11.12.2020

Kunst in Zeiten von Corona

Wie die Coronakrise Kulturschaffende auf noch eine andere Art inspiriert, zeigen Solveig Janetzke, Doreen Zilox und Wolfgang Jahn. Die drei befreundeten Künstler haben den Lockdown seit März 2020 zum Anlass genommen, sich regelmäßig in einem Atelier zu treffen.

Sippenhaft Quarantäne

Sie suchten nicht den verbalen, sondern den kreativen Austausch, mit dem sie ihre persönlichen Erfahrungen der Krise in Kunst umsetzen konnten. Nicht über das reden, was sie an Ereignissen gerade aktuell überrollte, sondern dem Ausdruck zu verleihen, was sie in der Krise gerade bewegte, das motivierte sie dazu, Synchronbilder zu malen. Infolgedessen arbeiteten sie entweder immer zu dritt an einem Bild oder hintereinander an ein und demselben Bild.

Bei dieser Arbeitsweise konnte niemand seine vorherrschenden Gefühle lange mit sich herumtragen oder sich gar an ihnen festhalten. Die individuellen Stimmungen mischten sich zu ganz unterschiedlichen Farben und fanden ihren Widerhall auf den verschiedensten Malgründen wie Papier, Leinwand, leeren Kaffeesäcken und abmontierten Rollos. Die drei Künstler und Künstlerinnen bemalten einfach vieles, was ihnen unter die Finger kam. Dabei versuchten sie, Pinsel und Farben freien Lauf zu lassen, ohne zu bewerten oder zu korrigieren. Zuweilen sind ihre unterschiedlichen Temperamente einander in die Quere gekommen, was aber auch einen konstruktiven Einfluss auf den freien Malprozess hatte.

Ausdrucksvoll ist es, wie sich das gefühlte Grau der Corona-Tage mit den begleitenden Ängsten und Unsicherheiten in Licht und Farbe wandelte. Erstaunlicherweise sind in den fünf Monaten des gemeinsamen Schaffens auch verspielte und verzauberte Bilder entstanden, wie zum Beispiel die Trilogie „Wir tanzen weiter“, „Drei Künstler, drei Leinwände, drei Selbst“ und die beiden großformatigen Werke „Upcycling“ und „Wir waren froh, dass wir uns hatten“. Etwas düsterer anmutend ist das Bild „Berlin im Lockdown“ auf grobem Gewebegrund gemalt. Mit Bildern wie „Stoff-Masken hinter Museumsglas“ dokumentieren die Künstler und Künstlerinnen die Gegenwart, die bald zur Vergangenheit geworden ist. Denn die Stoffmasken, die heute die Gesichter bedecken, werden im Museum künftigen Generationen von der Corona-Zeit erzählen.

Am 25. Oktober 2020 – noch vor dem zweiten Lockdown – hatten die drei Kreativen Gelegenheit, zum „Tag der offenen Ateliers“ im Atelier Waldhaus die Gemeinschaftswerke dem Publikum zu zeigen. Ergänzt wurde diese „Bilder Schau“ mit plastischen Arbeiten einer Künstlerin aus dem Trio, die ihre Skulpturen eigens zum Thema Corona geschaffen hat. Die Besucher waren aufgeschlossen und interessiert und ließen sich auf die Kunst voll ein. Viele von ihnen waren erstaunt darüber, wie es gelingen konnte, mittels Transformation aus der schweren Thematik eine leichte, lebendige Illusion zu schaffen.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin für Garten- und Landschaftsarchitektur.)