09.05.2017

Bad Neustadt: Metallbearbeitung goes digital

Am Standort Bad Neustadt an der Saale werden seit 80 Jahren Elektromotoren für den industriellen Einsatz gefertigt. Digitalisierung spielt an diesem Standort eine immer größere Rolle. Jetzt wird das Siemens-Werk zur Vorzeigefabrik für Digitalisierung in der Metallbearbeitung ausgebaut.

Siemens-Elektromotorenwerk Bad Neustadt an der Saale

Siemens-Elektromotorenwerk Bad Neustadt/Saale wird Vorzeigefabrik

Schon jetzt gibt es in dem fränkischen Bad Neustadt an der Saale einiges zu sehen. In der neuen „Arena der Digitalisierung“ zeigt Siemens auf über 800 Quadratmetern, wie Digitalisierung in der Metallbearbeitung und Motorenproduktion eingesetzt wird und welche Ergebnisse damit erzielt werden können.

Darüber hinaus demonstriert die Vorzeigefabrik am Beispiel ihrer eigenen Entwicklung und einer über viele Jahre gewachsenen Fertigung, wie die Digitalisierung heute schon Vorteile bei Produktivität und Effizienz für die diskrete Fertigungsindustrie bietet.

Sechs Themenfelder der Metallbearbeitung

Diese „Arena der Digitalisierung“ wurde jetzt eröffnet, und zwar von Klaus Helmrich, Vorstandsmitglied der Siemens AG, Jan Mrosik, CEO der Siemens Division Digital Factory, Wolfgang Heuring, CEO der Siemens Business Unit Motion Control, sowie Peter Deml, Leiter des Elektromotorenwerks Bad Neustadt an der Saale.

Siemens zeigt hier anhand von sechs konkreten Themenfeldern, wie Produkte und Lösungen aus dem eigenen Portfolio in eine bereits bestehende und laufende Fertigung Schritt für Schritt implementiert werden können.

Zunehmende Individualisierung von Produkten

„Die Industrie steht angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der daraus entstehenden Anforderungen vor ganz neuen Chancen und Möglichkeiten“, sagte dabei Helmrich.

Im Zentrum stünden eine immer stärkere Individualisierung von Produkten sowie Qualität, Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität. Unternehmen der Fertigungsindustrie müssten auf immer differenziertere Kundenwünsche eingehen. Sie seien daher auf eine flexible Produktion bis hin zu Losgröße eins angewiesen.

Metallbearbeitung und Digital Enterprise

Als Antwort auf diese Herausforderungen bietet Siemens Kunden aus der Fertigungsindustrie unter dem Dach der Digital Enterprise ein ganzheitliches Portfolio von Produkten und Lösungen an. Mrosik zufolge umfasst das Angebot die gesamte Wertschöpfungskette: Beginnend bei Produktdesign über die Produktionsplanung, das Produktions-Engineering, die Produktion selbst bis hin zu Services.

Übergreifend dienen Teamcenter als allen zugängliche Datenbasis, „MindSphere“ als Plattform für Life-Cycle und Data Analytics. Bei konsequenter Integration und Digitalisierung dieses Produktionsprozesses ließen sich erhebliche Gesamtoptimierungen für ein Unternehmen erreichen.

Häufige Innovationen, individuelle Produkte, hohe Produktvarianz

Herausforderungen an den Produktionsprozess im Elektromotorenwerk Bad Neustadt sind häufige Innovationen, individuelle Produkte und daraus resultierend hohe Produktvarianz. Digitalisierung soll bei ihrer Bewältigung helfen.

Mit der „Arena der Digitalisierung“ und am Beispiel der eigenen Fertigung will Siemens darüber hinaus Kunden – Maschinenbauern wie Maschinenbetreibern – aufzeigen, welche Vorteile der Einsatz moderner Technologien zur Digitalisierung bieten.

Durchgängigkeit in der CAD-CAM/CNC-Kette

„Die Digitalisierung der Abläufe im Werk ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess“, sagte Deml.

Zu Beginn habe man den Fokus auf den Einsatz von Digitalisierung in der Fertigung gelegt, um Durchgängigkeit in der CAD-CAM/CNC-Kette inklusive der Werkzeug- und NC-Programmverwaltung zu schaffen. Bisher getrennt arbeitende Systeme wurden synchronisiert und mit digitalen Schnittstellen versehen.

Außerdem implementierte Siemens neue Werkzeuge, verbesserte die NC-Programme und nahm verschiedene Designanpassungen vor. Im Ergebnis konnten im Elektromotorenwerk Bad Neustadt bis heute 40 Prozent kürzere Durchlaufzeiten bei Prozessänderungen erreicht, Korrekturschleifen um 50 Prozent beschleunigt und Hochlaufzeiten neuer Maschinen um 60 Prozent verkürzt werden.

Autor: Franz Höllriegel