Fachbeitrag | Einkaufsrecht
27.06.2016

Architekten: Akquise oder Vertrag?

Möchte ein Unternehmen bauen, stehen meist große Investitionen an. Suchen Geschäftsführung oder Fachabteilungen nicht selbst einen passenden Architekten, kommt diese Aufgabe auf den Einkäufer zu. Verschiedene Architekten einfach wie gewohnt anrufen oder anmailen und sie bitten, ein Angebot zu unterbreiten? Das kann je nach Umständen des Einzelfalls teuer werden, wenn das „Angebot“ des Architekten zu vergüten ist. Wann liegt eine kostenpflichtige Leistung des Architekten vor und wann eine „kostenfreie Akquisition“?

Wann muss man das Angebot des Architekten bezahlen?© 290712 /​ fotolia.com

Kostenfreie Akquisition oder schon mehr?

In der Phase der kostenfreien Akquisition erbringt der Architekt ohne dazu durch Vertrag verpflichtet zu sein  Leistungen, weil er darauf hofft, den Auftrag zu bekommen. Er ermittelt die Grundlagen und fängt an zu planen. Nach der HOAI, der Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen, wären diese „Vorarbeiten“ des Architekten zu honorieren.

Aber der Architekt hat nur dann einen Anspruch auf Vergütung, wenn er sich vor Beginn seiner Tätigkeit oder rückwirkend mit dem Bauherrn darüber geeinigt hat, dass diese ganz oder teilweise vergütet wird. Gerade bei Großprojekten erbringen Architekten oft Vorleistungen, die der vergütungsfreien Akquisitionsphase zugerechnet werden, weil Bauherr und Architekt nicht mündlich, schriftlich oder konkludent etwas anderes vereinbart haben.

In der Praxis kommt es zudem vor, dass der Bauherr trotz der Anstrengungen des Architekten doch einen Dritten einschaltet, der auf Grundlage seiner Vorarbeiten weitermacht. Der Architekt schaut dann eventuell in die Röhre, denn die Grenze zwischen Auftrag und Akquisition hängt vom Einzelfall ab und verläuft je nach Gericht anders.

Vergütung des Architekten

Dazu ein Fall: Ein Hotelier lässt sich von verschiedenen Architekten die Ideen und Honorarvorstellungen für seinen geplanten Umbau präsentieren. Als einer davon beim Gespräch Skizzen vorlegt, meint der Hotelier, dass er nun wissen müsse, was das Ganze kosten werde. Diese Äußerung fasst der Architekt als Auftrag auf und verlangt vom Hotelier, dass er die Vorarbeiten vergüte. Nachdem dieser nicht zahlt, kommt es zum Rechtsstreit. Das OLG Celle hat entschieden, dass der Bauherr nie eindeutig den Willen bekundet habe, den Architekten zu beauftragen. Der Hotelier habe vielmehr damit, dass er das Gespräch mit der Kostenfrage beendete, klar gemacht, dass er demjenigen den Auftrag geben wolle, der seinen Kostenvorstellungen am nächsten komme. Dadurch habe der Architekt erkennen müssen, dass sich der Hotelier nicht vertraglich habe binden wollen. (OLG Celle, Urteil v. 23.05.2006, 14 U 240/05)

Wichtige Details zum Thema „Architektenvertrag “ mit zahlreichen Praxistipps, Beispielen und Hinweisen zur Rechtsprechung finden Sie im Rechtshandbuch für die Einkaufspraxis.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen