25.09.2018

Mal richtig streiten! Aber richtig!

Streit gehört zu unserem Berufsleben wie eine Erkältung zum Herbst: Mal kündigt sie sich durch Frösteln an, mal geht’s gleich mit hohem Fieber los. Wo Menschen aufeinandertreffen, entsteht Reibung. Die sorgt zwar mancherorts für Wärme, manchmal aber für Hitze, die nicht von jedem gleichermaßen ausgehalten werden kann – ähnlich wie in einer Sauna. Wie Sie in Ihrem Rathaus mal so richtig streiten, aber eben richtig, erfahren Sie hier.

Konflikt

Von Beziehungen, Kommunikation und Rollen

Streit ist nicht gleich Streit. Es muss nicht immer lautstark zugehen und die Fetzen fliegen. Ein Streit kann eine ganz schleichende, fast schon hinterhältige Angelegenheit sein. Dabei gibt es unterschiedliche Formen des Streits: Der Beziehungsstreit ist der wohl schwerwiegendste Konfliktfall innerhalb einer Gemeinschaft, da hier in der Regel zwei Menschen aufeinandertreffen, die eine grundständige Antipathie, eine mangelnde Chemie gegeneinander aufbringt. Häufig beginnen diese Konflikte mit einer unterschwelligen Art der gegenseitigen Verächtlichmachung der Anderen („Lästern“) oder personenzentrierte Eigenschaften werden über die Leistungen der Arbeit gelegt. Diese Beziehungskonflikte können besonders schwerwiegend im Umgang sein, da hier oft nicht (mehr) ersichtlich ist, wer den Konflikt begonnen hat und welchen Verlauf er zur Lösung nehmen könnte.

Anders als Beziehungskonflikte sind Kommunikationskonflikte in ihrer Dimension vielleicht vielschichtiger, dafür aber auch lösbar. Sie entstehen unter anderem, wenn sich Mitarbeitende auf einer Ebene nicht einbezogen fühlen in Entscheidungsprozesse, die sie aber letztlich betreffen. Das Ergebnis kann Widerstand oder gar, im schlimmsten Fall, Sabotage sein.

Beiden Konflikten vorgelagert kann ein Rollenkonflikt stehen: Eine Gruppe strukturiert sich immer in gewissen Rollenverteilungen und Mitarbeitende übernehmen in den meisten Fällen unterschiedliche Rollen in einem sozialen Konstrukt. Verfolgen sie dabei allerdings unterschiedliche Zielsetzungen, geraten ihre Rollen unter Umständen in Konflikte. Als Konflikte innerhalb der Mitarbeitenden, die einzelne Rollen auszufüllen versuchen, entstehen andererseits Rollenkonflikte innerhalb unterschiedlicher Gruppen und deren Rollen untereinander.

Sprache, Worte und Gehör

Häufig entstehen Konflikte, wenn Menschen sich in unterschiedlichen Rollen konfrontativ begegnen und dabei übersehen, wie ihre eigene Sprache und ihre eigene mentale Haltung dazu beitragen einen Konflikt entweder zu verschärfen oder zu deeskalieren. Ein Tipp von Experten: Fragen statt behaupten. Versuchen Sie möglichst immer, unmittelbare Kritik in eine Frage zu verpacken, da diese Form der Konfliktbearbeitung in der Regel ein Nachdenken und eine Form der Reflexion beim Gegenüber in Gang setzt.

Achten Sie zudem stets auf Ihre Wortwahl bei der Bearbeitung eines Konflikts. Häufig verbinden Menschen nicht immer die gleichen Sprachmuster mit den gleichen Bedeutungen wie Sie. Unternehmen Sie immer den Versuch, Ihr Gegenüber emotional einzubinden, indem Sie so verbindlich wie möglich darauf eingehen und sich eben nicht darin üben, auszuweichen, um lediglich so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten.

Der letzte Tipp in dieser Dreierreihe ist der wohl schwierigste: Überhören Sie Anfeindungen und andere Anwürfe. Versuchen Sie sich immer darin, andere Menschen in Ihre Überlegungen und Gedankengänge einzubeziehen, indem Sie gar nicht erst zulassen, dass eine emotionale Ebene in den Diskurs Einzug hält; so funktioniert es auch mit dem Streit!

Quelle
https://karrierebibel.de/konflikte-loesen-mit-kollegen/

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist ein international erfahrener Kommunikationsexperte und Kommunalpolitiker.)