04.01.2021

2019 mehr gefälschte Waren aus China beschlagnahmt

China – von der Werkbank der Welt zum Kopierer Europas. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man die Bilanz des EU-Zolls für 2019 liest. Demnach stammte ein Drittel aller beschlagnahmten Waren von dort. Auf den Rängen folgen Türkei und Hongkong.

Gefälschte Waren

Fälscherware für über 760 Millionen Euro

2019 hat der Zoll an den Außengrenzen der EU gefälschte Waren mit einem Einzelhandelswert von über 760 Millionen Euro beschlagnahmt. Wie die EU-Kommission mitteilt, entspricht dies einem Wertzuwachs von 20 Millionen Euro gegenüber 2018. Die Zahl der zurückgehaltenen Waren ist demnach im selben Zeitraum um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Dabei stammen die nachgeahmten Waren zu 33 Prozent oder wertmäßig zu 56 Prozent aus China. Wie in den vergangenen Jahren befanden sich die Türkei und Hongkong bei Anzahl und Wert nach wie vor unter den Top 7. Der Mitte Dezember 2020 von der Kommission veröffentlichte Jahresbericht zu Zollkontrollen gibt einen Überblick über die Arbeit der EU-Zollbeamten, die für die Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums an den EU-Außengrenzen zuständig sind.

Zollunion Eckpfeiler des EU-Binnenmarkts

Innovation und Kreativität sieht die Kommission als Motoren der Wirtschaft. Die Inhaber von Rechten des geistigen Eigentums müssten sich sicher sein können, dass ihre Erfindungen und Marken geschützt sind. Davon hänge die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen ab. Gefälschte Produkte stellten zudem eine Gefahr für die Sicherheit der Menschen in der EU dar.

Bei der Durchsetzung dieser Standards an ihren Außengrenzen spielten die Zollbehörden der EU eine umfassende Rolle. Die Zollunion habe sich zu einem Eckpfeiler des EU-Binnenmarkts entwickelt. Sie soll für sichere EU-Grenzen sorgen und verbotene und gefährliche Waren wie Waffen, Drogen und gefälschten Waren an der Außengrenze abfangen.

Der Bericht der Kommission über Zollmaßnahmen zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums wird seit 2000 jährlich veröffentlicht. Er stützt sich auf Daten, die der Kommission von den Zollverwaltungen der Mitgliedstaaten übermittelt werden. 2018 legten Kommission und Europa-Rat einen Plan zur Bekämpfung von Verletzungen der Rechte des geistigen Eigentums für die Jahre 2018-2022 vor.

Über 90.000 Waren aus 41 Millionen Einzelstücken

Insgesamt beschlagnahmten die Zollbehörden der Mitgliedstaaten 2019 mehr als 90.000 Waren, bestehend aus fast 41 Millionen Einzelstücken, die gegen Rechte des geistigen Eigentums verstießen. Dies bedeutet ein Anstieg um 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die größten Kategorien sichergestellter Waren stellen:

  • Zigaretten mit 21,3 Prozent
  • Verpackungsmaterial mit 13,6 Prozent
  • In diesem Jahr sind gefälschte Streichhölzer mit 20 Prozent hinzugekommen

Die überwiegende Mehrheit der in die EU eingeführten nachgeahmten Produkte entfallen auf:

  • Spielzeug mit 9,6 Prozent
  • Bekleidung mit 3,9 Prozent.

Topfälscherware Bekleidung und Sportschuhe

Bei den zurückgehaltenen Waren handelte es sich den Angaben zufolge in diesem Jahr am häufigsten um Bekleidung und Sportschuhe sowie an dritter Stelle Parfüms und Kosmetika. 85 Prozent der beschlagnahmten Waren hat der Zoll schließlich vernichtet.

Mengenmäßig führten die Liste an:

  • Pakistan bei Streichhölzern
  • Republik Moldau bei Verpackungsmaterial für Zigaretten,

wertmäßig

  • Marokko bei Uhren
  • Senegal bei Bekleidung
  • Serbien bei Wasserpfeifentabak.

Hauptsächlich im Kurier- und Postverkehr

Bei den Transportmitteln für die Einfuhren der verbotenen Waren entfielen auf den Kurier- und Postverkehr zusammen 85 Prozent. Bei den Einzelstücken, die in den Kategorien des Postverkehrs beschlagnahmt wurden, handelte es sich hauptsächlich um über den elektronischen Handel bestellte Verbrauchsartikel, z. B. Schuhe, Bekleidung und Spielzeug.

Nachgeahmte Produkte für den täglichen Gebrauch, die für Gesundheit und Sicherheit der Menschen gefährlich sein können, wie Lebensmittel und Getränke, Körperpflegeartikel, Medikamente, elektrische Haushaltsgeräte und Spielzeug, waren nach wie vor ein Problem: Sie machten 15,6 Prozent aller beschlagnahmten Einzelstücke aus.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)