23.08.2019

Belt-and-Road-Initiative: BME soll in Westchina helfen

Die Seidenstraße hat kein Ende. Schon gar nicht im übertragenen Sinne. Als Teil der chinesischen Belt-and-Road-Initiative hat sich die Volksrepublik jetzt Expertise aus Deutschland ins Boot geholt. Der BME soll helfen, das Potenzial für Beschaffung in Westchina zu ermitteln.

Der BME beteiligt sich an der chinesischen Belt-and-Road-Initiative.

BME soll westchinesischen Beschaffungsmarkt sondieren

Westchina steht aus chinesischer Sicht vor einigen Problemen. Große Wüstengebiete und nach Selbständigkeit drängende Regionen erfordern umfassende Konzepte, damit hier eine Marktwirtschaft entstehen kann. Vor allem aber ist die Region wichtig für den Ausbau der neuen Seidenstraße. Gerade Westchina soll in den Genuss der Vorteile der 2013 von der politischen Führung in Peking ins Leben gerufenen Belt-and-Road-Initiative kommen.

Um hierfür die Voraussetzungen zu schaffen, haben die Chinesen jetzt mit dem deutschen Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) eine Kooperation vereinbart. Sie richtet den Fokus auf Westchina. In der aufstrebenden Region hat der Einkäuferverband den Zuschlag für ein Förderprojekt erhalten.

Kooperationspartner sind das IAIT-Institut für Automatisierung und Industrie Technologie GmbH (IAIT) sowie Regierungsorganisationen der Provinz Sichuan und der Stadt Chengdu/Pujiang, wie der BME in einer Presseinformation mitteilt. Ebenfalls dabei sei die Sino-German (Pujiang) SME Cooperation Zone, so BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch.

Zusätzliche Handelsrouten mit der Belt-and-Road-Initiative

Das chinesische Staatsprojekt „Neue Seidenstraße“ soll zusätzliche Handelsrouten zwischen Asien, Afrika und Europa schaffen und alte wiederbeleben. Dabei handelt es sich laut BME um das größte Investitionsprogramm in der Geschichte Chinas. Dem China-Beauftragten des BME, Riccardo Kurto, zufolge hat seine Organisation das Thema Ende Juli 2018 in den Mittelpunkt des „2. Sino-German Procurement 4.0 Summit“ in Chengdu gestellt.

Die größte Metropole im Westen des Landes gilt als Knotenpunkt der Belt-and-Road Initiative. Auf der gemeinsam von BME und IAIT organisierten Veranstaltung sei es gelungen, mitgereisten Einkäufern namhafter deutscher und europäischer Industrieunternehmen, darunter Reyher, Airbus, FCA, Schaeffler und Phoenix Contact, die Chancen für Geschäftsmöglichkeiten im Westen Chinas nahezubringen.

Potenziale des westchinesischen Beschaffungsmarkts

„BME und IAIT werden gemeinsam mit ihren chinesischen Partnern zunächst die Potenziale des westchinesischen Beschaffungsmarktes ermitteln“, erklärt Kurto.

Später will man dann Lieferanten der Region mit interessierten Unternehmen zusammenbringen. Dafür baue man derzeit eine onlinebasierte „Sino German Procurement Platform“ auf.

Deren Motto lautet: „Beschaffungsnachfrage trifft auf Angebote der Region“.

Für deutsche und europäische Unternehmen ist diese Initiative besonders deswegen wichtig, weil Chengdu eine rasant wachsende Wirtschaftsregion ist. Hier investiert die chinesische Zentralregierung massiv in Infrastruktur und Wirtschaft, so Thomas Nolting, Geschäftsführer der IAIT.

Anshun-Brücke in Chengdu
Anshun-Brücke in Chengdu

Yi Dai Yi Lu – Seidenstraße auf Chinesisch

Die One-Belt-One-Road-Initiative, auf Mandarin: Yi Dai Yi Lu, hat der chinesische Staatspräsidenten Xi Jinping 2013 ins Leben gerufen. Dazu hat sich Jörg Wuttke geäußert – er ist Chefrepräsentant eines großen deutschen Dax-Konzerns in China und Präsident der EU-Handelskammer in China. In einem Kommentar für die Zürcher „NZZ“ schreibt er, dass China über Hunderte von Jahren und bis 1820 die größte Volkswirtschaft der Welt war. Wuttke ist Chairman der China Task Force des Business and Industry Advisory Committee der OECD (BIAC) sowie Mitglied des Beratergremiums des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin.

Die Bezeichnung „Seidenstraße“ geht auf den deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen zurück, der sie 1877 erstmals prägte. Xi verwendet die Bezeichnung nicht, sondern One-Belt-One-Road-Initiative. Der sperrige Ausdruck „One Belt“ stehe für die Verbindung Chinas mit Europa, die die zentralasiatischen Staaten mit einschließe. „One Road“ wurde auch im Jahr 2013 von Xi in Jakarta vorgestellt als Konzept für eine maritime Verbindung Chinas mit Südasien und den Golfstaaten.

Im Lauf der Jahre ist daraus die englischsprachige Wortschöpfung Belt-and-Road-Initiative geworden, da die Einbeziehung vieler Staaten sich nicht mehr als eine kohärente Linie habe darstellen lassen. Seltsamerweise sei aber in der chinesischen Sprache der Begriff „Yi Dai Yi Lu“ unverändert erhalten geblieben.

Xi lässt Nägel mit Köpfen machen

Ende 2015 hatte Xi Jinping von seiner Administration und von chinesischen Staatskonzernen verlangt, mit Infrastrukturbauten und internationalen Akquisitionen wirtschaftliche Tatsachen zu schaffen. Diesem Befehl folgte laut Wuttke vor allem 2016 eine Übernahmewelle mit fünfmal so großen chinesischen Investitionen in Europa wie von europäischen Unternehmen in China.

Spektakuläre Beispiele waren der 43 Milliarden Dollar schwere Kauf von Syngenta durch ChemChina oder die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka durch Midea. 2016 bereitete die chinesische Zentralbank der Einkaufstour ein Ende.

Anfang 2017 hätten erhebliche Verluste chinesische Einkäufer wie Anbang, HNA, Dalian Wanda, ChemChina, Midea und viele mehr in finanzielle Schieflage gebracht. Die Initiative habe zudem in Teilnehmerstaaten wie Sri Lanka, Pakistan oder Afghanistan zu erheblicher Kritik geführt. Die Länder klagten zunehmend über die hohe Verschuldung, in die sie die Initiative geführt habe.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)