10.04.2018

Agenda 2030: Häfen verpflichten sich zu Nachhaltigkeit

Dreckige Ozeanriesen im Hafen – immer lauter wird die weltweite Kritik an den Umweltstandards von Häfen. Das wollen fast 1.000 Häfen und Hafenbetriebe jetzt ändern. Am 22. März 2018 verpflichteten sich Vertreter internationaler Hafenverbände auf 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO aus der Agenda 2030.

Vertreter von internationalen Hafenverbänden verpflichteten sich auf Nachhaltigkeitsziele aus der Agenda 2030 der UNO.

Marke und Strukturen von Hapag Süd bleiben

An die 1.000 Häfen und Hafenbetriebe aus mehr als 100 Staaten haben sich auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG) verpflichtet. Diese Ziele stammen aus der Agenda 2030 der UN-Generalversammlung vom September 2015.

Nun haben Vertreter von fünf Hafen-Organisationen laut einem Bericht der „DVZ“ in Antwerpen die „Charta des weltweiten Nachhaltigkeitsprogramms für Häfen“ (WPSP) unterzeichnet.

SDG: Sustainable Development Goals. Mehr dazu auf der Website des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: www.bmz.de

WPSP: World Ports Sustainability Program. Mehr dazu auf der Website des Ports of Antwerp: www.portofantwerp.com

Fünf SDG-Kriterien aus der Agenda 2030 im Hafenfokus

Dabei werden die Ports ihr Hauptaugenmerk auf fünf der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung legen:

  1. Infrastruktur: Die Ports wollen sie an die Herausforderungen der Zukunft anpassen. Sie wollen sich unter Berücksichtigung zunehmender Digitalisierung auf die durch den Klimawandel häufiger auftretenden Wetterturbulenzen einstellen.
  2. Kommunen: Die Häfen wollen das Verhältnis zu den Kommunen rund um ihre Hafenanlagen verbessern. Die von den Aktivitäten im Hafen betroffenen Menschen will man stärker in Entscheidungen einbeziehen.
  3. Sicherheit: Sicherheit wird großgeschrieben. Das betrifft sowohl die nautische Sicherheit als auch den Schutz etwa vor Cyberkriminalität sowie der Schutz sensibler Anlagen vor Anschlägen.
  4. Transparenz: Ferner verpflichten sich die Häfen zu Transparenz bei ihren hafenpolitischen Entscheidungen insbesondere in Hinblick auf gleiche Arbeitsmarkt-Chancen von Frauen und Männern sowie in Hinblick auf Bekämpfung von Korruption.
  5. Energie und Klima: Hier baut die Verpflichtung auf Vorarbeiten des Internationalen Hafenverbands (IAPH) auf. Der legte 2008 ein entsprechendes Programm auf. Damals verpflichteten sich 55 große Häfen, aktiv am Schutz des Klimas mitzuwirken.

Ihre Unterschrift unter die WPSP-Charta setzten Vertreter der Organisation der Europäischen Seehäfen (Espo), des weltweiten Netzwerks der Hafenstädte (AIVP), des Amerikanischen Verbands der Hafenverwaltungen (Aapa), des weltweiten Verbands für die Wasserverkehrsinfrastruktur (Pianc) und des IAPH.

Expertenwissen und Praxishilfen für die Bereiche EinkaufLogistikTransport finden Sie jederzeit in unserem Online-Produkt. Jetzt für 30 Minuten kostenlos testen!

Die UN-Nachhaltigkeitsziele aus der Agenda 2030

Die UN-Generalversammlung hat als Ergebnis des UN-Nachhaltigkeitsgipfels im September 2015 mit der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) verbunden. Diese umfassen grundlegende Verbesserungen der Lebensverhältnisse aller Menschen heute und in künftigen Generationen sowie den Schutz des Planeten Erde.

Die Agenda 2030 ist ein globaler Aktionsplan der Vereinten Nationen für Menschen, Planeten und Wohlstand. Mit der Agenda haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen einen Fahrplan zur „Transformation der Welt zum Besseren“ im Sinne einer nachhaltigen Umgestaltung von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bis zum Jahr 2030 entwickelt.

Überprüfung der Umsetzung der Agenda 2030

Um zu überprüfen, ob die Ziele der Agenda 2030 tatsächlich erreicht werden oder wie weit der Weg dahin noch ist, hat eine Expertengruppe im Auftrag der Statistischen Kommission der Vereinten Nationen (UNSC) ein erstes globales Indikatorenset für die SDGs entwickelt. Für Deutschland ist das Statistische Bundesamt in dieser Expertengruppe vertreten.

Das Indikatorenset bildet eine wichtige Grundlage des sogenannten „Reviewprozesses“. Dieser wird sich laut einer Mitteilung des Amtes bis 2030 erstrecken. Die Teilnahme ist freiwillig. Für die Steuerung des globalen Reviewprozesses ist das Hochrangige Politische Forum zu Nachhaltiger Entwicklung (HLPF) zuständig.

Obwohl die Indikatoren vorrangig der internationalen und nicht der nationalen Messung der Zielerreichung dienen sollen, lassen sich viele der globalen Indikatoren auch national berechnen. Deutschland ist bei der Bereitstellung nationaler Daten einer der Vorreiter. Die Zusammenstellung der für Deutschland verfügbaren circa 100 Indikatoren basiert sowohl auf Daten der amtlichen Statistik als auch auf anderen Quellen.

Globale und lokalen Herausforderungen

Jacques Vandermeiren, Chef des Antwerpener Hafens und Gastgeber der zweitägigen Konferenz des weltweiten Nachhaltigkeitsprogramms für Häfen, betonte in seiner Eröffnungsrede vor der belgischen Königin Mathilde, dem Generalsekretär der Internationalen Maritimen Organisation (IMO), Kitack Kim, und Hafenvertretern aus aller Welt die Verpflichtung auf die SDG.

Diese werden den Häfen helfen, nicht nur die globalen, sondern auch die lokalen Herausforderungen zu meistern. Konkret nannte er den Klimawandel, Mobilitätsprobleme, Digitalisierung, Migration und soziale Integration.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)