26.02.2019

Tipps für mehr Spaß beim Reden und Zuhören

Fasching und Karneval stehen vor der Tür – eine gute Zeit, um sich über Humor am Rednerpult Gedanken zu machen. Nicht jedem von uns liegt es, Witze zu erzählen – aber jeder von uns lacht gern. Daher hier nun fünf Tipps, die Ihrem Publikum lustige Momente bescheren.

Vermummungsverbot

Tipp 1: Erzählen Sie lieber Anekdoten aus dem Alltag anstelle von Witzen. Wenn Sie beim Schreiben einer Rede darüber nachdenken, wie Sie Ihr Publikum zum Lachen bringen können, geht Ihnen wahrscheinlich schnell der Gedanke durch den Kopf, einen Witz zu erzählen. Aber das ist gar nicht so einfach! Nur sehr wenigen von uns gelingt es, einen Witz zur passenden Gelegenheit zu kennen und ihn dann auch noch lustig zu erzählen. Vielen fällt es leichter, eine Geschichte aus dem eigenen Alltag einzuflechten, die – etwas zugespitzt formuliert und flott erzählt – die Zuhörer zumindest zum Schmunzeln bringen wird. Der Gedanke hier ist, dass sich einige im Publikum in Ihrer Anekdote wiedererkennen.

Was mich zu Tipp 2 bringt: Scherzen Sie immer über sich selbst – machen Sie sich nicht über andere lustig. Erzählen Sie daher nur Geschichten, die Sie auch selbst lustig finden. Die Geschichte sollte Sie dem Publikum näherbringen, nicht entfremden. Wenn Ihr Publikum lacht, wissen Sie, dass es noch lebt. Eine wichtige Information für beide Seiten.

Womit wir auch gleich bei Tipp 3 landen: Überrumpeln und überraschen. Überlegen Sie, wer Ihr Publikum ist und was es nicht erwartet. Aber woher wissen Sie denn, was Ihr Publikum erwartet? Indem Sie diese Erwartung erst gezielt aufbauen und dann brechen. Bestes Beispiel an dieser Stelle die Anleitung zur Selbsthilfe des Kabarettisten Eckhard von Hirschhausen, die einigen von Ihnen bekannt sein dürfte: „Wenn Sie sich mal nicht wohlfühlen, gibt es fünf Fragen, die Sie sich stellen können, um Ihr Befinden zu verbessern: Habe ich genug gegessen? Habe ich mich genug bewegt? Habe ich genug geschlafen? Mit wem? Warum?“ Und? Mussten Sie schmunzeln?

Natürlich gilt es dabei auch Tipp 4 zu beachten: Passen Sie das Niveau Ihrer Rede an Ihr Publikum an. Eine Runde von Universitätsprofessoren wird über andere Dinge lachen als eine Gruppe Neuntklässler auf Besuch im Rathaus. Das gilt insbesondere auch, wenn Sie planen, ein humoriges Zitat – sozusagen den kleinen Bruder des großen Witzes – einzuflechten. Denn, siehe Tipp 2, stellen Sie keinen im Publikum bloß, indem Sie einen Scherz machen, den nur versteht, wer einen bestimmten Bildungshintergrund mitbringt.

Und, weil bald Karneval ist, zum Abschluss noch mein Tipp 5: Ja, es ist Karneval (oder Fasching oder Fasnacht oder …), aber trotzdem sind Sie kein Büttenredner. Ihre Rede im Februar ist nicht der Zeitpunkt, zu dem Sie beweisen müssen, dass an Ihnen ein Stand-up-Comedian verloren gegangen ist. Humor ist auch eine Frage der Dosis. Auch zu viel Humor kann langweilig sein. Geben Sie Ihrem Publikum zwischendurch auch Gelegenheit, durchzuatmen. Ja, vielleicht sogar, sich etwas zu langweilen. Umso dankbarer wird es Ihre nächste Pointe und Ihren schwungvollen Abschluss annehmen.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)