21.08.2020

Vermüllte Stadtparks – wie Städte reagieren

Städtische Grünanlagen und Parks erfreuen sich einer großen Beliebtheit bei Städtern, aber auch bei Touristen und Tagesgästen. Das Grün bietet Ruhe, frische Luft und Bewegungsraum. Eine ideale Möglichkeit, um sich vom stressigen Alltag zu erholen. Aber durch die hohe Frequenz von Spaziergängern, Joggern, Picknickfreunden und Hunden verbleiben auch Unmengen an Abfall, der entsorgt werden muss, damit die erholsame Atmosphäre der Parks erhalten bleibt.

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Als eine der saubersten Städte Deutschlands gilt München. Dass dieser Anspruch mit viel Aufwand und Kosten verbunden ist, versteht sich von selbst. Etwa 40 Millionen Euro wendet die Stadt jährlich für die Reinigung von Straßen und Grünanlagen auf. Rund 400 Beschäftigte und über 250 Reinigungsfahrzeuge entsorgen fast 6.000 Tonnen Kehricht im Jahr. Mehr als 5.000 Abfallbehälter stehen in den städtischen Grünanlagen Münchens wie dem beliebten Englischen Garten und dem Westpark. Besonders beliebt sind in München im Sommer die Grillabende im Park und in den Isarauen. Die Folge sind beachtliche Müllmengen. Zigarettenkippen, Coffee-to-go-Becher, Aluminium-Folien und Papiertaschentücher, all das wird bei Grillabenden in Mengen schnell und achtlos auf den Boden geworfen – und bleibt dort liegen. Auch „natürliche“ Materialien wie Papier oder Pappe brauchen lange Zeit, bis sie verrotten: Ein Papiertaschentuch braucht drei Monate, Papier rund zwei Jahre. Alufolie und Kunststoffe verrotten gar nicht. Das Baureferat der Landeshauptstadt München hat deshalb an der Isar, an Seen und in den Parkanlagen extra Grillbereiche ausgewiesen – und dort auch besonders viele Abfallbehälter aufgestellt. Um das Bewusstsein der Münchener auf das Müllproblem zu lenken, hat sich die Stadtverwaltung etwas Besonderes einfallen lassen. Im Sommer 2016 startete die Aktion „Natürlich Isar“, mit der eine nützliche App freigeschaltet wurde (www.isar-map.de). Die Isar-App bietet Informationen über Toilettenanlagen, Abfallbehälter, Mülltüten- und Hundekottütenspender, Spielplätze, Kioske und Campinganlagen. So kann per Mausklick die Lokalisierung der Abfallbehälter am Ufer der Isar abgerufen werden.

Auch andere Städte leiden unter dem Müllproblem. Die Stadt Düsseldorf zahlt jährlich rund 9,5 Millionen Euro für die Unterhaltung und Pflege der öffentlichen Grünflächen wie den Volks- und den Hofgarten, den Wildpark am Grafenberger Wald, die Rheinauen und den Benrather Schlosspark, also ein knappes Viertel der Münchener Kosten. In einer mittelgroßen deutschen Stadt wie Kassel kostet die Reinigung der städtischen Parkanlagen jedes Jahr etwa 400.000 Euro. Hier kommt es vor allem auch zu verstreutem Müll auf den Wiesen, was viel Arbeit und damit hohe Kosten bei der Entsorgung verursacht. Das hat den Stadtbaurat dazu veranlasst, an die Besucher der Parkanlagen zu appellieren, die vorhandenen Mülleimer zu benutzen oder sogar ihren Abfall mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Insbesondere die attraktiven großen Parkanlagen und Naherholungsgebiete wie die Goetheanlage, der Park Schönfeld und auch die Karlsaue sind davon betroffen. Leider wird auch regelmäßig gezielt Hausmüll in öffentlichen Mülleimern abgeladen. Ähnlich wie der Isarbereich in München erfreut sich die Kasseler Fuldaaue großer Beliebtheit und Frequentierung. Sie wird von den Stadtreinigern im Auftrag des städtischen Umwelt- und Gartenamts gereinigt. An einem warmen Wochenende fallen hier durchschnittlich 1 bis 1,5 Tonnen Müll an. Die jährlichen Kosten für die Fuldaauenreinigung allein betragen zirka 100.000 Euro.

Die größten Probleme und Herausforderungen, die sich in den letzten Jahren in den städtischen Parks beim Abfallproblem abgezeichnet haben, bestehen in Vandalismus und der Zunahme von Müll. In vielen Stadtparks sind die Zerstörung von Müllbehältern und die Überfüllung der Behälter, gerade auch durch sperrige Pizzakartons, ein großes Problem. Zudem ist es problematisch, dass vorhandene Müllbehälter gar nicht genutzt werden und Verpackungen und Flaschen irgendwo im Park landen.

Die Lösungen für diese Probleme fallen in den befragten Städten ganz unterschiedlich aus. Das Gartenamt in Kassel setzt auf die Verwendung stabiler Müllbehälter und auf zusätzliche Entsorgungsangebote in hoch frequentierten Grünanlagen, z.B. auf Betonringe. Diese nehmen auch keinen Schaden, wenn heiße Grillkohle darin entsorgt wird, und haben ein großes Fassungsvermögen. Das Münchner Gartenbauamt tritt diesen Problemen v.a. mit aufklärenden Maßnahmen entgegen: stadtweite Öffentlichkeitskampagnen wie z.B. „Deine Isar“ (www.deine-isar.de) und „Rein. Und Sauber“ sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zur Sensibilisierung für das Thema, z.B. Ramadama-Aktionen und Grünanlagenpatenschaften. Die Stadt bemüht sich um Aufklärung durch die städtische Grünanlagenaufsicht und externe Bewachungsdienste und bietet die Möglichkeit zum Melden von Verunreinigungen über Servicetelefon, Online-Formular und Handy-App. Zur Erleichterung der Entsorgung von Hundekot wurden ca. 420 Hundekotbeutelspender über die Münchener Grünanlagen verteilt. Regelmäßige Verkehrssicherheits- und Zustandskontrollen sollen die bedarfsgerechte Planung der Reinigung bzw. Entsorgung verbessern. Zur Lösung des ansteigenden Mülls werden seit mehreren Jahren in Düsseldorf die hoch frequentierten Parkanlagen von Frühjahr bis Herbst mit sogenannten „Saisontonnen“ – Restmüllbehältern mit 120 Litern Fassungsvermögen – ausgestattet. Die Aufstellung der 70 Behälter wurde in den letzten Jahren von einer Informationskampagne „Restlos entspannen“ begleitet. Unter anderem setzt die Stadt dabei Promotion-Teams ein, die die Besucherinnen und Besucher der Parks und Rheinwiesen auf Entsorgungsmöglichkeiten hinweisen sowie Informationsmaterial und bei Bedarf Abfallbeutel verteilen.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)