25.07.2022

Klimawandel fordert neues Handeln

Wieder ist Sommer und wieder erleben wir hautnah die Konsequenzen des Klimawandels. Die Böden trocknen aus und Bäche und Seen verlieren drastisch an Wasserpegel. Das führt dazu, dass im Rhein-Main-Gebiet kein Wasser mehr aus Bächen entnommen werden darf. Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis reagieren damit auf den ausbleibenden Regen. Da immer weniger Wasser in den Bächen fließt, darf es seit Mitte Juli nicht mehr entnommen werden. Das empfindliche Ökosystem in den ohnehin zu warmen Gewässern müsse vor weiterem Stress geschützt werden, wie Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) erläutert.

Dorfteiche einzäunen

Eine entsprechende Verfügung hat neben der Stadt Frankfurt auch der Main-Taunus-Kreis für den Landkreis erlassen, wo die Oberläufe mancher Bäche bereits ausgetrocknet seien. In Frankfurt kommt erschwerend hinzu, dass in Taunusbächen wie dem Urselbach, dem Erlenbach und dem Eschbach der Anteil des gereinigten Abwassers aus den oberhalb gelegenen Kläranlagen steigt. Wegen der geringen Regenmengen wird es kaum noch verdünnt, womit sich die Keimbelastung erhöht.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich sind die Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Zwischen Februar und März gab es in Frankreich bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag. Jetzt im heißen Sommer mit teilweise Temperaturen über 35 Grad steht unser westlicher Nachbar, die Kornkammer der Europäischen Union, ebenfalls vor großen Herausforderungen.

Die Bilder sind frappierend: Die ausgetrockneten Bodenspalten nahe Paris sind so breit, dass eine Männerhand darin verschwindet. Der Pariser Landwirt David Lavernant beklagt das Wachstum der Gerste, die er auf Feldern im Westen von Paris anbaut. Die Pflanzen büßen wegen der Trockenheit ein Viertel an Höhe ein. Er denkt bereits darüber nach, andere Pflanzen anzubauen, wie Hirse oder Soja, die weniger Wasser brauchen. Die Klage der französischen Bauern wird in den vergangenen Wochen immer lauter. Trockenheit und Wassermangel machen ihnen und ihren Feldern zu schaffen.

Christiane Lambert, die Vorsitzende der größten Bauerngewerkschaft FNSEA, alarmiert, dass die Weizenproduktion um vier Prozent zurückgehen werde und in manchen Regionen stärker bewässert werden müsse. Denn die Preise würden steigen, wenn die Produktion niedriger ausfalle.
Das Dilemma besteht nun darin, dass wegen des Kriegs in der Ukraine die Nachfrage nach der Produktion von Getreide innerhalb der EU steigt, dass man aber Wasser sparen muss, wo man eigentlich mehr wässern müsste, um die Getreideproduktion zu steigern. Es ist erforderlich, dass wir uns in den kommenden Jahren an das sich wandelnde Klima anpassen und vorausschauender planen. Dafür müssen alle betroffenen Bereiche stärker zusammenarbeiten: Technik, Wissenschaft und Landwirtschaft.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)