31.10.2018

Was tun, um Nachwuchs in die Parlamente zu bekommen? Eine Studie des WDR gibt Aufschluss!

Eine aktuelle Studie des WDR zeigt: Gerade mal 11 Prozent der Stadt- und Gemeinderäte in NRW sind jünger als 40 Jahre (kommunal.de). Nachwuchs ist vorerst nicht in Sicht, viele Listenplätze werden wohl auch in Hessen, wo 2021 wieder gewählt werden wird, unbesetzt bleiben. Gerade Stadtverordnetenversammlungen und, noch dramatischer, Ortsbeiräte werden davon betroffen sein. Dabei gibt die Studie auch Hinweise darauf, wie es funktionieren kann. Näheres dazu erfahren Sie hier.

Das Münchner Rathaus

Allenthalben wird darüber geklagt, dass es in der deutschen Politik zu wenig Nachwuchs gibt. Wie überall ist auch hier die Kommunalpolitik als Erstes betroffen. Empirisch untermauert wird diese geteilte Annahme jetzt durch eine Studie des WDR: Nur 11 Prozent der Stadträte in NRW (im Rest der Bundesrepublik dürfte es nicht anders aussehen) sind unter 40 Jahre alt. Entscheiden also alte Menschen alte Dinge in alten Mustern mit alten Werkzeugen? Mitnichten! Demokratie lebt von Durchsatz, Pluralismus und Generationen übergreifendem Erfahrungsaustausch. Die Konsequenzen sind allerdings dramatisch: Auf Dauer wird der organisationale Unterbau der Kommunalpolitik erodieren. Dabei können einige wenige Tricks dabei helfen, Kommunalpolitik wieder interessant zu machen.

Geronto-Themen im Fokus? Von wegen!

Wenn also Menschen mit hoher Lebenserfahrung über die Anliegen der EinwohnerInnen beraten und abstimmen, stehen doch wohl bloß „Geronto-Themen“ im Fokus, oder? Mitnichten! Auch erfahrene KommunalpolitikerInnen müssen sich über Digitalisierung, Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitszeitmodelle Gedanken machen. Und dort wäre dann entsprechender Sachverstand von Betroffenen sicherlich hilfreich, denn die Studie zeigt auch: Junge Menschen interessieren sich besonders für das Voranschreiten der Digitalisierung und den zeitgemäßen Umgang mit Themen der Jugend.

Jugendorganisationen erfüllen wichtige Rekrutierungsfunktionen

Dabei ist das ehrenamtliche Engagement nach wie vor hoch attraktiv bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Parteistrukturen und althergebrachte Sitzungen mit all ihren teilweise merkwürdigen Begleiterscheinungen sind es hingegen nicht (immer). Dabei erfüllen die Nachwuchsorganisationen der Parteien (JU, JuSos etc.) wichtige Funktionen, was die politische Sozialisation im vorpolitischen Raum betrifft: Hier werden junge Menschen, die dann in den politischen Entscheidungsraum gewählt werden (wollen), mit elementaren Spielregeln, Verfahren und Tricks vertraut gemacht. Das ist auch nach wie vor so. Es gilt daher: Sind Sie als Verantwortlicher an einer vitalen Nachwuchsbreite interessiert, versuchen Sie stets, an die Bedürfnisse junger Menschen anzuknüpfen. Sitzungen können mittlerweile digital übertragen werden, eine persönliche Anwesenheit ist zwar immer besser für das Binnenklima, muss aber nicht immer sein und erlaubt es jungen Menschen, auch während eines Auslandsaufenthalts an Sitzungen teilzunehmen.

Punktuell UND konstant

Häufig legen ältere Strukturen ihre Anforderungen einfach an junge Menschen an: Die Anwesenheit beim Starkbieranstich ist ebenso obligatorisch wie das Beisammensein bei einer Sitzung des Ortsvereins, auch wenn es wieder mal nur um die Verteilung der Dienste auf dem nächsten Weinfest geht. Junge Menschen werden recht schnell frustriert, wenn sie merken, dass ihre Stärken nicht oder nur bedingt abgerufen werden. Sie sehen: Junge Menschen wollen und müssen strukturiert an politische Aufgaben herangeführt werden. Es gibt dazu keinen besseren Ort als Ihre Kommune!

Quellen
https://kommunal.de/stadtraete-alter
https://www.ardmediathek.de/tv/Lokalzeit-OWL/Junge-Wähler-schauen-auf-den-alten-Rat/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7293620&documentId=56391450

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)