27.04.2017

„Taunus-Taler“ gegen Bankensterben? Was regionale Daseinsvorsorge leisten kann

Selten hat eine so kleine und eher randständige Meldungen in der Öffentlichkeit eine so große Resonanz erzeugt: Einige Sparkassen erheben jetzt Gebühren für das Abheben von Bargeld an ihren Automaten – und das von den eigenen Kunden! Die Reaktionen reichten von offenem Unverständnis bis hin zu Wut. Dabei folgen die Sparkassen lediglich einer Notwendigkeit. Doch was können Kommunen gegen das Filialen-Sterben wirklich tun? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Banknoten und Münzen

Immer wieder hören wir von Schließungen einzelner Filialen und kleineren Läden in ländlichen Kommunen. Das „Sterben der Tante-Emma-Läden“ ist längst zur traurigen Wahrheit geworden. Doch ungeachtet der Implikationen der kapitalistischen Urbanisierungs- und Konzentrationsprozesse von Leben und Arbeit in den Städten können Kommunen immer wieder intelligente Antworten auf das Wegbrechen unmittelbarer Versorgungsstrukturen in den Kommunen finden.

Interkommunale Zusammenarbeit als erster Schritt

Das Gute an der Problematik zuerst: Aller Wahrscheinlichkeit nach sind Sie in Ihrer Kommune nicht allein damit. Die Nachbarkommune leidet in der Regel unter ähnlichen Verwerfungen wie die Ihrige. Der erste Schritt kann daher nur lauten: Suchen Sie unmittelbar nach Ansatzpunkten für eine interkommunale Zusammenarbeit und sprechen Sie mit Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin „einen Ort weiter“: Welche ähnlichen Probleme tauchen hier auf? Welche Strukturen bestehen dort noch und können gegebenenfalls ausgebaut werden? Welche mobilen Versorgungsmöglichkeiten existieren hier und können auf eine andere Kommune ausgebraut werden? Beispiel: Der Landkreis Meißen betreibt gegenwärtig das Modellprojekt „Große Emma“: Hier wird eine Halle quasi multifunktional genutzt: Montags hat dort eine Bank geöffnet, dienstags ein kleiner Lebensmittelladen, mittwochs kann man jemanden vom Landratsamt sprechen usw. Der Vorteil: Personal– und Mietkosten der jeweils aktuellen „Filiale“ bleiben mit nur einem Tag in der Woche extrem überschaubar, die Menschen vor Ort können sich aber darauf verlassen, dass sie wenigstens einmal in der Woche etwas erledigen können.

Regionale Währungen?

Einen anderen Weg der kommunalen Wirtschaftsförderung gehen inzwischen einige deutsche Städte: Dort hat man, teilweise schon seit mehreren Jahrzehnten, eine regionale Wirtschaftsförderung in Gang gebracht, die auf einer eigenen und nur regional verfügbaren Währung basiert: So gibt es in Chiemgau beispielsweise den „Chiemgauer“, eine Ersatzwährung, die zwar im „Wechselkurs“ 1 zu 1 erworben werden kann, die aber im Laufe der Zeit relativ schnell an Wert verliert – und damit die Bürgerinnen und Bürger dazu animiert, sie schnell wieder an die regionalen Unternehmen und Händler auszugeben. Sie sehen also: Ländliches Sterben muss nicht immer eine Kreativitätsbremse sein – im Gegenteil: Nutzen Sie die kreativen Entfaltungsmöglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit und schaffen Sie dadurch mehr Versorgungssicherheit.

Quelle/Literaturtipp: Erhardt, Christian: „Daseinsvorsorge: Was tun, wenn der Bankautomat abgebaut wird?“, Kommunal-Magazin online v. 04/2017.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)