21.06.2021

Kommunen setzen stärker auf Karte und kontaktlose Zahlung

Bargeldlose Zahlungen setzen sich immer mehr durch. Ob per Girocard oder Kreditkarte, auch in den Kommunen sind heute bargeldlose Zahlungen schon vielerorts möglich, z.B. bei der Ausstellung des Reisepasses, an der Kasse im Schwimmbad oder zum Betanken des E-Autos.

Banknoten und Münzen

Besonders das Kontaktrisiko während der Pandemie hat den Trend zu Kartenzahlung verstärkt. In fast jeder fünften Kommune ist ein Anstieg der Nutzung von Karten und der quasi kontaktlosen Zahlung zu verzeichnen, wie eine aktuelle infas-quo-Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) zeigt. Bereits 2014 wurden Kommunen zum Status quo und zu künftigen Potenzialen moderner Bezahlsysteme befragt. Die neue Umfrage zeigt, dass mittlerweile an vielen Orten bargeldloses Bezahlen zum Alltag gehört. Doch es gibt immer noch Ausbaupotenzial. Die Pandemie wirkt dabei als Katalysator und hat eine neue Dynamik in die Digitalisierungsprozesse gebracht, gerade auch beim Bezahlen. Laut den Ergebnissen der aktuellen Umfrage wurde in jeder zweiten Kommune in der Pandemie deutlich mehr bargeldlos bezahlt, wie Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB, bestätigt.

Gerade Kommunen sind bei der bargeldlosen Bezahlung in der Verwaltung gut aufgestellt: Knapp neun von zehn Kommunen setzen sie dort ein – egal in welcher Form. Während in 2014 gerade einmal 70 Prozent die bargeldlose Zahlung anboten, sind es heute über 90 Prozent. Fast jede Kommune mit 50.000 Einwohnern und mehr (96 Prozent) setzt die bargeldlose Bezahlung in der Verwaltung ein. Bei den Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnern liegt der Anteil etwas niedriger, bei 79 Prozent.

Mit Blick auf die Zahlungssysteme zeigt sich, dass in den Bürgerämtern die Girocard, die Bezahlkarte der deutschen Banken und Sparkassen, beliebtestes Zahlungsmittel ist. Darauf folgen die Überweisung/Rechnung, der elektronische Lastschrifteinzug sowie die Kreditkarte. Mehr und mehr wird bei der girocard die PIN-Eingabe von der komplett kontaktlosen Zahlung überholt. Wie die aktuelle Statistik der Deutschen Kreditwirtschaft zeigt, zahlen Verbraucher inzwischen jedoch bevorzugt kontaktlos: 60 Prozent aller Girocard-Transaktionen werden berührungslos getätigt, rund 90 Prozent der Terminals sind kontaktlosfähig. In den Kommunen setzt bisher über die Hälfte aller, die die girocard-Zahlung auf ihren Bürgerämtern möglich machen, auch auf die berührungslose Variante.

Über die kommunale Verwaltung hinaus werden auch die Anwendungsbereiche für den Einsatz der elektronischen Bezahlung immer häufiger: Waren es 2014 vorrangig Erlebnis- und Schwimmbäder, Büchereien sowie Parkscheinautomaten, kommt derzeit die Nutzung in der Mobilität hinzu, wie Stromtankstellen für Elektroautos und Parkscheinautomaten sowie der Öffentliche Personennahverkehr. An den E-Ladesäulen beträgt die Akzeptanz der Girocard laut Aussage der Kommunen bereits 45 Prozent, an Parkscheinautomaten hingegen sind es nur 15 Prozent. Bei beiden spielt die Bezahlung via App bereits eine entscheidende Rolle.

Aber generell besteht bei der Nutzung digitaler Dienstleistungen noch Ausbaupotenzial: Gaben vor sieben Jahren Kommunen an, dass 13 Prozent der Dienstleistungen online genutzt und auch bezahlt werden können, sind es heute 20 Prozent. Weitere 18 Prozent geben an, dass Dienstleistungen online bereits genutzt, aber noch nicht bezahlt werden können. DStGB-Hauptgeschäftsführer Landsberg sieht in der Corona-Pandemie einen Beschleuniger für notwendige Transformationsprozesse im Digitalen. Kommunale Dienstleistungen wie zum Beispiel die Ausstellung einer Geburtsurkunde würden wann immer rechtlich möglich künftig auch digital angeboten werden. Es sei aber ein Prozess, der Zeit benötigt und zwingend auch durch einen flächendeckenden Breitbandausbau begleitet werden muss. Neben der Nachfrage nach elektronischen Verwaltungsleistungen steige schließlich auch der Bedarf an schnellem Internet für das stärker genutzte Homeoffice.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)