27.03.2019

Additive Fertigung sorgt als 3D-Druck für Aufbruchstimmung

Additive oder Generative Fertigung (Additive Manufacturing, AM) sorgt als 3D-Druck für Aufbruchstimmung. Der TÜV Süd und die BAM stellen neueste Forschungen und Dienstleistungen vor. In Frankreich öffnet Raumfahrtkonzern Safran einen millionenschweren AM-Campus.

3D-Druck

68 Millionen Euro für Safran-3D-Druck-Campus

3D-Druck sorgt derzeit allenthalben für Druck in der Industrie – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Das in Frankreich ansässige Luft- und Raumfahrtunternehmen Safran-Group eröffnet in Haillan bei Bordeaux einen Campus für Forschung und Entwicklung Additiver Fertigung.

Die Safran-Gruppe wurde 2005 durch eine Fusion mit Snecma und Sagem, einem Verteidigungs- und Unterhaltungselektronikunternehmen, gegründet. Insgesamt 68 Millionen Euro fließen laut einer Pressemitteilung des Unternehmens in das Projekt mit der Bezeichnung Campus Safran Additive. Safran will den 3D-Druck noch weiter in die Herstellungsprozesse einbeziehen. Das Unternehmen hat lokale Unterstützung für den Komplex erhalten.

Fabrik-Campus in Haillan

In Haillan soll es Forschung, Entwicklung, Prototypenbau und eine kleine Fertigung von 3D-Teilen geben, insbesondere für von Safran entwickelte Motoren. Es werde eine Art Fabrik-Campus für die Herstellung von 3D-Teilen oder die additive Fertigung für die gesamte weltweit vertretene Gruppe. In dem Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung, die Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten vom Prototyp bis zum Serienteil zusammenfassen.

Safran entwirft bereits in begrenztem Umfang 3D-Teile, z.B. Teile für Hubschraubertriebwerke oder für Flugzeuginnenausstattungselemente. Auf einer Fläche von 10.000 m², darunter 6.500 m² Werkstätten, soll das Gebäude bis zu 50 3D-Drucker aufnehmen. Der Bau des Gebäudes selbst ist für 2020 geplant, eine Teaminstallation soll 2021 folgen. Bis 2023 soll das Unternehmen 75 Personen für den Forschungsteil und 90 Personen für den Produktionsteil beschäftigen. Langfristig soll die Zahl der Mitarbeiter auf 200 in den Bereichen Engineering, Produktion und Forschung und Entwicklung steigen.

TÜV Süd präsentiert 3D-Druck-Serviceportfolio

Unterdessen gewinnt auch in Deutschland die neue Technik zusehends an Anwendungsterrain. Ein umfangreiches Serviceportfolio im Bereich der industriellen additiven Fertigung präsentierte im März 2019 der TÜV Süd auf Fachmessen für Additive Manufacturing in Luzern und auf der Konferenz Additive Manufacturing Forum vom 14. bis 15. März in Berlin.

Das Unternehmen begleitet Anbieter und Anwender der AM-Technologie auf dem Weg zur industriellen additiven Fertigung mit Dienstleistungen, Zertifizierungen, Trainings und digitalen Services. Grundlage für Zertifizierungen ist das neue Prüfprogramm „Additive Manufacturer“. Man unterstütze damit Unternehmen, die eine Fertigungslinie mit 3D-Druckern aufbauen wollen, heißt es in einer Pressemitteilung des TÜV Süd. Unternehmen werden demzufolge nach bestimmten Kriterien auditiert und bei erfolgreicher Prüfung als „Additive Manufacturer“ zertifiziert.

Als Ziel neben der generellen Sicherheit bezeichnet Gregor Reischle, Chef Additive Manufacturing beim TÜV Süd-Produkt-Service, die Zertifizierung: „Exzellenz in der additiven Fertigung durch die Sicherstellung von vergleichbaren und reproduzierbaren Ergebnissen zu erreichen.“

Beurteilung industrieller Reife der Anlagentechnik

Der TÜV Süd entwickelt darüber hinaus zwei weitere Prüfgrundlagen zur Beurteilung der industriellen Reife der Anlagentechnik sowie der verwendeten Werkstoffe. Dazu arbeitet das Unternehmen unter anderem in nationalen und internationalen Normengremien mit Material- und Anlagenherstellern sowie Anwendern zusammen. Ziel hierbei: Werkstoffe zertifizieren und damit für den Markt sichtbar machen, die beim 3D-Druck reproduzierbare Materialeigenschaften ermöglichen.

Trainingsportfolio für Additive Manufacturing

Darüber hinaus hat der TÜV Süd ein umfassendes Trainingsportfolio für Additive Manufacturing entwickelt. Mit Schulungen und Personenzertifizierungen unterstütze man Qualitätsmanager, Produktionsleiter, Designer und Prozessingenieure, interessant für Unternehmen, die eine industrielle Fertigungsstätte aufbauen. Der TÜV Süd will eine Vorreiterrolle in der additiven Fertigung einnehmen und den kommerziellen 3D-Druck ermöglichen. Als wesentliche Voraussetzung dafür sieht man dabei die Standardisierung und Professionalisierung das gesamten Segments der additiven Fertigung in den kommenden Jahren. Zu diesem Zweck arbeitet das Unternehme mit Global Playern zusammen.

3D-Druck-Forschung der BAM auf Hannover-Messe

Unterstützung auf diesem Weg könnte von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) kommen. Auf der Hannover Messe 2019 vom 1. bis 5. April 2019 stellen Wissenschaftler der Anstalt aktuelle Forschungsarbeiten vor zu Fragen wie:

  • Wie lässt sich ein zuverlässiges Prozessmonitoring entwickeln, um aufwendige Bauteilprüfungen zu vermeiden?
  • Wie können wir voraussagen, wie belastbar additiv gefertigte Teile sind, die beispielsweise in Gasturbinen zum Einsatz kommen?
  • Wie lassen sich mit innovativen Materialien additive Fertigungsverfahren für den Baubereich weiter erschließen, um zum Beispiel komplexe Ersatzteile für Infrastrukturanlagen herzustellen?

Seine Expertise sieht das BAM laut einer Mitteilung in der additiven Fertigung von der Charakterisierung der Ausgangsmaterialien über Bauteilprüfung bis zur Standardisierung der Verfahren. Die BAM kann hier auf langjährige Erfahrung beispielsweise mit Schweißverfahren und in der zerstörungsfreien Prüfung zurückgreifen. Diese werden für die Weiterentwicklung additiver Fertigungsverfahren und den sicheren Einsatz additiv gefertigter Bauteile genutzt.

Additive Fertigungsverfahren sind vielseitig und ermöglichen die passgenaue Fertigung von komplexen Bauteilen, die bei Bedarf in kleiner Stückzahl hergestellt werden. Entsprechend groß ist laut BAM das Potenzial für Innovationen in verschiedenen Anwendungsbereichen: vom Maschinen- und Anlagenbau über Bauwesen, Automobilindustrie und Medizintechnik bis hin zu – Luft- und Raumfahrt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)