Fachbeitrag | Information 27.01.2017

Ist eine generationengerechte „Kreisdemokratie“ möglich? Ja! Schloss Tempelhof beweist es

Formen der gemeinsamen Themen- und Entscheidungsfindung sind in aller Munde. Immer wieder propagieren Vordenker die Wichtigkeit des frühzeitigen Involvements anderer Menschen und anderer Sichtweisen. Dass diese Organisation zu Problemen und Abwehr führen kann, ist hinlänglich bekannt. Dass es aber auch anders geht, zeigt uns ein alternatives Gemeinschaftsprojekt aus dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Wahlrecht

Ökonomie ist ein wertschöpfender und wertegestaltender Prozess, der uns in den vergangenen Jahrhunderten einen ungeahnten Wohlstand beschert hat – zumindest in unseren Breiten. Was wir in den vergangenen Jahren hingegen erleben mussten, lässt zahlreiche Wissenschaftler und Verantwortliche ratlos und erschrocken zurück: Der Kapitalismus der Gegenwart konsumiert seine eigenen Voraussetzungen des Fortbestands in der Zukunft, gerade in den Kommunen. Das es auch anders geht, zeigt Schloss Tempelhof in Schwäbisch Hall.

Schloss Tempelhof

Schloss Tempelhof ist ein idyllischer und friedvoller Ort. Wunderschön eingebettet in Wiesen und Hänge in der Nähe des ohnehin malerischen Ortes Schwäbisch Hall. In den etwas verstreut liegenden Häusern auf dem Grundstückskomplex lag lange Zeit die Aura des Unglücklichen: Einst war an dieser Stelle eine Kinderpsychiatrie untergerbacht, und das Unglück der Kinder sei anfangs noch deutlich zu spüren gewesen, so Mitbegründerin Agnes Schuster. Was Bürgerinnen und Bürger dann jedoch auf die Beine stellten, ist einzigartig: Die Räume wurden saniert, freundlich, hell und offen gestaltet und damit auch geistig zugänglich gemacht.

Nachhaltige Dynamik des Zusammenlebens

Die Organisation der gelebten Dynamik innerhalb der Gemeinde ist kreisförmig angelegt und folgt damit einem natürlichen Prinzip des Lebens: An dieser Stelle können wir von den Initiatoren sehr viel lernen: Durch das kreisförmige Anordnen des täglichen Ablaufs gewinnt die Routine eine gewisse Dynamik. Egal ob zu Beginn des Tages mit einem Morgenkreis oder zum Ende des Tages mit einem Reputationskreis: Das Involvieren aller Menschen ist besonders dort hilfreich, wo zahlreiche Meinungen und Ansichten aufeinanderstoßen und damit unmittelbar, direkt und kollegial gelöst werden können. Die Mitarbeitenden zeigen dabei, dass das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen gerade an dieser Stelle nicht zu Blockaden, sondern zu Sichtwechseln führt.

Konsequenzen

Anstatt immer mehr Konferenzen und langatmige Besprechungen einzuberufen, können Sie vielleicht in Ihrem Rathaus vielmehr auch die Kraft der Kreise nutzen und regelmäßig all jene an einen Tisch holen, die entscheiden können und wollen, und damit ein bislang ungeahntes Maß an Potenzialen freisetzen.

Internettipp/Quelle:
http://futurzwei.org/#649-schloss-tempelhof

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)