23.05.2019

Auch maritime Wirtschaft ist beim Thema Nachhaltigkeit gefordert

Navigare necesse est – aber ist es auch nachhaltig? Diese Frage treibt seit einiger Zeit die Politik um. Jetzt hat der Bundestag ein wichtiges Zeichen gesetzt. Pünktlich zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) verabschiedete er einen Antrag zur Stärkung maritimer Nachhaltigkeit.

Maritime Wirtschaft

Herausforderungen der maritimen Nachhaltigkeit

400.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt an ihr. Doch Veränderungen durch Digitalisierung und Automatisierung machen auch vor dem maritimen Sektor nicht halt. „Die maritime Wirtschaft ist eine wichtige Branche mit technologischem Zukunftspotenzial und gesamtwirtschaftlicher Bedeutung“, meint der seeverkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag Uwe Schmidt zur Annahme am 17.05.2019 eines Antrages der Regierungskoalition zur Steigerung der Nachhaltigkeit in der maritimen Wirtschaft.

Der Erfolg der maritimen Wirtschaft hänge maßgeblich von den qualifizierten Fachkräften und einer guten Sozialpartnerschaft ab. Ohne europäische Sicherheits- und Sozialstandards könne man die Veränderungen durch Digitalisierung und Automatisierung im maritimen Sektor nicht meistern. Schmidt:

„Wir sagen klar, was wir zum Schutz der Bevölkerung, der Beschäftigten sowie der Umwelt tun müssen und wie wir die deutsche maritime Wirtschaft nachhaltig stärken wollen.“

Wichtig seien Kontrollen von

  • Betriebssicherheit der Seeschiffe,
  • Arbeitssicherheit auf den Schiffen,
  • Ladungssicherung

Schiffe so groß wie der Hauptbahnhof in Berlin

Seeschiffe würden immer größer mit mittlerweile „Ausmaßen des Berliner Hauptbahnhofes“, so Schmidt. Die Schiffsgrößenentwicklung erhöhe das Gefährdungspotential für Bevölkerung, Küstenregionen und Umwelt. Schmidt nennt als abschreckendes Beispiel das Unglück des Containerfrachters „MSC Zoe“, der vor kurzem 345 Container in der Nordsee verlor. Die Parlamentsbeschlüsse aus Bremen, Hamburg und Niedersachsen, die Laschen – also die Ladungsbefestigung – als Hafenarbeit deklarieren, seien ein richtiger Schritt. Der Antrag enthalte daher Forderungen nach einer kritischen Bewertung der Schiffsgrößenentwicklung sowie einer international unabhängigen Schiffszertifizierung. „Eine einheitliche europäische Kontrolle ist zwingend erforderlich“, so Schmidt weiter.

Schlüsseltechnologie Überwasserschiffbau

Auch den Überwasserschiffbau müsse man als Schlüsseltechnologie definieren. Die Erneuerung der deutschen Forschungsflotte müsse man weiter vorantreiben.

„Auch das haben wir in unserem Antrag berücksichtigt! Dazu gehört selbstverständlich auch der Neubau des Forschungseisbrechers Polarstern II, damit wir in Zukunft nicht nur noch virtuelle Forschungsreisen machen können“, so Schmidt abschließend.
Mit dem maritimen Antrag stellt das Parlament im Vorfeld der 11. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) wesentliche Forderungen an die Bundesregierung. Die NMK findet vom 22. bis 23. Mai unter dem Motto „Deutschland maritim – global, smart, grün“ in Friedrichshafen statt und damit erstmals in einem Binnenland.

Zustimmung von den Gewerkschaften

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßte unterdessen einige für die Beschäftigten in der Schifffahrt wichtige Vorhaben, die durch den Beschluss auf den Weg gebracht werden. Dazu gehört die Aufforderung an die Bundesregierung dafür zu sorgen, dass die hohen deutschen Standards in der Schleppschifffahrt in deutschen Gewässern von allen Marktteilnehmern eingehalten werden. Dies sei durch das Vorschreiben der deutschen Flagge nach EU-Hafenverordnung am besten zu gewährleisten.

Zudem sei die Aufforderung an die Bundesregierung, im Zuge des digitalen Wandels Mittel zur Ausbildungsförderung und Qualifikation der Beschäftigten zur Verfügung zu stellen, geeignet, dem Fachkräftemangel vorzubeugen und Beschäftigung und Einkommen zu sichern. Die Bundesregierung müsse auftragsgemäß den Wandel der Arbeitswelt in der maritimen Wirtschaft sozialverträglich gestalten.

Erweiterung des Fördervolumens von Ihatec

Die Forderung nach einer Erweiterung des Fördervolumens im Rahmen des Ihatec-Programms für Innovative Hafentechnologien beurteilt ver.di positiv. Allerdings müsse dazu die Aufstockung der Mittel auch dazu dienen, Forschungsprojekte zum Change-Management im Rahmen des digitalen Wandels zu fördern. Die Forderung nach Überprüfung der Ladungssicherungskonzepte auf Seeschiffen, die in deutschen Gewässern verkehren, ist nach Ansicht der Gewerkschaft ein Schritt in die richtige Richtung, greife aber zu kurz. Ladungssicherungsarbeiten seien den Hafenarbeitern vorbehalten, heißt es zur Begründung. Das solle man durch eine Verordnung vorschreiben.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)