17.12.2018

Rhetorik-Tipps für Ihre Neujahrsansprache

Viele von Ihnen stehen nun zum Ende des Jahres wieder vor der Aufgabe, sich ein paar über- und einleitende Worte zum Start ins neue Jahr zu überlegen. Damit sich trotz vieler Vorerfahrung nicht Anfängerfehler einschleichen, an dieser Stelle drei Tipps zur Gestaltung Ihrer Neujahrsansprache.

Silvester Brücke gesperrt Gefahr

Erzählen Sie gerne schöne Erlebnisse mit Ihren Mitarbeitern. Beachten Sie aber,  dass Sie alle Beteiligten dabei im besten Licht darstellen.

Generell gilt, dass die Rede persönlich und wertschätzend sein soll, wenn Sie zu „Ihrem Team“ sprechen – aber nicht zu sehr auf einzelne Personen zugeschnitten, dass sich andere Anwesende langweilen, ausgeschlossen oder gar bloß gestellt fühlen. Das gilt auch für den Teil der Rede, an dem Sie sich bedanken. Hier sollte keine langwierige Litanei an Namen stehen. Fassen Sie die Namen lieber in Gruppen zusammen und erzählen Sie zu jeder Gruppe eine kleine, warme Anekdote. Dann kann dieser Teil der Ansprache auch so interessant werden, dass er nicht am Ende nur heruntergeleiert wird. Außerdem lassen sich die Gruppen auch viel leichter merken. Was sehr wichtig ist! Aber dazu kommen wir im letzten Tipp noch einmal.

Rückblicken, ja – aber auch nach vorn!

Es liegt sehr nahe, in der Neujahrsrede zum einen auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Was hat Ihr Team dieses Jahr besonders beschäftigt? Welche gemeinsamen Ausflüge oder Feiertage gab er? Wer hat das Rathaus verlassen, wer ist neu dazu gekommen? Alle diese Dinge sind erwähnenswert. Doch achten Sie darauf, dass Sie höchstens die Hälfte Ihrer Redezeit ausmachen. Die zweite Hälfte sollte dem neuen Jahr gewidmet sein und all den Dingen, die Sie erwarten. Fokussieren Sie sich hier natürlich auf Dinge, die aufregend, neu und spannend sind.

Der wichtigste aller Tipps allerdings ist ein ganz simpler – und sollte eigentlich mittlerweile selbstverständlich sein: Lesen Sie Ihre Rede nicht ab! Sprechen Sie frei!

Ja, vollständig frei. Wenn Sie sich das (noch) nicht vorstellen können, dann sprechen Sie lieber kürzer (und kurzweiliger). Und ein Punkt liegt mir hier besonders am Herzen: Nichts ist trauriger als ein Redner, der zwar die Rede zunächst frei spricht, dann aber zum Teil der Ansprache kommt, in dem er die Menschen erwähnen möchte, denen er besonders zu Dank verpflichtet ist oder die aus einem anderen Grund gesondert zu erwähnen sind – und prompt einen Zettel hervorkramt, auf dem er sich deren Namen notiert hat. „Um auch ja keinen zu vergessen!“ Dann vergessen Sie lieber einen! Denn diese Namen, wirklich, diese Namen sollten Sie aus dem Kopf wissen. Wenn es um mehr als drei Personen geht, dann zählen Sie jede Erwähnung im Kopf mit. Bis Sie bei der finalen Zahl angekommen sind. Denn: Diese Menschen haben es verdient, dass Sie Ihnen einen Blick zuwerfen. So viel Mühe muss sein. Anderenfalls – siehe Tipp 1.

Zum Abschluss wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Rückblick in das letzte Jahr und dem Vorausblick ins Neue. Die Zeit, die rast, kann von Ihnen ein Stück eingefangen werden. Genießen Sie das.

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)