22.10.2021

Kommunale Befragung zur Altersarmut

In Deutschland wächst das Problem der Altersarmut. Zahlreiche Personen über 65 Jahre können ihren Lebensunterhalt nur mit zusätzlicher Unterstützung vom Staat bestreiten. Derzeit sind etwa 15 Prozent bei den 65-Jährigen und älteren betroffen, das sind rund 2,6 Millionen Rentner.

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Die Landeshauptstadt München widmet sich diesem Problem, indem sie im Herbst eine Umfrageaktion startet. Hiermit sollen die Gründe und Ursachen verdeckter Altersarmut aufgeklärt werden. Im Oktober verschickt das Sozialreferat Fragebogen zur finanziellen und sozialen Lage an Haushalte in ausgewählten Stadtbezirken. Angeschrieben werden alle der mehr als 2.000 Haushalte mit mindestens einer Person im Rentenalter.

Bürgermeisterin Verena Dietl empfiehlt die Teilnahme an der Befragung und versichert, dass alle Angaben vertraulich und anonym behandelt werden. Die Landeshauptstadt München will erfahren, wie viele ältere Menschen in München in Armut leben und ihren Anspruch auf Grundsicherung im Alter nicht einlösen. Mit dem Wissen aus den gesammelten Angaben sollen die Organisation der Sozialleistungen und weitere Hilfsangebote so aufstellt werden, dass sie alle Münchner und Münchnerinnen nutzen können.

Die Stadt möchte der verbreiteten, aber unbegründeten Sorge entgegentreten, dass die erwachsenen Kinder im Fall einer berechtigten Inanspruchnahme von Sozialleistungen ihrer Eltern zur Kasse gebeten werden. Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den Eltern bestehen nur bei einem Einkommen der Kinder von mehr als 100.000 Euro jährlich. Zudem gilt für die leistungsberechtigte Person ein Vermögensfreibetrag von 5.000 Euro als Alleinstehende, 10.000 Euro bei Partnern.

Das Sozialreferat erhofft sich eine möglichst umfassende Teilnahme an der Befragung, um damit Rückschlüsse auf das Ausmaß verdeckter Armut im Alter und die Situation betroffener älterer Münchner und Münchnerinnen zu ziehen. Auf Grundlage der Erkenntnisse soll dann das Hilfsangebot entsprechend angepasst werden. Die Teilnahme ist auch online möglich und der Fragebogen ist in mehrere Fremdsprachen übersetzt.

Momentan beziehen rund 15.000 Personen in München Grundsicherung im Alter, weil ihr Alterseinkommen und Vermögen nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Sozialreferat geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn trotz des bestehenden Anspruchs beantragen viele Betroffene keine Leistungen der Grundsicherung im Alter.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)