08.06.2021

BASF meldet Erfolge bei Einkauf von nachhaltigem Palmöl

Nussnougat-Creme, Reinigungsmittel, Pharmazie – kaum ein Bereich, in dem Palmöl nicht Anwendung findet. Sehr zum Ungemach von Umweltschützern wie dem WWF. Sie fordern, mehr zertifiziertes Palmöl einzukaufen. BASF vermeldet hier jetzt Erfolge beim weltweiten Einkauf.

BASF Palmöl

BASF macht Vorreiter bei Palmöl-Einkauf

Der Entwurf zum Lieferkettengesetz ist fürs Kabinett beschlossene Sache. Danach müssen große Chemieunternehmen ihrer Sorgfaltspflicht bei der Beschaffung von Rohstoffen gerecht werden. Wenn nicht, wird’s teuer, weiß die Fachplattform „Process“.

Ein deutscher Chemieriese, der es mit der nachhaltigen Beschaffung in diesem Bereich, nämlich von Palmöl, genau nimmt, ist die BASF in Ludwigshafen. Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff, etwa für die Produktion von Reinigungsmitteln. Der Konzern hatte sich der Plattform zufolge verpflichtet, bis 2020 Palmöle und Palmkernöle ausschließlich aus nachhaltigen, nach Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) zertifizierten Quellen zu beziehen. An dem RSPO nehmen teil:

  • Palmöl-Produzenten,
  • Kleinbauern,
  • Händler,
  • Konsumgüterhersteller,
  • Banken sowie
  • Nichtregierungsorganisationen wie den WWF.

Nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern. Im März 2021 vermeldet BASF Erfolg. 2020 habe man 227.213 Tonnen RSPO-zertifiziertes nachhaltiges Palmkern-Öl eingekauft. Das entspreche 100 Prozent der bezogenen Gesamtmenge. Solche Maßnahmen sind dem „Process“-Bericht zufolge bislang freiwillig. Eine gesetzliche Verpflichtung nur nachhaltiges Palmöl zu beziehen, bestehe derzeit lediglich im Bio-Energie-Sektor.

Auch die Palm Oil Buyers Scorecard des World Wildlife Fund (WWF) bescheinige BASF, auf einem guten Weg zu sein. Von möglichen 22 Punkten erhielt das Unternehmen 16,8 und ist damit Ranglisten-Bester der gelisteten Chemieunternehmen. Seit 2009 wertet der WWF die vom RSPO gesammelten Daten und veröffentlichte Informationen der Unternehmenswebseiten aus. Zudem erhalten die Unternehmen einen Fragebogen.

Palmöl-Score dokumentiert nachhaltigen Einkauf von Palmöl

Der Palmöl-Score dokumentiert jährlich Anstrengungen der Beteiligten, Palmöl nachhaltig einzukaufen. 2009 war zertifiziertes Palmöl noch ein Ladenhüter. Das habe sich mittlerweile verbessert, allerdings auf niedrigem Niveau. Ilka Petersen vom WWF schaut Palmöl-Einkäufern auf die Finger. Ihrer Ansicht nach könnten Chemie und Pharmazie in Deutschland mehr tun.

„Es wird immer noch zu viel nicht zertifiziertes Palmöl eingekauft“, zitiert „Process“ Petersen.
2019 deckte ihr zufolge die Branche nur 36 Prozent ihres Bedarfs mit zertifiziertem Palmöl. Die Guten würden besser, zu viele duckten sich aber immer noch weg. Die Freiwilligkeit nachhaltig und verantwortungsvoll einzukaufen, wirke nicht.
„Wir brauchen die Politik. Wir brauchen Regeln, die alle Unternehmen umfassen,“ so Petersen.

Wenig Sympathie für Gesetzenentwurf

Dem vorgelegten Entwurf der Bundesregierung für ein Lieferkettengesetz können indes weder Chemieindustrie noch Umweltschützer viel abgewinnen. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der Verband der Chemischen Industrie halten den Gesetzentwurf für nicht praxistauglich. Ihrer Ansicht nach seien Probleme in der Anwendung des Gesetzes vorprogrammiert. Sie fordern Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Genauso wie Christine Scholl, Senior Referentin Nachhaltige Agrarlieferketten des WWF. Von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch als „Gesetz mit Zähnen“ gelobt, bezeichnet sie den Entwurf als „schwaches Gesetz, das mit seinem Ambitionsniveau dem Namen Lieferkettengesetz leider nicht gerecht wird“.

Verantwortung über Zulieferer hinaus

Unterdessen bemühen sich zahlreiche Unternehmen, ihrer Verantwortung über die gesamte Lieferkette hinweg in Initiativen wie „Action for Sustainable Derivatives“ (ASD) oder dem „Forum Nachhaltiges Palmöl“ (Fonap) gerecht zu werden. Diese Initiativen gehen über das Lieferkettengesetz in Deutschland hinaus mit Forderungen zur Einhaltung von Umweltstandards über die gesamte Wertschöpfungskette – von Kleinbauern über Produzenten bis zu Händlern. Der aktuelle Gesetzentwurf wendet sich nur an die unmittelbaren Zulieferer.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)