27.07.2017

Moderne Zeichensprache

Die bunten Miniatur-Symbole kennt fast jeder. Seit dem Siegeszug der Smartphones sind sie für viele Menschen selbstverständlicher Teil ihrer Alltagskommunikation. In privaten Textnachrichten und in den sozialen Netzwerken wimmelt es von Emojis. Sollen sich auch Amtsträger über Smileys mitteilen?

Cloud mit Social Media

Mal eben einen WhatsApp-Gruß an Freunde, die Kinder oder den Partner schicken, ein Instagram-Foto kommentieren oder eine Twitter-Botschaft absetzen: Wo immer Menschen heute digital kommunizieren – die kleinen Zeichen sind nicht weit. Ob Herzchen, lachende und weinende Gesichter oder das Daumen-hoch-Symbol: Emojis sprechen für sich, ohne dass der Absender sich wortreich erklären muss. 56 Prozent der Deutschen finden, dass die Symbole Gefühle besser ausdrücken als reiner Text, besagt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts YouGov. Nicht immer geht es um große Emotionen. Auch ganz nüchterne Inhalte werden gern mithilfe einer stetig wachsenden Palette an Piktogrammen aufgepeppt – ein Tribut an das visuelle Zeitalter.

Mehr Kontext für den Text  

Sollen die beliebten Zeichen auf den privaten Bereich beschränkt bleiben? Oder eignen sie sich auch für die offizielle Kommunikation? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Manch einem erscheinen die Bildchen zu profan und unseriös, als dass sie in förmlichen Zusammenhängen Platz haben sollten. Andere wiederum sehen darin schlichtweg eine zeitgemäße Ausdrucksform, so auch eine Reihe von Sprachwissenschaftlern. Emojis machten geschriebenen Text dialogischer und bereicherten ihn daher, meint etwa der Linguist Michael Beißwenger von der Universität Duisburg-Essen in einem Beitrag des Goethe-Instituts. Ein Sprachverfall sei deshalb nicht zu befürchten.

Wichtig: Authentisch bleiben

Darf das als Ermunterung verstanden werden, sich auch als Gemeinderepräsentant der munteren Zeichensprache zu bedienen? Eine Antwort in Form allgemeingültiger Regeln gibt es darauf nicht. Die Empfehlung kann nur lauten: Verlassen Sie sich auf Ihr natürliches Empfinden und kommunizieren Sie öffentlich so, wie es zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Image passt. Wer sich als Bürgermeister intensiv in digitalen Netzwerken betätigt, einen lockeren Stil pflegt und es gerne menscheln lässt, dürfte mit Emojis richtigliegen. Sind Sie dagegen ein Amtsträger, der einen eher rationalen Auftritt pflegt, für seine Nüchternheit geschätzt wird und selten Persönliches preisgibt? Dann sollten Sie auf Spielereien in Form von Smileys & Co. besser verzichten. Eine Statusmeldung bei Facebook oder ein Tweet funktionieren schließlich auch allein durch kraftvolle Worte und ohne bunte Bildchen.

Fingerspitzengefühl entwickeln

Wer sich der Zeichensprache bedient, benötigt ein sicheres Gespür dafür, wann Emojis angebracht sind – und in welchen Situationen sie als unpassend empfunden werden könnten. Tendenziell empfiehlt sich Zurückhaltung bei unerfreulichen, ernsten und sehr kontroversen Themen. Ohnehin sollten Sie die Symbole immer mit Bedacht einsetzen. Greifen Sie nur auf unverfängliche Zeichen zurück und meiden Sie Emojis, die beleidigend, diskriminierend oder in irgendeiner Form missverständlich auf die Netzöffentlichkeit wirken könnten. Schließlich wollen Sie bei aller digitalen Lockerheit als ein seriöser Bürgermeister wahrgenommen werden, der sich der Würde seines Amtes jederzeit gewahr ist – auch wenn er ab und zu ein Smiley zwinkern lässt.

www.nicola-karnick.de

Autor: Nicola Karnick (Nicola Karnick ist Redenschreiberin und Autorin von "Praktische Redenbausteine für Bürgermeister".)