19.01.2018

Mit einfachen Worten

Ein Behördenschreiben verstehen? Daran scheitern in Deutschland viele Menschen. Im Zuge der Gleichstellungsanstrengungen hat der Gesetzgeber jetzt die Regeln für eine barrierefreie Kommunikation verschärft. Ein guter Anlass, sich auch in der mündlichen Sprache um mehr Klarheit zu bemühen.

Mann mit Megaphon

Anfang des Jahres ist das novellierte Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) in Kraft getreten. Es soll für einen hindernisfreien Informationsfluss sorgen und so die Integration fördern. Behörden müssen ab sofort noch stärkere Anstrengungen unternehmen, sich ihren Bürgern einfach und verständlich mitzuteilen. Das bedeutet: Informationen, Formulare und Anträge staatlicher Stellen sind in Zukunft vermehrt in Leichter Sprache bereitzustellen. Auf diese Weise soll Menschen mit seelischem und geistigem Handicap eine bessere Teilhabe ermöglicht werden.

Neues Berufsbild

Auf die öffentlichen Einrichtungen kommt mit den neuen Pflichten eine zusätzliche Herausforderung zu. Sie müssen ihre Textkompetenzen entsprechend auf- und ausbauen. In Bayern ist bereits ein Pilotprojekt angelaufen. Dort soll in den kommenden Jahren das Berufsbild „Fachkraft für Leichte Sprache“ Gestalt annehmen. Aufgabe der späteren Experten: Behördentexte so umzuformulieren, dass beeinträchtigte Menschen den Inhalt ohne große Mühe verstehen. Von diesen sprachlichen Vereinfachungen werden nicht nur behinderte Menschen, sondern auch Ältere und Nicht-Muttersprachler profitieren.

Kurz und bündig

Die verschärften Gesetzesregeln beziehen sich auf Drucksachen und Schriftverkehr. Allerdings dürfen Bürgermeister und andere Amtsinhaber sich durchaus angespornt fühlen, auch ihre mündliche Kommunikation zu überdenken. Wie sprechen Sie zu den Menschen? Sind Ihre Ansprachen so beschaffen, dass jeder Ihnen folgen kann? Welche Worte benutzen Sie, wenn Sie mit Ihrem Anliegen vor Ihre Gemeinde treten? Kurze Hauptsätze, keine Fremdwörter, gegenständlich statt abstrakt: Viele Regeln der Leichten Sprache sind auch ein guter Ratgeber in Sachen öffentliche Rede. Sie helfen, wegzukommen vom Beamtendeutsch – und hin zu einer handfesten, allgemeinverständlichen Kommunikation. 

Zum Weiterlesen: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Leichte Sprache“ einen hilfreichen Leitfaden erstellt.

www.nicola-karnick.de

Autor: Nicola Karnick (Nicola Karnick ist Redenschreiberin und Autorin von "Praktische Redenbausteine für Bürgermeister".)