21.05.2019

Baden-Württemberg will nachhaltige Gütertransporte fördern

Mobilität und Gütertransporte: Baden-Württemberg sieht sich als Industrie- und Verkehrsstandort in der Pflicht für eine nachhaltige Entwicklung. Die Herausforderungen werden komplexer. Ihrer soll sich ein neues Leistungszentrum annehmen. Es wurde jetzt in Karlsruhe eröffnet.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit seinem neuen Leistungszentrum ist ab sofort für sechs Forschungsprojekte zuständig, die u.a. nachhaltige Gütertransporte zum Ziel haben.

One-Stop-Shop für neue Mobilitätskonzepte

Ein „One-stop-Shop“ – so haben sich die Planer und politischen Entscheider in Sachen neue Mobilitätskonzepte für Baden-Württemberg die erste Anlaufstelle für Unternehmen vorgestellt. Wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in einer Pressemitteilung schreibt, stünden binnen zwei Jahren nun über neun Millionen Euro für interdisziplinäre Forschungsprojekte bereit. Die Forschungsgebiete reichen vom autonomen Fahren über gesellschaftliche Veränderungen bis zu neuen, umweltschonenden Kraftstoffen. Ein großes Ziel sind nachhaltige Gütertransporte.

Als „Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ eröffnet und vermittelt das KIT den Zugang zu Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Man wolle zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge auf den Feldern Energie, Mobilität und Information leisten.

Am Institut arbeiten den Angaben zufolge rund 9.300 Frauen und Männer auf breiter disziplinärer Grundlage in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. 25.100 Studierende bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor.

Sechs Projekte für die Mobilität der Zukunft

Mit diesen sechs Projekten soll das Institut die Region fit für die Zukunft machen:

  • vernetztes Fahren
  • virtuelles Testfeld
  • urbane Mobilität im Wandel
  • Leichtbau-Traktionsbatteriesysteme
  • aromatenfreie Kraftstoffe auf regenerativer Basis
  • hybride Antriebsstränge

Nachhaltige Gütertransporte: Einführungsszenarien für kooperatives, vernetztes Fahren

Bei den Einführungsszenarien für kooperatives, vernetztes Fahren untersuchen die Forscher am KIT Anwendungsfälle und hierfür notwendige Technologien. Hierbei erwarten die Wissenschaftler für viele Jahre einen gemeinsamen Verkehr zwischen personengelenkten Fahrzeugen und teil- oder ganz autonomen Fahrzeugen. Diese Übergangszeit müsse man entsprechend gestalten.

Sie erhoffen sich von verschiedenen Szenarien für kooperatives Fahren mit seriennaher Technologie Erkenntnisse über praktische Anforderungen und Potenziale für die Markteinführung.

Vernetzte und autonome Fahrfunktionen

Im virtuellen Testfeld für vernetzte und autonome Fahrfunktionen unterstützt das Forschungszentrum Hersteller von Komponenten, Systemen und Fahrzeugen sowie die entsprechenden Zulassungseinrichtungen wie TÜV, Dekra und GTÜ bei Fragestellungen wie

  • Absicherung der funktionalen Sicherheit (Safety)
  • IT-Sicherheit bzw.
  • Missbrauch automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen durch Menschen (Security.

Fahrfunktionen müssten im Sinne einer zukunftsfähigen Mobilität sicher und zuverlässig sein. Nur so ließe sich die Akzeptanz von autonomen Fahrzeugen steigern.

Urbane Mobilität im Wandel

Die urbane Mobilität im Wandel befasst sich mit gesellschaftlichen Fragen. Sie bezieht die unterschiedlichen Nutzergruppen ein, um die Bedarfe zu ermitteln und geeignete Lösungen zu entwickeln.

Hierfür wollen die Wissenschaftler neue Mobilitätsangebote, Mobilitätsformen und emissionsarme Antriebe mit Blick auf die Kundenbedürfnisse entwickeln.

Ultraschnellladesysteme mit 350 kW

Technische Lösungen stehen bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Leichtbau-Traktionsbatteriesystemen im Vordergrund des Interesses der Forscher. Ultraschnellladesysteme mit Ladeleistungen bis zu 350 kW sind bereits in der Entwicklung und sollen ab 2020 Kunden zur Verfügung stehen.

Aufgrund dieser hohen Leistung ergeben sich neue Herausforderungen an das Kühlsystem von Batterien für Elektromotoren. Zur effizienten und funktionsintegrierten Kühlung des Batteriesystems wollen die Forscher Kühlstrukturen direkt im oder am Batteriemodul realisieren. Für die Fertigung des Batteriesystems kombinieren sie verschiedene Leichtbauweisen zum optimalen Gesamtsystem.

Kraftstoffe ohne Aromat

Beim Projekt Entwicklung eines Antriebes mit aromatenfreien Kraftstoffen auf regenerativer Basis wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich Verbrennungsmotoren am besten mit regenerativ erzeugten Kraftstoffen betreiben lassen und welche Kraftstoffe die besten Eigenschaften zeigen.

Durch die besondere chemische Zusammensetzung und die Erzeugung aus regenerativen Quellen soll man Verbrennungsmotoren treibhausgasneutral und praktisch schadstofffrei betreiben können.

Hybride Antriebsstränge

Mit der Effizienzsteigerung hybrider Antriebsstränge durch Optimierung des Thermohaushalts wollen die Forscher am KIT bei Fahrzeugen mit Hybridantrieb dank besserer Betriebsstrategie eine größere elektrische Reichweite erreichen. Die Kombination von elektrischem Antrieb und Verbrenner lasse vielfältige Kombinationsmöglichkeiten im Betrieb zu. Für die Suche der besten Strategie will man der Antriebsstrang detailliert in der ganzen Breite untersuchen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)