31.10.2018

Namedropping – oder: Finger weg von Wichtigtuerei!

Habe ich eigentlich schon von meinem Mittagessen mit dem Vorsitzenden berichtet? Nein? Dann bestimmt aber, weil sich der Präsident der größten Landesuni wieder mal mit einer Frage an mich gewendet hat. Manchmal ist mein Netzwerk einfach so groß, dass ich keine Zeit mehr finde, alles mitzuteilen … hat übrigens Proust bereits festgestellt. Kommt Ihnen das bekannt vor? Menschen lassen sich auch in diesen Zeiten immer noch zu sehr von Namen und deren scheinbar wichtigem Klang beeindrucken. Das sollte nicht sein. Wie Sie Namedropping erkennen, erfahren Sie hier.

Sprechblase

Namen sind Schall und Rauch. Eine einfache Weisheit sollte genügen, um Menschen davon abzuhalten, mit bekannten und damit gut klingenden Namen in ihrem eigenen Umfeld hausieren zu gehen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Allzu gerne werfen Menschen mit Namen um sich und streuen sie ein, um noch ein wenig autoritärer zu klingen und ihre eigene Argumentation zu untermauern. Auffällig dabei: Je häufiger wichtig klingende Namen genannt werden, umso mehr werden mir diese Menschen in ihrer Argumentation suspekt. Viel zu häufig habe ich auf Messen, die sich mit scheinbar „alternativen“ Zugängen zu Realitäten beschäftigen, gehört, dass schließlich dies und jenes von Prof. Sanchez der Universität Lima bereits mehrfach untersucht wurde. Klingt beeindruckend. Dass aber Prof. Sanchez im Zuge der Untersuchung zu völlig anderen Ergebnissen kam und dass der Umstand einer Untersuchung allein kein Qualitätsmerkmal sein kann, bleibt außen vor. Man hat ja schließlich einen Professor in den Ring geworfen.

Namedropping

Dieses Phänomen, sich permanent mit bekannten oder fachlich gut klingenden Personen auszuzeichnen, nennt sich Namedropping: Scheinbar beiläufig werden immer wieder Namen eingestreut, die belegen sollen, dass man selbst mit den Mächtigsten und Klügsten auf Du und Du steht. Ein Problem gibt es dabei allerdings: Wäre der Inhalt entscheidend und nicht die Autorität, würde es keines Namedroppings bedürfen. Punkt. Dabei ist Namedropping besonders in der Politik ein beliebtes Mittel, Autorität herzustellen: Wenn ein lokaler Bundestagsabgeordneter immer wieder davon spricht, dass „Angela dies und jenes in Berlin nochmal klargestellt hat“, suggeriert man eine fast schon atemraubende Nähe zur Macht. Wenn ein MdL immer wieder einstreut, dass „bald seitens der Verwaltung ein Riesen-Aufschlag folgt“, simuliert er Insider- und damit Herrschaftswissen, das eine politische Gefolgschaft legitimieren soll.

Immunisieren Sie sich!

Wie nun umgehen mit Kollegen, die immer wieder zum beliebten Mittel des Namedroppings greifen? Zuerst sollte man ihnen in einem vertraulichen Gespräch klarmachen, dass Namedropping unattraktiv macht. Viele Menschen sind mittlerweile kompetent genug, diese Strategien zu durchschauen. Achten Sie also immer darauf, ob jemand versucht, Ihnen im Hintergrund zu suggerieren, dass er oder sie einen exklusiven Einblick in innere Machtzirkel hat, und finden Sie durch Nachfragen heraus, woher diese und jene Information nun exakt stammt und welche Quelle er als Referenz zusätzlich zu nennen imstande ist. Sie werden erkennen: Namedropping dient in erster Linie dem Dropper selbst und nicht einer fachlichen Auseinandersetzung.

Achten Sie auf diese Muster und immunisieren Sie sich gegen Namedropping! Hat Angela Merkel auch schon gemacht, wie ich weiß!

Quelle/Tipps
https://karrierebibel.de/namedropping/

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)