12.03.2018

Datenübertragbarkeit: Das Comeback des Datenträgers

Das Recht auf Datenübertragbarkeit stellt Unternehmen vor neue Aufgaben. Darunter finden sich auch solche, an die Unternehmen oft nicht denken. Dazu gehören ausreichend schnelle und sichere Übertragungswege. Doch es gibt bereits einige überraschende Spezial-Lösungen.

Datenübertragbarkeit Datenträger

Datenübertragbarkeit: Zurück zu den Wurzeln?

Die Stiftung Datenschutz hat sich das neue Recht auf Datenübertragbarkeit (Artikel 20 DSGVO) in einer Studie genauer angeschaut. Sie stellt fest: Der Gesetzgeber hofft, dass die Mitnahme-Möglichkeit für „eigene“ Daten die Schwelle senkt, die Anbieter von digitalen Diensten zu wechseln. Außerdem ist es Ziel, dass die Verbraucher bessere Kontroll-Möglichkeiten über ihre personenbezogenen Daten erhalten.

Wie dies in der Praxis funktionieren kann, ist unklar. Viel Zeit, das zu klären, bleibt bekanntlich nicht mehr. Deshalb sind Empfehlungen, Leitlinien sowie praktische Lösungen und Tools hilfreich.

Die technische Seite

Im technischen Bereich ist unter anderem zu klären, so die Studie,

  • wie die „strukturierten, gängigen und interoperablen“ Formate genau aussehen,
  • wie sich die Sicherheit während der Datenübertragung gewährleisten lässt und
  • wie sich sicherstellen lässt, dass nur die berechtigten Personen von ihrem Recht auf Datenübertragbarkeit Gebrauch machen können.

Neben der Frage nach dem Austauschformat und der Sicherheit vor und während einer Datenübertragung ist zu analysieren, wie die Daten von einem Anbieter zum anderen Anbieter gelangen. Denn der Übertragungsweg muss nicht nur sicher genug, sondern auch ausreichend performant sein.

Auch Performance ist gefragt

Bei der Datenübertragbarkeit geht es nämlich nicht nur um den Fall, dass eine einzelne betroffene Person ihr Online-Profil von Anbieter A zu Anbieter B übertragen will. Es kann sich auch um sehr große Datenmengen handeln. Etwa wenn ein Unternehmen von einem Cloud-Anbieter zum anderen wechselt.

Cloud Computing führt dazu, dass Clouds enorme Datenmengen vorhalten. Möchte jemand den Cloud-Anbieter wechseln, kann die Datenübertragung schnell an die Grenzen der Internet-Bandbreite stoßen, die in Deutschland üblich ist. Hier sind deshalb neue, noch eher ungewöhnliche Lösungen gefragt beziehungsweise Lösungen, die mehr an frühere Zeiten erinnern.

Dazu tragen auch die Vorgaben bei, was bei Beendigung einer Auftragsverarbeitung (Artikel 28 DSGVO) zu geschehen hat: Der Auftragsverarbeiter muss alle personenbezogenen Daten nach Wahl des Verantwortlichen entweder löschen oder zurückgeben.

Ausnahme: Es besteht nach dem Unionsrecht oder dem Recht der Mitgliedstaaten eine Verpflichtung, die personenbezogenen Daten zu speichern.

Lösungen für die Datenübertragung an neue Anbieter

Was also tun, wenn das Recht auf Datenübertragbarkeit sowie die Vorgaben zu einer zu Ende gehenden Auftragsverarbeitung zu größeren Datentransfers führen?

Für diesen Fall bietet sich der früher übliche Datenaustausch mithilfe von Datenträgern als Alternative zu den verschlüsselten Datentransfers über das Internet an.

Der Datenträger kommt zurück

Je nach Datenvolumen eignen sich die klassischen Datenträger, kombiniert mit entsprechenden Sicherheitseigenschaften und Sicherheitsverfahren.

Einige Cloud-Anbieter haben bereits Datenträger der besonderen Art in ihrem Dienstleistungsprogramm:

  • AWS Snowball ist ein Speichergerät für den Datentransport. Amazon bietet seinen Geschäftskunden diese Lösung seit einiger Zeit an, um große Datenmengen zu Amazon Web Services (AWS) zu transferieren.
  • Der „Backup Bulli“ von Windcloud fasst bis zu fünf Petabyte (PB) an Daten. Das Fahrzeug wurde ursprünglich als Geldtransporter genutzt. Jetzt sind Storage Server installiert, die verschiedene Raids und Verschlüsselungen abbilden können, so der Anbieter. Die Bewegungen des „rollenden Datenträgers“ bis zu Windclouds Rechenzentrum im Norden Deutschlands lassen sich verfolgen. Windcloud stellt einen Fahrer / Techniker, um die Daten zu transferieren.
  • Wie weit das Programm der neuartigen „Datenträger“ für Cloud-Migrationen bereits reicht, zeigt AWS Snowmobile. Es ist zweifellos ein Extrem-Beispiel: AWS Snowmobile ist ein Datenübertragungs-Service im Exabyte-Bereich, das extrem große Datenmengen nach Amazon Web Services (AWS) bewegen kann. Kunden können bis zu 100 PB pro Snowmobile übertragen.

AWS Snowmobile: Daten auf dem Sattelschlepper …

Möglich wird dies mit einem 14 Meter langen robusten Transportcontainer, den ein Sattelschlepper zieht. Mit Snowmobile lassen sich enorme Datenvolumen in die Cloud bringen, einschließlich Videobibliotheken, Bilder-Repositories oder sogar komplette Datencenter-Migrationen.

Snowmobile verwendet mehrere Sicherheitsebenen: Dazu gehört

  • dediziertes Sicherheitspersonal,
  • GPS-Tracking,
  • Alarmüberwachung,
  • Videoüberwachung rund um die Uhr sowie
  • ein optionales Sicherheits-Begleitfahrzeug für den Transport.

Hinweis: Wir werden weiterhin den Markt beobachten und den Beitrag erweitern, wenn wir spannende und passende Lösungen finden.

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie zu DSGVO-Tools:
Autor: Oliver Schonschek (Diplom-Physiker, IT-Analyst und Fachjournalist)