27.10.2017

Landflucht? Von wegen! Ein Beispiel aus dem Westerwald, das Schule machen sollte!

Gerade Kommunen in sogenannten ländlichen Räumen haben immer wieder mit dem Problem der Abwanderung zu kämpfen: Junge Menschen ziehen zum Arbeiten/Studieren in die Städte – die Dörfer verwaisen. Das muss nicht sein, wie die Stadt Montabaur im Westerwald zeigt: Hier hat die infrastrukturelle Anbindung am Beginn des 21. Jahrhunderts eine Reihe kluger politischer Maßnahmen ausgelöst – mit nachhaltigem Erfolg.

Das Münchner Rathaus

Immer wieder werden Kommunen damit konfrontiert, dass Häuser (gerade in den Dorfkernen) leer stehen, junge Menschen in die Städte ziehen und die nahräumliche Versorgung schwer damit zu kämpfen hat, zumindest ein Minimum an nächstem Auskommen sicherzustellen. Dabei kann es auch anders gehen, wie das Beispiel Montabaur im Westerwald zeigt.

Pendler, Einheimische, Zugezogene und Alteingesessene: Alle finden etwas vor!

Montabaur, direkt an der A3 im Westerwald bei Limburg an der Lahn gelegen, ist eine Stadt, die eher dem Klischee der „Ländlichkeit“ entspricht. Sieht man sich in der Stadt jedoch einmal aufmerksam um, sieht man viele Hinweise für die Modernität und Zukunftsfähigkeit eines ländlichen Raums, der die Zukunft ernst genommen hat: Ein umfassendes Betreuungsangebot für unter 3-Jährige, Glasfaser-Internet und eine moderne Siedlungspolitik geben zu erkennen, dass hier für jeden etwas zu finden ist. Die Stadt hat früh erkannt, dass Zuzug neue Anforderungen an die Politik stellt, und hat entsprechend gehandelt. Vorausschauendes Denken und vernünftige Stadtpolitik gehen hier Hand in Hand.

Zukunftswerkstätten einrichten!

Natürlich hat nicht jede Gemeinde einen Autobahnanschluss und einen eigenen ICE-Bahnhof vor der Tür. Was bleibt also zu tun? Zukunft kann geplant werden; so viel steht fest. Wichtig dabei ist, dass alle Akteure gemeinsam das Ziel verfolgen, eine Kommune zukunftsfähig zu machen. Ein wichtiges Instrument können dafür sogenannte Zukunftswerkstätten sein: Bestenfalls von einem externen Moderator geleitet, werden Bürger, Politiker und Verantwortliche zusammengeholt und in unterschiedlichen Themenbereichen um Eingaben gebeten. Wichtig ist, dass eine tatsächliche und offene Diskussionskultur herrscht und dass niemand das Gefühl bekommt, an dieser oder jener Stelle manipuliert zu werden. Die Ergebnisse werden dann handlungsleitend in die kommunalen Gremien gegeben und wirken doppelt: Die Menschen erkennen, dass sie ernst genommen werden (Integrationskraft!), und tragen die Stadt in eine zukunftsfähige Moderne.

Quelle/Literaturtipp
https://kommunal.de/artikel/infrastruktur/

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)