19.11.2021

Intensivpflegekräfte geben wegen der Coronapandemie auf

Die Infektionszahlen steigen und die freien Intensivbetten werden immer rarer. Hinzu kommt ein weiteres Problem: ein massiver Personalmangel auf den Intensivstationen. Eine Umfrage zeigt nun, wie viele Pflegekräfte den Kliniken verloren gegangen sind. Nach eineinhalb Jahren Dauerbelastung kennen viele Pflegekräfte häufig nur noch Müdigkeit und Erschöpfung. Das dies nicht ohne Folgen bleibt, zeigen die Zahlen einer aktuellen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts, die im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) gerade veröffentlicht wurde: Die Personalnot auf den Intensivstationen hat sich demnach in der Pandemie noch einmal verschärft.

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Heute stehen in 75 Prozent der Krankenhäuser mit Intensivbetten weniger Intensivpflegekräfte zur Verfügung als noch Ende 2020. Hauptgründe sind Kündigungen, interne Stellenwechsel und reduzierte Arbeitszeiten. Erstmals zeigt sich nun, wie viele Intensivpflegekräfte den Krankenhäusern aufgrund der belastenden Bedingungen während der Coronapandemie verloren gegangen sind. In gut einem Drittel der Kliniken fehlen demnach – in Vollzeitkräften gerechnet – bis zu 5 Prozent des Pflegepersonals, in einem knappen weiteren Drittel zwischen 5 und 10 Prozent. Jede elfte Klinik hat sogar mehr als 10 Prozent der Intensivpflegekräfte verloren. Die Hälfte der Krankenhäuser berichtet, dass die Abwanderung aus der Intensivpflege im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen habe.

Schon länger befürchteten Fachleute, was die Zahlen nun bestätigen. Aus Pflichtgefühl haben zahlreiche Pflegekräfte auf Intensivstationen harte Arbeit geleistet und durchgehalten, aber nach dem unabwägbaren Ende gaben schließlich viele Schwestern und Pfleger auf. Besonders während der zweiten, schweren Coronawelle im vergangenen Winter litten sie nicht nur unter der psychisch und körperlich sehr anstrengenden Arbeit, was zusätzlich durch die volle Schutzmontur verstärkt wurde. Zunehmend stieg auch der Frust darüber, dass sich an den ohnehin schwierigen Arbeitsbedingungen selbst durch die große Aufmerksamkeit in der Pandemie nichts geändert hat. Viele haben wohl dadurch das Vertrauen verloren, dass sich jemals noch etwas verbessern könnte.

Als Folge davon konnten fast neun von zehn Krankenhäusern seit Jahresanfang einen Teil ihrer Intensivbetten wegen des Personalmangels nicht belegen. Gut die Hälfte der befragten Kliniken gab an, dass das oft oder sehr oft der Fall war, wobei große Häuser mit mehr als 600 Betten besonders stark betroffen sind. Momentan kann mehr als jedes zweite Krankenhaus wegen fehlenden Personals in Pflege oder Medizin Intensivbetten nicht belegen. Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hat vor Kurzem gewarnt, dass momentan in jedem dritten Intensivbett kein Patient mehr behandelt werden kann.

Autor: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)