehr vorgesehen.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)